Es sind schwere Zeiten für Franz Beckenbauer. Die Unklarheiten um die Vergabe der WM 2006 werfen ein fahles Licht auf die Lichtgestalt. Der "Kaiser" muss um sein Image fürchten.

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger geht nun sogar auf Frontalangriff und fordert den Deutschen Fußball-Bund dazu auf, sich die ominösen 6,7 Millionen Euro von Franz Beckenbauer zurückzuholen.

Immerhin muss der "Kaiser" keine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Frankfurt befürchten. Diese hatte bereits die DFB-Zentrale sowie die Wohnsitze von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, dessen Vorgänger Theo Zwanziger und des damaligen DFB-Generalsekretärs Hort R. Schmidt durchsucht.

Dafür hat Beckenbauer etwas ganz anderes zu befürchten: Die skandalresistente Fußball-Ikone könnte nun tatsächlich ihren Nimbus verlieren.

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Geht es bei dem "Kaiser" bergab?

Es ist nicht das erste Mal, dass Franz Beckenbauer in der Kritik steht. Aufgrund seines Wohnortes in Österreich gilt er als Steuerflüchtiger. Zudem bescherte ihm eine Weihnachtsfeier des FC Bayern den Ruf als untreuer Ehemann ein.

Auch seine flapsige Aussage ("Habe keinen einzigen Sklaven gesehen") über die Arbeitsbedingungen im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, die seiner Meinung nach nicht so schlimm seien wie von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International dargestellt, sorgte für Kopfschütteln - mehr aber auch nicht.

Über kurz oder lang wird der "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" alles verziehen. Oliver Welke, Moderator des satirischen Wochenrückblicks "heute-Show", brachte es auf den Punkt: Franz Beckenbauer sei "der einzige Deutsche, der wirklich jeden Dünnschiss labern darf."

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Beckenbauer darf alles

Wer als Kapitän und Teamchef die deutsche Nationalmannschaft zu zwei Weltmeistertiteln führte, wer die erfolgreiche Ära des FC Bayern München prägte und sogar die WM 2006 nach Deutschland holte, hat sich eben einen Platz im Herzen der Menschen verdient. Noch nie konnte ein Skandal Franz Beckenbauer etwas anhaben. Bis jetzt?

Sicher ist: Beckenbauer durchlebt die größte Krise seines Lebens. Anfang August verstarb sein 46-jähriger Sohn Stephan aufgrund eines Hirntumors. Während andere Menschen die Zeit hätten, in Ruhe zu trauern, muss Beckenbauer um seinen Ruf kämpfen - und zwar an zwei Fronten gleichzeitig.

Mögliche Verstrickungen rund um das Sommermärchen 2006 sind nicht das einzige Thema. Die Ethik-Kommission des Fußball-Weltverbandes FIFA wirft Beckenbauer vor, bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar einen Verstoß gegen den Ethikkodex begangen zu haben, weil er das Exekutivkomitee nicht über seine Verbindungen zu WM-Bewerbern informiert hatte.

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Und was sagt Beckenbauer selbst?

Der 70-Jährige hält sich weitgehend zurück. Medienanfragen werden zurückgewiesen. Eine kurze Erklärung, in der Beckenbauer zwar Fehler einräumt, jegliche Manipulationsvorwürfe aber von sich wies, bleib seine einzige Stellungnahme.

Tim Röhn, FIFA-Experte und Reporter von "DIE WELT", kann das Zögern zumindest teilweise verstehen: "Es ist aus seiner Sicht clever, die Untersuchungen der Wirtschaftskanzlei abzuwarten und sich danach zu äußern. Es ist typisch, auf Zeit zu spielen, wenn man unter Druck gerät. Andererseits wäre es gut für den Fußball, wenn er endlich reden würde. Die Öffentlichkeit und die Fußball-Fans haben ein Recht darauf zu verstehen, was damals wirklich geschehen ist."

Was wird aus der Lichtgestalt?

Das Image der Lichtgestalt könnte Röhns Einschätzung nach jedenfalls Vergangenheit sein.

"Bereits die Aussage zu Katar hat an seinem Image gekratzt. Es hat gezeigt, dass er Dinge einfach schönredet. Dass er dann keine Erklärung für den Bericht des 'Spiegels' geliefert hat, hat den Imageverlust richtig in Gang gesetzt. Vorher hatte man noch gedacht, Beckenbauer könne mit seinem Charme eine WM-Vergabe entscheiden."

Diese Zeiten sind offenbar Vergangenheit.

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