Noch bevor das DFB-Präsidium am Freitag (15. Januar) zu seiner außerordentlichen Sitzung zusammenkommt, um die Machtfrage zwischen Präsident Fritz Keller und seinem ungeliebten Generalsekretär Friedrich Curtius zu klären, ließ eine Nachricht aus der Bundesliga-Zentrale in Frankfurt aufhorchen. Die DFL, so war zu hören, erklärte Curtius zur "Persona non grata" im Haus - zu einer unerwünschten Person.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk
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Damit war ein Urteil gefällt: Beim DFB sieht der Profifußball in Fritz Keller den Mann der Zukunft. Der Vertrauensentzug verwundert nicht: Bei dessen Wahl war DFL-Geschäftsführer Christian Seifert einer der Steigbügelhalter. Das DFB-Präsidium wird das Aus von Friedrich Curtius schwerlich verhindern können: Die Würfel sind gefallen.

Der einfache Fan wird sich fragen: Was geht mich das politische Geschachere im DFB an? Zumindest so viel: Nur wenn die Eifersüchteleien, Unterstellungen und Hahnenkämpfe an der DFB-Spitze enden, hat man immerhin eine Chance auf Antworten zu entscheidenden Fragen des deutschen Fußballs.

Die To-do-Liste ist lang: Coronakrise, Amateurfußball, Nachwuchsförderung, Nationalmannschaft, Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung - das sind nur ein paar Themen, die jeden Fan angehen. Und zwar schon vor Ende der Corona-Pandemie.

Der DFB hat ein Führungsproblem

In seiner Not, so schreibt die "Süddeutsche Zeitung" unter der Woche nicht ohne Süffisanz, sah der DFB-Generalsekretär Curtius nur noch einen Ausweg für sein zerrüttetes Verhältnis mit dem Präsidenten: Er wollte eine Art Eheberatung für sich und Fritz Keller, "eine gemeinsame Mediation" und "zwei neutrale Begleiter" aus dem Präsidium.

So weit ist man also beim weltweit größten Sportfachverband der Welt gekommen: Zwei Männer, der eine 45, der andere 63, sind nicht in der Lage, ein offensichtliches Führungsproblem beim DFB so zu regeln, dass man sich in der Coronakrise auf das Kerngeschäft Fußball konzentrieren kann. Zur Erinnerung: Im März startet die EM-Vorbereitung.

Dabei ist die Sachlage eindeutig. Fritz Keller wurde Mitte 2019 in einem wenig komplizierten Verfahren ausgewählt, mit badischer Gelassenheit das Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen, das der DFB spätestens mit der Grindel-Ära verloren hatte. Er sollte die Reihe von Affären beenden, die mit dem Erwerb des Sommermärchens 2006 begonnen hatte.

Fritz Keller will Friedrich Curtius loswerden

Heute ist man keinen Schritt weiter, aber um ein paar Anekdoten aus dem Machtkampf reicher, der den Verband seit Monaten in Atem hält. Keller will Curtius loswerden und bekommt nicht die notwendige Unterstützung, die ein Präsident braucht, wenn er einen Laden aufräumen will. Stattdessen geht's um Werbemillionen, abgehörte Telefone, Steuerverfahren.

Die deutsche Fußballwelt hingegen braucht anderes: Kurzfristig eine sportlich gute EM 2021, damit die Nationalelf ihre Imagekrise überwindet, langfristig eine gut organisierte EM 2024, damit Deutschland als Gastgeber nicht stümpert. Nicht zuletzt: ein überzeugendes Nachwuchskonzept, damit der deutsche Fußball international nicht abgehängt wird.

Es ist unstrittig, dass der DFB mit seinen internen Streitigkeiten unnötig viel Zeit vergeudet und womöglich wichtige Weichenstellungen verpasst hat. Im Streitfall Keller/Curtius muss heute schleunigst eine Entscheidung her, damit nicht noch mehr Zeit verplempert wird.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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