Eine schlechtere Bilanz als im Länderspieljahr 2018 hatte noch keine deutsche Fußball-Nationalmannschaft zuvor vorzuweisen. Auf das Vorrunden-Aus bei der WM folgte der Abstieg innerhalb der Nations League. Der Bundestrainer aber heißt noch immer Joachim Löw.

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Seit 1908 bestreitet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft offiziell Länderspiele. Seitdem kassierte sie noch nie so viele Niederlagen wie im Jahr 2018: sechs.

Von insgesamt 13 Partien beendete der viermalige Weltmeister nur vier siegreich. Drei davon glücklich mit 2:1. Die Gegner hießen Saudi-Arabien, Schweden und Peru. Einzig das 3:0 über Russland fiel überzeugend aus. Der WM-Gastgeber aber trat dabei in Leipzig mit einer besseren B-Auswahl an.

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Enttäuschendes Finale eines enttäuschenden Jahres

Das i-Tüpfelchen setzte das 2:2 gegen die Niederlande. In den Schlussminuten der Zugehörigkeit zur A-Liga der Nations League verspielte Löws Truppe eine zuvor durchaus überzeugend herausgespielte Zwei-Tore-Führung.

Viele Fans lasten diese neuerliche Enttäuschung dem Bundestrainer und dessen falschen Personalentscheidungen an. Er habe eine erfrischend und schnell spielende Elf mit der Hereinnahme von Thomas Müller und Leon Goretzka ohne Not geschwächt.

"Wir müssen bei null anfangen", sagte Oliver Bierhoff bereits vor dem Rückspiel gegen die Oranjes. Alles auf den Kopf zu stellen hieße, auch mit einem neuen Bundestrainer neu anzufangen. Das kommt für Löw aber nicht infrage. Er will sich, wie er nach dem Remis gegen die Niederländer trotzig betonte, das Jahr 2018 "nicht gefallen lassen".

Wo bleibt die Trainerdiskussion?

Kritik an Löws Unwillen, seinen Platz zu räumen, dringt nur zaghaft durch. "Zwei Wettbewerbe eines Jahres mit nur einem Sieg und zwei letzten Gruppenplätzen abzuschließen, hätte in der Vergangenheit eher zu einer Trainerdiskussion als zu einer weitgehenden Übereinstimmung mit demjenigen geführt, der die Perspektive in hellen Farben zeichnet", schreibt Marcus Bark auf sportschau.de.

Marcel Reif, ehemaliger Star-Kommentator und mittlerweile Sport1-Experte, forderte am Tag vor dem 2:2 gegen die Niederlande: "Einem Weltmeistertrainer, der diese Meriten hat, musst du die Chance geben, die Dinge wieder aufs Gleis zu bringen."

In sechs Spielen seit dem 0:2 gegen Südkorea und dem Ausscheiden bei der WM ist dies Löw aber offensichtlich nicht gelungen. Nur Peru (mit 2:1) und Russland (mit 3:0) wurden bezwungen. Gegen Kontrahenten, mit denen sich Deutschland auf Augenhöhe bewegen sollte (Frankreich und Niederlande), kam kaum Zählbares heraus. Die Mannschaft holte nur 2 von 12 möglichen Punkten.

Vogts wurde verjagt, Löw nicht

Trotzdem geht Löw seinen eigenen Worten nach mit einem "sehr guten Gefühl" ins Jahr 2019. Oliver Fritsch von Zeit Online attestiert: "Joachim Löw neigt wie andere erfolglose Trainer zur Schönfärberei und zu wenig plausiblen Urteilen."

Berti Vogts, Europameister 1996, aber öffentlich lange nicht so beliebt wie Löw, ging nach der WM 1998 auch erst mit zweimonatiger Verspätung und zwei sieglosen Partien.

Der Druck auf Vogts, zurückzutreten, war damals immens. Er ging, obwohl er bei der WM zuvor immerhin bis ins Viertelfinale vorgedrungen war. Löw schaffte 2018 in Russland nur die Teilnahme an der Vorrunde. Es war aber Vogts, der nach seinem WM-Debakel keine Chance mehr hatte.

Der "Spiegel" schrieb damals: "Der Fußball-Lehrer wollte sich eben auf keinen Fall der 'Bild'-Zeitung beugen, die diesmal nicht so plump wie 1994 ('Herr Vogts, unterschreiben Sie hier'), sondern perfide mit Leserbriefen ('Berti, tu uns das nicht an und laß endlich einen anderen ran', Dieter Christl, Luckenwalde) seine Demission herbeidrucken wollte."

Es gibt keine Löw-Debatte

20 Jahre später schreibt der "Spiegel": "Der Trainer ist am Ende des Jahres allerdings immer noch derselbe und wird auch nicht maßgeblich infrage gestellt. Um Joachim Löw gibt es keine echte Debatte."

Der DFB hält in Person seines Präsidenten Reinhard Grindel schützend seine Hand über seinen Weltmeistertrainer und hofft, dass dieser in der Mannschaft die Alten erfolgreich durch die Jungen ersetzt.

"Der Prozess ist vorangeschritten", beschrieb Löw in der ARD nach dem 2:2 gegen die Niederlande sein "Umbrüchchen". "Er wird aber das ganze nächste Jahr noch dauern."

Löw will beides erreichen: Umbruch und EM

Und er muss unter dem Druck, jedes Spiel gewinnen zu müssen, erfolgen. Deutschland muss sich für die EM qualifizieren. Zuletzt ging das 1968 schief. Damals startete die DFB-Auswahl als Vize-Weltmeister in die Qualifikation und stolperte über Albanien.

Am 2. Dezember, wenn in Dublin die Auslosung der Quali-Gruppen erfolgen wird, warten ganz andere Kaliber auf die deutsche Mannschaft. Das 1:1 zwischen Portugal und Polen in der Nations League schubste Löws Mannen in den Lostopf zwei. Die Polen schnappten Deutschland den Platz in Lostopf eins weg.

Die Qualifikation wird schwer

Dem dreimaligen Europameister drohen somit Schwergewichte wie Weltmeister Frankreich, gegen den Deutschland schon in der Nations League zuletzt nur einen Punkt aus zwei Spielen ergatterte.

Löw hegt an einer erfolgreichen Qualifikation - inklusive Umbruchs - trotzdem keinen Zweifel. Aber er hatte auch nicht daran gezweifelt, bei der WM die Gruppenphase zu überstehen.

Verwendete Quellen:

  • Spiegel.de
  • kicker.de
  • Sportschau.de
  • Zeit.de

Nations League: DFB-Elf mit Remis gegen die Niederlande

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit einem 2:2 gegen die Niederlande aus dem Länderspieljahr 2018 verabschiedet. Das Team von Trainer Joachim Löw führte lange mit 2:0, kassierte aber in der Schlussphase noch zwei Gegentore.