Manuel Neuer wird zum Rastelli am Ball

Manuel Neuer bleibt keine andere Wahl: Der Weißrusse Yuri Kovalev ist über die rechte deutsche Abwehrseite durchgebrochen und kein Verteidiger mehr zur Stelle. Der deutsche Torwart nutzt die Gelegenheit, um seine unbestrittenen fußballerischen Künste in die Waagschale zu werfen und bleibt in einer brenzligen Situation so cool wie sonst auch zwischen den Pfosten.

Manuel Neuer muss sich in der 30. Minute blitzschnell entscheiden: Er jagt gegen den durchgebrochenen Weißrussen Yuri Kovalev aus seinem Tor und ist vor ihm am Ball.
Kovalev aber bleibt an Neuer dran. Er sieht eine der wenigen Chancen, den Deutschen ein Gegentor zu verpassen, und erst recht möchte Kovalev außerhalb des Strafraums keinen Zweikampf mit dem gegnerischen Torhüter verlieren.
In diesen Sekunden scheint die Zeit in der Arena in Borissow still zu stehen. Alle schauen nur noch auf Neuer und Kovalev.
Verliert Neuer den Ball an seinen Gegenspieler, dann droht dem verwaisten Gehäuse des Favoriten höchste Gefahr. Noch steht es nur 1:0 für Deutschland. Kovalev entscheidet sich, zu grätschen.
Doch er lässt sich nicht abschütteln. Neuer muss noch etwas einfallen. "Ich wollte nicht dribbeln, aber ich hatte keine direkte Anspielmöglichkeit", sagt er nach Spielschluss, "deshalb habe ich nochmal aufgezogen."
Letzten Endes schüttelt Neuer Kovalev mit einem zweiten Hackentrick ab. Bayern-Kollege Joshua Kimmich ist angetan: "Er könnte bei uns auch auf der Sechs oder ein bisschen weiter vorne spielen, so kreativ wie er da hinten rumgeschnickt hat." Team-Manager Oliver Bierhoff hält kurz die Luft an, lobt Neuer dann aber: "Er kann deratige Aktionen gut einschätzen - und natürlich war es eine tolle Aktion für ihn."