Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan für Fotos posiert. DFB-Chef Reinhard Grindel ist deshalb gar nicht gut auf die Nationalspieler zu sprechen. Inzwischen hat Gündogan auch selbst zu der Causa Stellung bezogen.

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Mit scharfer Kritik hat DFB-Präsident Reinhard Grindel auf die Fotos der Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan reagiert.

"Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden", twitterte Grindel am Montag.

Die Profis hätten sich für ein Wahlkampfmanöver "missbrauchen lassen", schrieb Grindel. Das laufe der Integrationsarbeit des DFB zuwider.

Auch die stellvertretende Linksfraktionschefin Sevim Dagdelen hat die beiden scharf kritisiert. "Im Londoner Luxushotel mit dem Despoten Erdogan zu posieren und ihn auch noch als "meinen Präsidenten" zu hofieren, während in der Türkei Demokraten verfolgt und kritische Journalisten inhaftiert werden, ist ein grobes Foul", sagte die Vorsitzende der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur.

Cem Özdemir: "Spottet jeder Beschreibung"

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte die Nationalspieler auf, sich von den Bildern zu distanzieren. "Das, was die zwei da vorgelegt haben, spottet jeder Beschreibung, das geht gar nicht", sagte Özdemir am Montag in Berlin.

Nationalspieler seien Vorbilder und sollten sich auch so verhalten. "Ich erwarte von den beiden, dass sie sich jetzt klar äußern, sich distanzieren." Sie hätten sich "hergegeben für eine billige Propagandashow für einen Despoten, für einen autoritären Herrscher".

"Wer kurz vor der Wahl in der Türkei so prominent mit Präsident Erdogan posiert, muss wissen, dass er einen der weltweit schlimmsten Feinde der Pressefreiheit unterstützt", sagte der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr.

Das sagt Gündogan über den PR-Stunt

Gündogan hat Kritik zurückgewiesen. "Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen", teilte Gündogan mit. "Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst", erklärte Gündogan weiter. "Fußball ist unser Leben und nicht die Politik."

Man habe den Präsidenten auf einer Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen. "Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet", betonte Gündogan.

Akt der Höflichkeit

"Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden." Die Fotos wurden von Erdogans Partei auf Twitter veröffentlicht.

Die Wähler in der Türkei sind am 24. Juni zur Neuwahl des Parlaments aufgerufen. Recep Tayyip Erdogan hatte die eigentlich für 2019 vorgesehene Wahl vorgezogen. (mcf/dpa)© dpa

Recep Tayyip Erdogan ist längst der einzige, der in der Türkei das Sagen hat. Nicht umsonst nennen ihn viele Beobachter unumwunden einen Diktator. Dennoch hat der türkische Präsident für Ende Juni weit vorgezogene Neuwahlen angesetzt. Warum hat er es so eilig?