Wieder nichts. Die Fußball-Nationalmannschaft taumelt Richtung Sommerpause. In Polen war nicht alles schlecht - das Ergebnis spricht aber gegen Flick und seine DFB-Auswahl.

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Hansi Flick wirkte gefasst. Nach dem nächsten Rückschlag mit seiner verunsicherten deutschen Fußball-Nationalmannschaft sprach der Bundestrainer spät am Freitagabend im Warschauer Nationalstadion den klaren, aber schwierigen Auftrag gegen das Mittelmaß mit ruhiger Stimme aus. "Wir müssen fighten und gewinnen", sagte Flick nach dem 0:1 (0:1) gegen eine biedere polnische Auswahl und vor dem für die EM-Stimmung eminent wichtigen Test am Dienstag in Gelsenkirchen gegen Kolumbien.

"In dem Prozess, in dem wir gerade sind, ist ein Sieg einfach sehr, sehr wichtig, weil es einfach Vertrauen gibt und dann auch ein bisschen Ruhe reinkommt", sagte der Bundestrainer. Es sei "elementar", zu gewinnen.

Drei sieglose Spiele nacheinander, nur vier Siege aus den vergangenen 15 Partien - die jüngste Bilanz unter Flick dient bei Weitem nicht dazu, ein Jahr vor der Heim-EM 2024 die Fußball-Nation mitzuziehen.

Flick spricht wieder von "Phasen" und "Prozessen"

Er könne die Kritik und die Skepsis verstehen, sagte der 58-Jährige, ehe er sich wieder auf die Phrasen von "Phasen" und "Prozessen" zurückzog. "Ich bin absolut überzeugt von dem Weg, den wir gehen", wiederholte der Bundestrainer, der versicherte, das Engagement könne seinem Team nicht abgesprochen werden.

In der ersten Hälfte hatte in der nach dem wirren 3:3 gegen die Ukraine bis auf Joshua Kimmich und Antonio Rüdiger neuformierten DFB-Auswahl wenig zusammengepasst. Jakub Kiwior traf nach einer Ecke und unzureichender Gegenwehr von Thilo Kehrer per Kopf.

Nach der Pause steigerte sich die Flick-Elf. Polen hatte es Torwart Wojciech Szczesny zu verdanken, dass der Ausgleich nicht fiel. Polen spielte in den zweiten 45 Minuten ohne Weltstar Robert Lewandowski und hat am Dienstag in Moldau ein wichtiges EM-Qualifikationsspiel auf dem Plan.

"Am Ende des Tages sind Resultate wichtig für uns, für das Selbstvertrauen", sagte Rüdiger. "Wir haben verloren, das ist schon bitter. Den Spielverlauf spiegelt das Ergebnis nicht wider. Die haben eine Chance und treffen. Wir brauchen halt leider etwas mehr."

Kimmich: Der Trainer trägt "natürlich" die Verantwortung

Kapitän Joshua Kimmich äußerte, "natürlich" trage der Trainer die Verantwortung für Aufstellung, Taktik und Herangehensweise. "Aber am Ende sind wir Spieler auf dem Platz und müssen das mit Leben füllen."

In der ersten Halbzeit sei zu spüren gewesen, "dass wir viel auf Fehlervermeidung aus waren", sagte Kimmich. "Da wollten wir nicht zu viel riskieren, weil schon im Kopf ist, dass wir Spiele gewinnen müssen." Die zweite Hälfte war deutlich besser, aber der gute polnische Torwart Wojciech Szczesny vereitelte mehrere deutsche Großchancen. Der Ausgleich fiel nicht, das bleibt in Erinnerung.

"Es ist schon erschreckend, dass wir es dann nicht hinkriegen, da irgendwie ein Tor zu schießen", sagte der spät eingewechselte Stürmer Niclas Füllkrug. "Und dass dann hinten eine Ecke reinfliegt, beschreibt unsere Situation ziemlich gut."

Schweinsteiger mahnt: "Ab September muss Tacheles gesprochen werden"

"Ab September muss Tacheles gesprochen werden, müssen Automatismen rein und die Mentalität da sein", mahnte Ex-Weltmeister Bastian Schweinsteiger in seiner Funktion als ARD-Experte. In knapp drei Monaten spielt die Nationalmannschaft gegen WM-Schreck Japan und Vize-Weltmeister Frankreich. "Wir wollen Gegner haben, die uns einfach fordern", äußerte Flick. Dann sei es "auch wichtig, dass man eine hundertprozentige Einstellung und Mentalität auf den Platz bringt", sagte der Bundestrainer. "Das sind die Dinge, die wir von der Mannschaft erwarten. Das sind Spiele auf einem sehr hohen Niveau, das kann uns nur nach vorn bringen."

Am Dienstag gegen Kolumbien werde Champions-League-Sieger Ilkay Gündogan zurückkehren, stellte Flick klar. Darüber hinaus will der Bundestrainer erst einmal eine Bestandsaufnahme machen. "Jetzt müssen wir das Spiel sacken lassen, werden es analysieren und gucken, wer am Dienstag bei Kräften ist", sagte Flick. (dpa/lh)

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