Der Skandal um die WM 2006 konzentriert sich zunehmend auf Franz Beckenbauer, den "Sommermärchen"-Übervater. Er soll reden, verweigert sich aber bislang. Na und? Im Prinzip hat der "Kaiser" eh nichts zu befürchten.

In den Zeiten als Spieler und Trainer wurde Franz Beckenbauer immer richtig fuchsig, wenn sein bester Freund, der Ball, von weniger Begabten traktiert und oftmals geradezu malträtiert wurde.

Solchen Missbrauch wertete Beckenbauer, der eleganter als alle anderen übers Spielfeld wandeln konnte, als Frevel am Fußball. Er strafte diese Nichtskönner mit verächtlichen Blicken, da kannte der Ästhet keine Gnade.

Das schöne Spiel, das Beckenbauer so liebte und selbst zelebrierte, durfte nicht beschmutzt werden.

Nach dem Rücktritt Niersbachs kommt der "Kaiser" in Erklärungsnot.

Nur Merkels schwarz-rot-goldene Wangen fehlten

Dann kam der Sommer des Jahres 2006, des "Kaisers" Haarschopf war zurückgewichen und ergraut, und seit einiger Zeit füllte Beckenbauer die Ehrentribünen mit jener Noblesse, die ihn früher auf dem Rasen abgehoben hatte.

Der Chef des WM-Organisationskomitees, der nicht nur über den Dingen schwebte, wenn er im Helikopter saß, zementierte sein Denkmal. Die Lichtgestalt leuchtete noch ein bisschen heller.

Kaum war der Anpfiff zur Weltmeisterschaft ertönt, wurde Deutschland von einer Hitzewelle erfasst. Die Sonne brannte vom Himmel, jeden Tag.

Es fehlte eigentlich nur noch, dass Angela Merkel ihre Wangen mit schwarz-rot-goldenen Streifen bemalt und sich Girlanden um den Hals geschwungen hätte.

Die Kanzlerin beließ es bei patschigen Klatschbewegungen nach Poldi-Toren. Auch hübsch.

Kann er liefern? Will er überhaupt?

Plötzlich soll alles vergessen sein. Wegen "diverser Leistungen" (DFB-Interimspräsident Reiner Koch), die an Korruptions-Großmeister Jack Warner flossen oder fließen sollten, das ist noch nicht geklärt.

Der Vertragsentwurf mit dem Ex-Fifa-Funktionär vom Juli 2000 trägt Beckenbauers Unterschrift.

Augenscheinlich sollte Warner, damals Chef des Nord- und Mittelamerika- sowie Karibikverbandes, die Entscheidung um seine Stimme abgenommen werden.

Die Reaktionen auf den Skandal um die WM 2006 irritieren, findet unser Autor.

Es geht um Bestechung oder Bestechungsversuche, zumindest aber die Idee davon.

Das bekannte der zweite DFB-Interimspräsident Dr. Reinhard Rauball, der nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach einem schwer angeschlagenen Verband vorsteht.

Das "Sommermärchen" steht im Zentrum eines Skandals - und der "Sommermärchen"-Übervater im Kreuzfeuer: Von Franz Beckenbauer werden Erklärungen erwartet.

Muss er sie liefern? Nein. Sollte er? Sicherlich. Kann er? Vermutlich. Will er? Tja...

Wer kein Amt hat, kann keines verlieren

"Man musste bislang den Eindruck gewinnen, dass er hätte mehr sagen können, als er getan hat", betont DFB-Vizepräsident Peter Frymuth gegenüber der "Rheinischen Post".

DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel merkte im "MDR" an, dass es "vor allem bei Herrn Beckenbauer" so aussehe, als ob "er sein Wissen noch nicht in ganzem Umfang mitgeteilt hat".

Steht der "Kaiser" am Ende seiner ewig fortdauernden Legislaturperiode? Nicht unbedingt. Juristisch ist Beckenbauer offenbar aus dem Schneider, die meisten Vorgänge sind verjährt.

Ein Spitzenamt hat der 70-Jährige nicht mehr inne: 2009 wurde er beim FC Bayern von Uli Hoeneß als Präsident beerbt, aus dem Fifa-Exekutivkomitee schied er 2011 aus.

Wer keinen Posten bekleidet, kann keinen abgeben - und keinen durch Außeneinflüsse verlieren.

Beckenbauer muss gar nichts

Der Druck auf den lange zeit unantastbaren Fußball-Monarchen steigt, gewiss. Das bedeutet jedoch nicht, dass Beckenbauer gar nicht anders kann, als endlich auszupacken.

Sein Management wollte Medienanfragen zunächst nicht kommentieren - ein nachvollziehbarer Schritt.

Franz Beckenbauer, der Bewahrer des sauberen Fußballspiels, hat vielleicht etwas Unanständiges gemacht.

Das mag seine Etikette beflecken. Aber sonst? Büßt er schlimmstenfalls seinen Nebenjob im Bezahlfernsehen ein.

Also wird sich Franz Beckenbauer bei lästigen Fragen zur WM 2006 auch weiterhin denken: "Es ist so ein schöner Tag draußen...".

WM 2006: Hintergründe zur DFB-Affäre