War die Vergabe der WM 2006 gekauft? Seit der "Spiegel" vergangene Woche über mögliche Korruptionsvorwürfe berichtet hatte, treibt diese Frage die Fußballfans um. Nun wollte sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den Vorwürfen äußern. Doch die Pressekonferenz geriet zu einem grotesken Schauspiel. Niersbach konnte kaum eine kritische Frage beantworten. Dennoch kam er zu dem Schluss: "Es ist bei der Vergabe der WM 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen".

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zu den Vorwürfen des "Spiegels" geäußert, es habe Ungereimtheiten bei der Vergabe WM 2006 gegeben. Das Thema sei sehr komplex, beginnt Niersbach seine Ausführungen. Die Sachlage kenne er selbst erst seit kurzem. "Die sehr wichtige Kernbotschaft" sei jedoch: "Es ist bei der Vergabe der WM 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen. Das unterstreiche ich nach Rücksprache mit allen Beteiligten".

Hartmann will von Anfang an vom WM-Betrug 2006 gewusst haben.

Diese Kernaussage ist jedoch lediglich ein kleiner Punkt in Niersbach Rede. Im zweiten Teil wird es interessanter. Man habe nach dem Zuschlag im Juli 2000 Verhandlungen mit der Fifa über einen Organisationszuschuss begonnen. "Wir wussten, dass Japan und Korea vier Jahre zuvor jeweils 100 Millionen Dollar von der Fifa bekommen hatten." Man habe mehrere Monate "mehr oder weniger ergebnislos verhandelt".

10 Millionen Franken an die Fifa

Niersbach erklärt weiter: "Der WM-Organisationsausschuss hatte drei Einnahme-Möglichkeiten: Ticketing, Sponsoring - und einen Organisationszuschuss. Im Januar 2002 hat der Generalsekretär der Fifa uns nach Zürich gebeten. Der Fifa-Präsident und Franz Beckenbauer haben sich getroffen, dabei wurde uns ein Organisationszuschuss in Höhe von 250 Millionen Euro in Aussicht gestellt. (...) Im Gegenzug müssten zehn Millionen Franken (6,7 Millionen Euro) an die Finanzkommission der Fifa überwiesen werden. Franz Beckenbauer war damals bereit, diese zehn Millionen aus seinem Privatvermögen bereitzustellen, weil aus seiner Sicht die Gesamtfinanzlage der WM auf soliden Füßen stand."

Weil Beckenbauers damaliger Manager seinem Klienten davon abriet, wandte sich Beckenbauer schließlich an Adidas-Besitzer Robert Louis Dreyfus, der das Geld dann an die Fifa überwies und dem DFB somit den Zuschuss sicherte. Davon will Niersbach damals jedoch nichts gewusst haben.

Viele Fragen, kaum Antworten

Viele Fragen bleiben nach Niersbachs Pressekonferenz offen, z.B. weshalb die Fifa zwar bereit war, 250 Millionen Euro für die WM zuzuschießen, im Gegenzug jedoch zehn Millionen Schweizer Franken vom DFB gefordert hatte. Zudem weiß niemand, was die Fifa mit diesen zehn Millionen Franken gemacht hat.

Auf die Nachfrage eines Journalisten "Warum wurden die 6,7 Millionen Euro dann nicht sauber deklariert?", muss Niersbach antworten: "Das weiß ich nicht. Das ist der Punkt, der uns seit Tagen bewegt. Daran habe ich größtes Interesse, das zu rekapitulieren. Man muss den Zweck dieser Überweisung nachvollziehen".

Vor allem um den Vorgang der Zahlung von Adidas-Chef Dreyfus "ranken sich Fragezeichen", meint Niersbach, der mit jeder Frage mehr überfordert wirkte. Einen faktischen Erkenntnisgewinn bot die groteske Pressekonferenz nicht. Tatsache ist wohl nur: Es kam zu dubiosen Geschäften zwischen der Fifa und Franz Beckenbauer. Was genau dahinter steckt, bleibt aber vorerst weiter im Dunkel.