Es stimmt also. Wie die "Bild" bereits berichtete, hat Franz Beckenbauer vier Tage vor Vergabe der WM 2006 eine vertragliche Vereinbarung mit dem früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner unterschrieben. Das bestätigte nun auch der DFB.

Aus dieser Bredouille wird sich Franz Beckenbauer nur noch schwer befreien können. Der "Kaiser" rückt endgültig in den Fokus des WM-Skandals um die Turniervergabe 2006.

Wie der DFB bestätigt, hat Beckenbauer tatsächlich ein brisantes Dokument unterschrieben, das auf den Versuch des Stimmenkaufs bei der WM-Vergabe 2006 hinweist.

Auftritt des Moderators mit nackten Füßen sorgt für Aufsehen.

Inhalt des Vertragsentwurfes seien "diverse Leistungen" des DFB an Jack Warner, damals Exekutivmitglied der Fifa und Chef des Mittel/Nordamerika-Verbandes Concacaf.

Dies seien "keine direkten Geldleistungen" gewesen, sondern unter anderem Vereinbarungen über Spiele, Unterstützung von Trainern beim Kontinentalverband CONCACAF oder Ticketzusagen für WM-Spiele an Warner selbst, erklärte Koch.

Jack Warner war im September 2015 von der Fifa-Ethikkommission lebenslang gesperrt worden. Der Funktionär von Trinidad und Tobago gilt als eine der korruptesten Figuren im Weltfußball.

Trat der Vertrag in Kraft?

Es bestehe keine Erkenntnis, ob dieser Vertrag, der vier Tage vor der WM-Vergabe im Jahr 2000 datiert, in Kraft getreten sei.

Beckenbauer sei als damaliger Präsident des Bewerbungskomitees nicht allein vertretungsberechtigt für den DFB gewesen. Daher seien alle festgehaltenen Absprachen abhängig von einer Zustimmung des DFB-Präsidiums gewesen.

Über das Dokument hatte zunächst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Das Blatt beruft sich auf einen Insider.

Beckenbauer soll bei Aufklärung helfen

Der DFB fordert nun, dass Beckenbauer bei der Aufklärung der Affäre hilft. "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Interims-Präsident Rainer Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Reinhard Rauball vorläufig die DFB-Geschäfte in dessen größter Krise führen wird.

Die Reaktionen auf den Skandal um die WM 2006 irritieren, findet unser Autor.

"Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?", hatte Koch unmittelbar nach dem Rücktritts Niersbachs gesagt und damit Spekulationen über gravierende Verfehlungen der WM-Macher geschürt.

Auch Rauball forderte Beckenbauer zu einer Aussage auf - obwohl er nicht glaubt, dass Beckenbauer das Dokument umdeuten kann: "Mit der Unterschrift und mit dem vorformulierten Vertragstext ist es schwierig, da etwas auszuräumen", sagte der Ligapräsident. "Aber ich würde mich freuen, wenn er sich dazu äußert." (ska/dpa)