Mesut Özil: Vom Treffen mit Erdogan über WM-Aus bis DFB-Rücktritt

Seit mehr als zwei Monaten beschäftigt die Debatte um Mesut Özil die Öffentlichkeit und die Medien. Nun hat sich der 29-Jährige zu seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan geäußert und dabei seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft erklärt. Eine Chronologie der Eskalation.

Gündogan überreicht Erdogan ein Trikot mit einer persönlichen Widmung: "Für meinen verehrten Präsidenten - hochachtungsvoll".
Nachdem Erdogans Partei die Bilder öffentlich gemacht hat, hagelt es Kritik. DFB-Präsident Reinhard Grindel zürnt, Özil und Gündogan hätten sich für Erdogans "Wahlkampfmanöver missbrauchen" lassen.
15. Mai: Die beiden in Gelsenkirchen geborenen Spieler mit türkischen Wurzeln stehen im WM-Aufgebot von Bundestrainer Löw. Kritik gibt es weiter. DFB-Präsident Reinhard Grindel spricht von einem "Fehler" der beiden. Er mahnt aber einen maßvollen Umgang mit dem Thema an.
19. Mai: Özil und Gündogan treffen in Berlin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen. Zudem führen sie ein klärendes Gespräch mit der DFB-Spitze. Wie sich die beiden Fußballstars intern genau erklären, erfährt die Öffentlichkeit nicht.
2. Juni: Die Diskussion ist auch zwei Wochen nach dem Erdogan-Treffen nicht beendet. Beim Testspiel in Österreich gibt es aus dem deutschen Fanblock deutlich vernehmbare Pfiffe gegen die zwei deutschen Nationalspieler.
7. Juni: Oliver Bierhoff versucht, eine Woche vor dem WM-Start die Debatte mit einer Basta-Ansage zu beenden. "Was hätten wir noch mehr machen sollen? Ich bin der Meinung, wir haben sehr viel gemacht - und jetzt reicht es dann auch", sagt der Teammanager in Südtirol.
8. Juni: Der Wunsch geht nicht in Erfüllung. Die Pfiffe gegen Gündogan sind beim 2:1 gegen Saudi-Arabien lauter als in Österreich. Der Mittelfeldspieler verlässt die Leverkusener Arena niedergeschlagen. Die Teamkollegen rätseln. "Wir sagen immer, das Thema ist beendet. Anscheinend ist das nicht der Fall", stellt Sami Khedira fest.
17. Juni: Mit Mesut Özil in der Startelf legt Deutschland beim 0:1 gegen Mexiko einen krassen Fehlstart in die WM hin, der weiter auf die Stimmung drückt. Mats Hummels äußert klare Kritik an der Teamleistung, die Risse im Mannschaftsgefüge vermuten lässt.
23. Juni: Neue Hoffnung dank Toni Kroos' sensationellem Siegtor gegen Schweden in der 95. Minute. Özil bleibt trotzdem eine sportliche Baustelle des DFB-Teams. Nach dem schwachen Auftritt gegen Mexiko lässt ihn Joachim Löw nun 90 Minuten auf der Bank schmoren.
27. Juni: Özil kehrt im entscheidenden Spiel gegen Südkorea in die Startelf zurück. Verhindern kann er das blamable Ausscheiden nach der 0:2-Niederlage gegen den krassen Außenseiter nicht. Der Traum von der Titelverteidigung platzt schon nach der Vorrunde.
5. Juli: Oliver Bierhoff bringt in einem "Welt"-Interview mit brisanten Aussagen neuen Zündstoff in die Causa Özil. "Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet", so der Teammanager.
6. Juli: Nur einen Tag später rudert Bierhoff zurück. Im Interview mit der "Bild" erklärt er: "Es tut mir leid, dass ich mich da offenbar falsch ausgedrückt habe und diese Aussagen missinterpretiert werden. Sie bedeuten in keinem Fall, dass es im Nachhinein falsch gewesen sei, Mesut mitzunehmen." Ein fader Beigeschmack bleibt angesichts dieses Zick-Zack-Kurses.
8. Juli: Özils Vater Mustafa mischt sich in die Debatte ein und kritisiert die Verantwortlichen des DFB für ihr Krisenmanagement scharf. Er verteidigt Mesut und begründet das Erdogan-Foto mit der Höflichkeit seines Sohnes. Sein väterlicher Rat: "An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten."
22. Juli: Nach einigen weiteren Tagen Bedenkzeit folgt Mesut Özil dem Ratschlag seines Vaters und verkündet seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft nach insgesamt 92 Einsätzen. Aufgrund des Gefühls von "Rassismus und Respektlosigkeit" sieht er keine Alternative zu dieser Entscheidung, schreibt er auf Twitter.
Mesut Özil nutzt die Gelegenheit und rechnet in drei emotionalen Tweets knallhart mit allen Beteiligten ab. Sowohl Sponsoren und Medien als auch die Verantwortlichen des DFB werden zur Zielscheibe seines Rundumschlags. Das Kapitel Nationalmannschaft endet für den 29-Jährigen mit der totalen Eskalation - und einem offenen Rassismus-Vorwurf wohl über die Grenzen des deutschen Fußballs hinaus.