Jeden Tag eine neue Enthüllung im DFB-Skandal: Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, mehren sich die Anzeichen, die alte Spitze des Verbandes habe versucht, den Fall zu vertuschen. Laut "SZ" war der dubiose Vertrag zwischen Franz Beckenbauer und Jack Warner recht schnell im DFB bekannt geworden.

In der Affäre des DFB um die WM 2006 mehren sich die Anzeichen, dass die alte Spitze des Verbandes versucht hat, den Fall zu vertuschen.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" war der im Juli 2000 von Franz Beckenbauer mit dem umstrittenen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner abgeschlossene Vertrag schon kurz darauf führenden Funktionären des DFB bekannt geworden.
Der Verband unternahm aber offenbar keinerlei Anstrengungen, den dubiosen Vorgang aufzuklären, sondern legte den Vertrag zu den Akten.

Fußballbund hielt Fund von Beckenbauer-Dokument geheim.

Beckenbauer hatte Warner Anfang Juli 2000, wenige Tage vor der Entscheidung des Weltverbands Fifa über den Austragungsort der WM 2006, bestimmte Zusagen gemacht.

Das galt auch für die von Warner geleitete Fußballorganisation (Concacaf) für die Karibik, Nord- und Mittelamerika. Warner war Mitglied der Fifa-Exekutive, die mit 12:11 Stimmen Deutschland den Zuschlag für die WM gab. Beckenbauers Deal mit Warner wird im Verband heute als möglicher Bestechungsversuch betrachtet.
Bereits kurz nach der Vergabe der WM nach Deutschland erfuhren führende DFB-Vertreter von Beckenbauers Deal.

Beckenbauer kann der DFB-Skandal im Endeffekt recht wurscht sein.

Mit diesem Vorgang waren nach Angaben aus Verbandskreisen der damalige Generalsekretär Horst R. Schmidt und mindestens ein weiterer, prominenter Spitzenfunktionär befasst. Dazu soll es in den Verbandsakten einen Vermerk vom August 2000 geben, der jetzt von der Anwaltskanzlei Freshfields gefunden wurde. Die Kanzlei ist mit den Ermittlungen im DFB beauftragt.

Vertrag wurde nicht vollzogen

In Verbandskreisen heißt es, Beckenbauers Zusagen an Warner seien offenbar nicht vollzogen worden. Jedenfalls finde sich nichts dergleichen in den Akten. Der Vorgang sei aber auch nie untersucht worden. Der mögliche Bestechungsversuch wurde dann im DFB verdrängt, bis kürzlich die Millionen-Schieberei vor der WM 2006 bekannt wurde und die internen Ermittlungen begannen.

Dabei soll sich wiederum herausgestellt haben, dass der am Montag als Präsident zurückgetretene Wolfgang Niersbach schon vor Wochen erfahren habe, dass Beckenbauers Vertrag mit Warner in den Verbandsakten gefunden worden sei.

Auch Generalsekretär Helmut Sandrock und Vize-General Stefan Hans wussten laut "Süddeutscher Zeitung" Bescheid. Damit steht nun auch Sandrock selbst erstmals in der WM-Affäre im Fokus.

Niersbach hatte Wissen abgestritten

Der DFB hatte diesen Vorgang jedoch vor der Öffentlichkeit verschwiegen. Niersbach hatte sogar jegliches Wissen über einen Bestechungsversuch abgestritten.

"Die Kernbotschaft ist: Es ist bei der WM-Vergabe 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen. Es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben", hatte Niersbach auf einer grotesken Pressekonferenz am 22. Oktober erklärt.

Vize-General Hans hat sich bereits in einem Brief an die Mitglieder des DFB-Präsidiums gewendet und erklärt, er habe Sandrock und Niersbach unmittelbar über den Deal informiert, nachdem er auf das dubiose Dokument gestoßen war.

Niersbach selbst hatte am Mittwoch noch Hans gegen den Vorwurf in Schutz genommen, wonach dieser Informationen nicht weitergeleitet habe. Dieser sei seit über zehn Jahren einer seiner wichtigsten Mitarbeiter und habe ihn "konkret ausgiebig informiert".

Allerdings sprach Niersbach dabei nicht explizit von dem brisanten Dokument.

Er hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Sommer interne Ermittlungen eingeleitet, um den Verbleib einer dubiosen 6,7-Millionen-Euro Zahlung des DFB an die FIFA aus dem Jahr 2005 zu klären.

Niersbach, der nach seinem Ausscheiden als DFB-Chef weiter Funktionen bei der Fifa und der europäischen Fußball-Organisation Uefa wahrnehmen soll, gerät dadurch noch mehr unter Druck. Er hatte der Öffentlichkeit und offenbar auch dem Verbandspräsidium nichts von einem derartigen Aktenfund berichtet. Weder der DFB noch Niersbach wollten sich am Donnerstag dazu äußern. Im Verbandspräsidium wächst das Entsetzen über die Affäre. Offenbar sei bis zuletzt versucht worden, vieles zu vertuschen.

(ska)