Wolfgang Niersbach ist am Montag als Präsident des Deutschen-Fußball-Bundes zurückgetreten. Am Dienstag bestätigte der DFB Franz Beckenbauer habe einen Vertragsentwurf für die Bestechung des damaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner unterschrieben. Der Verband muss einen heftigen Skandal durchstehen. Die internationalen Pressestimmen zur deutschen WM-Schande.

Italien

Corriere dello Sport (Italien): "Der deutsche Fußballverband versinkt immer mehr im Strudel der angeblich gekauften Stimmen für die WM 2006 in Deutschland. Prominentes Opfer ist DFB-Chef Niersbach. Werden jetzt weitere Köpfe rollen?"

Gazzetta dello Sport: "Erdbeben im deutschen Fußball: Nach dem Skandal um die Vergabe der deutschen WM muss Wolfgang Niersbach das Handtuch werfen. Der Sturm um die vier mutmaßlich gekauften Stimmen fordert ein prominentes Opfer."

Die Reaktionen auf den Skandal um die WM 2006 irritieren, findet unser Autor.

Repubblica: "Das stärkste, mächtigste und fortgeschrittenste Fußballsystem der Welt hat seit gestern keinen Präsidenten mehr."

Il Giornale: "Der internationale Sport kommt nicht zur Ruhe. Während die WADA Russland mit gravierenden Vorwürfen des Staatsdopings konfrontiert, tritt DFB-Chef Niersbach zurück. Der Weltsport ist mit einer Serie von Skandalen konfrontiert."

England

The Times: "Der mächtigste Mann im deutschen Fußball tritt zurück, nachdem sich der Skandal um die WM 2006 weiter verschärft."

Schweiz

Blick: "Knall beim DFB! Wegen dubiosen Zahlungen rund um die WM-Vergabe 2006 tritt Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident zurück. Er ist aber weiter von seiner Unschuld überzeugt. Es ist der nächste Hammer in der Affäre um die womöglich gekaufte Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland."

Neue Zürcher Zeitung: "Niersbachs Demission ist freilich nur ein erster Schritt. Denn zur Klärung der Affäre reicht dies allein nicht aus. Noch immer sind viele Fragen offen. Noch immer ist nicht klar, aus welchem Antrieb der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger handelte, als er immer neue Informationen lancierte und offenbar den Sturz seines Nachfolgers betrieb. Noch immer ist nicht geklärt, für welchen Zweck die 6,7 Millionen Euro verwendet wurden. Noch immer weiß niemand, was Franz Beckenbauer als Chef des Organisationskomitees der WM 2006 weiß - nur vermutet jeder, dass er weit mehr weiß als Niersbach, der das erste Opfer dieser Affäre ist."

Interimspräsident Koch bestätigt Beckenbauer-Enthüllungen.

Österreich

Heute: "Paukenschlag im DFB! Der Korruptionsskandal rund um die WM-Vergabe an Deutschland zieht nun weitere Kreise. Nach der Hausdurchsuchung in den Büroräumen des Deutschen Fußball-Bundes wurde nun der Druck auf den amtierenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zu groß."

Kurier: "Mit Niersbachs Rücktritt ist der DFB-Skandal freilich nur um eine Facette reicher. Die Antworten auf die brennenden Fragen lassen weiter auf sich warten. Auffallend war ein Krisenmanagement im so hochgelobten Getriebe des DFB, das ein Unterklassenclub nicht schlechter hätte machen können. Es wurde vertuscht, toleriert, ignoriert. Und Niersbach betont weiterhin, es gebe Punkte rund um die Affäre WM 2006, bei 'denen ich mich nicht in der Verantwortung fühle'."