Lothar Matthäus: Die deutsche Fußballlegende wird 60

Lothar Matthäus ist nicht nur Weltmeister, er ist in Deutschland eine lebende Fußballlegende. Am 21. März feiert der Franke seinen 60. Geburtstag. Auch heute noch wird er - nicht zuletzt aufgrund seiner Vielzahl witziger Sprüche - als echte Ikone gefeiert. Ein Rückblick. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Unter Trainer Jupp Heynckes reifte der Jungspund zu einem der besten Mittelfeldspieler des Landes heran. 1980 durfte er erstmals für die Nationalmannschaft auflaufen - und das erfolgreich: Aus der Europameisterschaft 1980 in Italien ging die deutsche Mannschaft als Sieger hervor. Es war Matthäus' erster großer Titel.
Bis 1984 blieb Matthäus als Mittelfeldspieler bei Borussia Mönchengladbach und unterschrieb dann einen Vertrag beim FC Bayern München. In seinem letzten Spiel für die Borussia ging es ausgerechnet gegen seinen künftigen Arbeitgeber - wobei sich Matthäus bei den Gladbach-Fans nicht gerade beliebt machte: Im Elfmeterschießen patzte er und bescherte den Bayern somit den Sieg im DFB-Pokalfinale.
Auch abseits des Rasens sorgte Matthäus für Ärger: Während der Europameisterschaft 1984 in Frankreich - sein drittes großes Turnier - schlich er sich mit einem Kollegen nachts heimlich aus der Spielerunterkunft und wurde in einer Gaststätte erkannt. Sein Fehlverhalten führte damals zu einer Geldstrafe von 1.000 D-Mark - noch nie zuvor hatte ein DFB-Spieler eine solche Buße zahlen müssen.
Bei seinem neuen Verein konnte sich Matthäus schnell als absoluter Leistungsträger etablieren und komplettierte sogar den "Titel-Hattrick": Die Bayern gewannen mit ihm 1985, 1986 und 1987 dreimal in Folge die Deutsche Meisterschaft. 1987 erreichte die Mannschaft auch das Finale des Europapokals der Landesmeister, verlor jedoch mit 1:2 gegen den FC Porto.
In der Nationalmannschaft übertrug DFB-Chef Franz Beckenbauer dem Mittelfeldspieler immer mehr Verantwortung. 1986 fuhr Matthäus als Teil der Stammmannschaft zur WM nach Mexiko, wo sich das Team im Endspiel gegen Argentinien geschlagen geben musste. Bereits vier Jahre zuvor war die Mannschaft um Matthäus in Spanien Vize-Weltmeister geworden.
1987 durfte Matthäus die DFB-Elf erstmals als Kapitän aufs Spielfeld führen. 1988 erreichte er als solcher bei der EM im eigenen Land immerhin das Halbfinale, aus dem die Niederlande als Sieger hervorging.
Für unglaubliche 8,4 Millionen D-Mark Ablöse wechselte Matthäus 1988 zu Inter Mailand in die italienische Serie A. Dort entwickelte er sich unter Trainer Giovanni Trapattoni zum Weltstar. Er galt bald neben dem Argentinier Diego Maradona als bester Spieler der gesamten Liga und bescherte der Mannschaft 1989 den ersten Meisterschaftstitel seit neun Jahren.
Das Jahr 1990 markierte den großen Höhepunkt seiner Spielerkarriere: Zum dritten Mal in Folge erreichte die DFB-Elf das WM-Finale, wie vier Jahre zuvor ging es gegen Argentinien - diesmal mit erfolgreichem Ausgang. Dank eines 1:0 konnten die Deutschen den WM-Pokal nach 16 Jahren wieder mit nach Hause nehmen.
Im selben Jahr wurde Matthäus als Deutschlands Fußballer des Jahres, Europas Fußballer des Jahres sowie Weltsportler des Jahres ausgezeichnet. 1991 erhielt er dann als erster Fußballer und bis heute einziger Deutscher die Auszeichnung "FIFA-Weltfußballer des Jahres".
1992 sollte Matthäus zu Juventus Turin wechseln. Aufgrund eines Kreuzbandrisses zog der Verein das Angebot jedoch zurück und der Sportler kehrte nach der Genesung zum FC Bayern zurück. Auch in seiner zweiten Bayern-Epoche konnte Matthäus der Mannschaft einige Erfolge bescheren. In der ersten Saison schoss er gegen Bayer Leverkusen das "Tor des Jahres 1992". Zwei Jahre später wurde der Verein Deutscher Meister.
Mit 150 Länderspielen für die DFB-Elf ist Matthäus bis heute unbestrittener deutscher Rekordnationalspieler. 1993 zog er an seinem "Ziehvater" Franz Beckenbauer vorbei. Im Verein stand er in seiner gesamten Spielerkarriere in mehr als 700 Partien auf dem Spielfeld, in denen er als Mittelfeldspieler mehr als 200 Tore erzielte.
Anfang der 1990er Jahre rückte auch Matthäus' Privatleben mehr in den Fokus. Nach elf Ehejahren trennte er sich 1992 von seiner Frau Sylvia, mit der er zwei Töchter hat. 1994 nahm er die Schweizerin Lolita Moreno (Bild) zur Frau, mit der er bereits 1992 einen Sohn bekam.
Nicht nur seine fußballerischen Leistungen waren in aller Munde, auch durch seine flotten Sprüche machte sich Matthäus im Laufe der Jahre einen Namen. Diese ergaben zwar nicht immer Sinn, sorgten aber stets für Lacher. So riet er Christoph Daum etwa nach dessen Kokaingeständnis, "eine klare Linie in sein Leben" zu bringen. Auch "Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen" stammt aus seinem Mund.
Nach einem erneuten Kreuzbandriss verlor Matthäus in der Nationalmannschaft etwas den Anschluss, in seiner Abwesenheit wurde Jürgen Klinsmann zum neuen Kapitän ernannt. Vor der EM 1996 flog Matthäus dann sogar aus dem Kader und musste sich den Titelgewinn der DFB-Elf vor dem Fernseher ansehen. In klassischem Matthäus-Sprech: "Gewollt hab' ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen."
1997 sorgte der Sportler erneut abseits des Spielfeldes für einen Eklat. Matthäus veröffentlichte das Buch "Mein Tagebuch", in dem er allerlei Kabinen-Interna preisgab. Folglich musste er auch beim FC Bayern die Kapitänsbinde abgeben.
Nach einem verpatzten Champions-League-Finale mit den Bayern 1999 wechselte Matthäus im Frühjahr 2000 in die Vereinigten Staaten. Bei den New York Metro Stars wollte er seine letzten Jahre als aktiver Spieler verbringen. "I hope, we have a little bit lucky", hoffte er bei seiner ersten Pressekonferenz. Im selben Jahr trat er aus der deutschen Nationalmannschaft zurück.
2001 hing er seine Karriere als Spieler endgültig an den Nagel. Was folgte, war eine weniger erfolgreiche Odyssee als Trainer verschiedenster Vereine. Matthäus' erste Station war der SK Rapid Wien, mit dem er nach einer schlechten Saison im Rechtsstreit auseinanderging. Als nächstes versuchte er sich beim Verein Partizan Belgrad, den er immerhin zur Meisterschaft in Serbien führte.
Mit Matthäus als Trainer konnte die ungarische Nationalmannschaft im Juni 2004 die DFB-Auswahl mit 2:0 bezwingen. Anschließend ging es für den Franken kurzzeitig nach Brasilien, ehe er 2006 einen Vertrag beim FC Red Bull Salzburg unterschrieb. 2008 machte er Halt beim israelischen Erstligisten Maccabi Netanja, 2010 übernahm er die Trainerschaft der bulgarischen Nationalmannschaft.
Rasant ging es ab den 2000er Jahren auch im Privatleben des Ex-Kickers zu. Regelmäßig war er in den Schlagzeilen der Boulevardmedien vertreten. Nach seiner Scheidung von Ehefrau Nummer zwei folgte 2003 die Hochzeit mit der Serbin Marijana Kostić. Die Liebe war nicht von Dauer. Und so heiratete Matthäus 2009 die 27 Jahre jüngere Liliana (Bild).
Neben seinen zahlreichen Trainer-Engagements ist Matthäus seit seinem Karriereende als Kolumnist und TV-Experte tätig. 2017 erhielt er sogar den Deutschen Sportjournalistenpreis als meistzitierter Fußballexperte.