Drei Trainer mussten in dieser Bundesliga-Saison ihren Posten räumen. Insgesamt sind nur zwei Trainer länger als drei Jahre im Amt. Die kurze Haltbarkeitsdauer wirft Fragen auf.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Von allen Trainern, die aktuell in der Bundesliga arbeiten, sind nur zwei länger als drei Jahre im Amt: Christian Streich beim SC Freiburg (sieben Jahre und fast elf Monate) und Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf (drei Jahre und zehn Monate).

Vom Rest darf sich glücklich schätzen, wer zwei Jahre geschafft hat, Steffen Baumgart beim SC Paderborn und Florian Kohfeldt bei Werder Bremen. Hinter ihnen liegt schon Lucien Favre - mit einem Jahr und vier Monaten bei Borussia Dortmund. Klingt das nicht verrückt?

Drei Trainer haben in dieser Saison bisher ihren Arbeitsplatz verloren. Ante Covic, erst seit dem Sommer Cheftrainer bei Hertha BSC, könnte der nächste sein, der gehen muss. Am Ende der Woche entscheidet sich dann auch das Schicksal von Lucien Favre.

Die offenbar immer kürzere Haltbarkeit von Bundesliga-Trainer wirft grundsätzliche Fragen auf. Zum Beispiel diese hier: Suchen die Vereine ihr Spitzenpersonal gewissenhaft genug aus? Oder werden die Trainer nicht genügend ausgebildet?

Trainer-Job: In Deutschland herrscht Fachkräftemangel

Es ist schon auffällig, dass jeder zweite Bundesliga-Trainer nicht aus Deutschland stammt, obwohl Deutschland für sich als Fußballnation den Anspruch erhebt, eine führende Rolle im Weltfußball zu spielen. Jürgen Klopp beim FC Liverpool ist der einzige Deutsche mit Weltruhm.

Offensichtlich bringen aber Trainer aus dem Ausland Fähigkeiten mit, die hierzulande nicht zu finden sind. Der Fachkräftemangel in Deutschland sollte ein Warnsignal sein: Nur Trainer mit Spitzenqualität formen Spieler mit Spitzenqualität.

Es ist nicht lange her, dass man die jungen Wilden in der Trainergilde gefeiert hat. Aktuell sind seit dem Tedesco-Abgang auf Schalke nur zwei unter 40 Jahre alt. Jeder zweite Bundesliga-Trainer ist schon über 50 Jahre. Man kann sagen: Erfahrung zählt. Aber auch: Innovation fehlt.

Genau darum blicken die Klubs ins benachbarte Ausland, wenn sie einen Trainer suchen. In solchen Momenten erst versteht man, warum Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff eine DFB-Akademie in Frankfurt wollte: Dort sollen die Fußballlehrer von morgen heranwachsen.

Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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Borussia Dortmund muss sich nichts mehr vormachen. Trainer Lucien Favre hat allen Kredit verspielt. Die "Favre raus!"-Rufe aus dem Publikum waren zur Halbzeit, als die Mannschaft mit 0:3 gegen den Bundesliga-Letzten SC Paderborn hinten lag, nicht zu überhören.