Der Einsatz des Videobeweises beim Confederations Cup in Russland erhitzt die Gemüter - denn nicht immer geben die Schiedsrichter bei den häufig lange dauernden Entscheidungsfindungen eine gute Figur ab. Wie sinnvoll ist diese technologische Hilfe also?

Der beim Confederations Cup in Russland eingeführte Videobeweis hat in den bisherigen drei Partien bereits für einige Diskussionen gesorgt.

Hilfe oder Ärgernis? Technologie löst bei Confed Cup Debatten aus.


Erstmals kommen bei einem großen FIFA-Turnier die Video-Referees zum Einsatz, um bei Situationen wie Toren, Abseits, Roten Karten oder Elfmetern offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren.

Am Sonntag wurden in zwei Spielen gleich vier Tore auf ihre Korrektheit überprüft. Insbesondere Chiles vermeintlicher Führungstreffer zum 1:0 gegen Kamerun durch Eduardo Vargas wurde vielfach diskutiert.

Videobeweis sorgt bei Confed Cup für Diskussionen Was denken Sie über die Einführung des Videobeweises?
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Der slowakische Schiedsrichter Damir Skomina sorgte mit seiner Entscheidung, den zunächst gegebenen Treffer wieder zurückzunehmen, für Ärger bei den Südamerikanern.

Vargas knapp im Abseits

Torschütze Vargas stand beim Zuspiel von Arturo Vidal hauchdünn im Abseits. Ganze 68 Sekunden dauerte es, bis der Unparteiische mit Hilfe des Video-Schiedsrichters diese Entscheidung traf.

Auf den Fernsehbildern wirkte es zunächst so, dass sich Vargas auf gleicher Höhe mit dem Verteidiger aus Kamerun befand.

Erst später wurde mittels eingeblendeter Linien - die auch dem Video-Schiedsrichter zur Entscheidungsfindung dienen - deutlich, dass sich Vargas wenige Zentimeter im Abseits befand.

Videobeweis sorgt beim Spiel gegen Kamerun für Aufregung.


Auch der zweite Einsatz des Video-Schiedsrichters bei diesem Spiel führte zu einem korrekten Ergebnis. Nach 65 Sekunden gab Skomina das 2:0 für Chile endgültig. Alexis Sánchez stand vor dem Treffer von Vargas auf gleicher Höhe zum letzten Verteidiger.

Videobeweis kommt bei Trainern gut an

"Es ist wahr: Dieses System kann eine Menge Atemnot hervorrufen", sagte Chiles Trainer Juan Antonio Pizzi nach dem Spiel und sprach sich für dieses technische Hilfsmittel aus. "Am Ende wird die Technologie wahrscheinlich mehr Gerechtigkeit in das Spiel bringen", ergänzte er.

Auch der Trainer Kameruns, Hugo Broos, sprach sich für diese Schiedsrichter-Hilfe aus. "Wichtig ist: Es wurden die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte Broos. "Der Videobeweis kann etwas sehr Wichtiges werden. Das hat sich heute gezeigt."

Mehr als zweiminütige Entscheidungsfindung bei Portugal-Match

Beim 2:2 zwischen Portugal und Mexiko wenige Stunden zuvor war der Videobeweis ebenfalls zweimal zum Einsatz gekommen.

Referee Néstor Pitana zeigte nach einem vermeintlichen Treffer von Nani an: kein Tor. Eine korrekte Entscheidung in einer komplexen Szene, weil Pepe vor einem Schuss von Cristiano Ronaldo im Abseits stand. 56 Sekunden benötigte Pitana für diese Entscheidung.

Team von Ronaldo muss zum Confed-Cup-Auftakt Dämpfer hinnehmen.


Deutlich länger dauerte die Überprüfung des 2:1 durch Cedric. Alle Spieler standen zum Anstoß bereit, als klar wurde, dass der Video-Schiedsrichter im Einsatz war.

Erst nach 2:09 Minuten pfiff Pitana wieder an - ohne klar erkennbares Zeichen für Tor.

Portugals Trainer Fernando Santos sprach nach dem Spiel einen weiteren kritischen Punkt an: Wann wird der Videobeweis eingesetzt und wann nicht?

"Der Video-Referee wurde nur bei unseren Toren benutzt, obwohl die Szene vor dem 2:2 auch sehr komplex war", sagte er. Mexikos Hector Moreno (90.+1) hatte in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielt.

Kein Einsatz des Video-Referees bei vermeintlichem Elfmeter im Auftaktspiel

Auch beim 2:0-Auftaktsieg Russlands gegen Neuseeland hatte es eine knifflige Szene gegeben, die für Gesprächsstoff sorgte.

Russlands Dmitri Poloz kam im Strafraum zu Fall. Die TV-Bilder zeigten, dass Neuseelands Torwart Stefan Marinovic den russischen Angreifer berührt hatte.

Die Video-Schiedsrichter schaltete sich in dieser Szene aber nicht ein. Viele Fans fragen sich: warum hier nicht und in anderen Situationen schon?

Fragwürdiger Ronaldo-Witz: Auch die ARD steht in der Kritik.


Es mangelt also noch an der Transparenz der getroffenen bzw. nicht getroffenen Entscheidungen, den Video-Schiedsrichter zu Rate zu ziehen. Nicht nur Spieler und Trainer, sondern auch Fans im Stadion und TV-Zuschauer waren häufig verwirrt.

Die vielen unklaren und für den Zuschauer nicht immer erkennbaren Gesten der Schiedsrichter führten zu weiteren Irritationen.

Eines bleibt trotz des einen oder anderen Ärgernisses festzuhalten: Durch den Video-Schiedsrichter wurden sämtliche Tore, die welche waren, gegeben. Und die, die nicht zählen durften, zählten nicht. (tfr/dpa)

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