Pep Guardiola und Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: Beide sind Koryphäen ihres Fachs und können einfach nicht miteinander. Nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln kritisierte der Trainer des FC Bayern München die Ärzte des Rekordmeisters, nachdem er Jerome Boateng - schon wieder - verfrüht vom Feld nehmen musste.

"Wir können nicht in jedem Spiel einen Abwehrspieler wechseln. Abwehrspieler spielen normalerweise von der ersten bis zur letzten Minuten", grantelte Pep Guardiola nach dem 2:0-Sieg seiner Mannschaft gegen den 1. FC Köln. Schon wieder hatte Jerome Boateng den Platz vor der 90. Minute verlassen müssen. Der Nationalspieler leidet an Adduktorenproblemen. "Wir müssen nochmal mit den Ärzten sprechen", ergänzte Bayerns Trainer und es klang wie eine Drohung gegen Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Schon länger weiß man, dass Guardiola von den Fähigkeiten des Bayern-Docs nicht so überzeugt ist wie der Rest der Bundesliga. Eine Chronologie:

Juli 2013: Ständige Verfügbarkeit?

Schon seit Guardiolas Amtsantritt bei den Bayern kriselt es zwischen ihm und dem Mannschaftsarzt. Beim FC Barcelona hatte sich zu jeder Zeit ein Arzt auf dem Trainingsgelände befunden. Beim FCB handhabt man das anders: Dr. Müller-Wohlfahrt hat seine Praxis in der Münchner Innenstadt. Er behandelt dort auch Privatpersonen und andere Sportler. Verletzte Spieler werden zu ihm gebracht. Die Erstversorgung wird von den Physiotherapeuten übernommen.

Guardiola zeigt sich von dieser Regelung irritiert. Bei Verletzungen am Trainingsgelände wünscht sich der Trainer sofort eine professionelle Einschätzung der Blessur. Für Müller-Wohlfahrt jedoch steht ein anderer Vorteil im Vordergrund: "Wenn ich als Teamarzt vor Ort nur für die Mannschaft zu tun hätte, würde mir das intensive Training von frühmorgens bis spätabends für meine Arbeit fehlen. Auch wir Ärzte müssen tagtäglich trainieren", sagte er der "Sportbild".

Oktober 2013: der Fall Thiago

Es ist lange her, dass man Thiago auf dem Platz gesehen hat. Ein großes Ärgernis für Pep Guardiola, der die Mannschaft eigentlich auf den wendigen Spanier ausrichten wollte. Der Trainer sieht die Schuld auch bei Müller-Wohlfahrt. Der hatte den Chirurgen für Thiagos nicht ideal verlaufene Operation empfohlen. Doch auch Guardiolas Vorstoß - er hatte den Spanier zu einem Arzt nach Barcelona geschickt, wo Thiago Cortison-Spritzen erhielt - war dem Heilungsprozess nicht unbedingt zuträglich.

August 2014: der Fall Schweinsteiger

Nach der WM kehrt Bastian Schweinsteiger mit einer Reizung der Patellasehne zum FC Bayern München zurück. Als der "kicker" Guardiola darauf anspricht, wann Schweinsteiger wieder einsatzbereit wäre, erwidert der Trainer kurzangebunden: "Da musst du mit dem Arzt Müller-Wohlfahrt sprechen". Der Trainer ist verärgert, dass das Ärzteteam ihm nicht mitteilen kann, wann er wieder auf Schweinsteiger setzen darf.

Auch wenn es bereits mehrere Aussprachen zwischen Trainer und Arzt gegeben hat, haben Guardiola und Müller-Wohlfahrt noch immer kein Vertrauensverhältnis zueinander. Nach Guardiolas Seitenhieb auf den Arzt nach Jerome Boatengs notwendiger Auswechslung dürfte einmal wieder eine Aussprache fällig sein.

(ska)