Der Zuschlag für die Europameisterschaft 2024 schien eine reine Formsache - nun bedroht der DFB-Skandal aber dieses nächste "Sommermärchen". Und vielleicht sogar noch mehr.

Der Deutsche Fußball-Bund lädt zum Jahresende immer zu einer lockeren Plauderrunden, dafür hat die Presseabteilung irgendwann einmal den Begriff des "Round Table" erfunden.

Für Wolfgang Niersbach war die letzte dieser Gesprächsrunden eine Genussveranstaltung.

Der Präsident spannte den Bogen zwischen dem WM-Triumph von 2014 bis hin zur Bewerbung für die Europameisterschaft 2024.

So reagiert die internationale Presse auf die neuen Entwicklungen.

Spannender Zehn-Jahresplan

Ein Zehn-Jahresplan, vom Final-Ort Rio de Janeiro bis hin zum geplanten Final-Ort Berlin, dazwischen ein paar wichtige Turniere und natürlich der Bau des DFB Campus, der ab 2019 als neue Heimstatt des größten Fachverbands der Sportwelt dienen soll.

Die Affäre um die WM-Vergabe 2006 hat nun fast ein Jahr später nicht nur Niersbach aus seinem Amt gespült, sie hat auch unmittelbare und für den DFB kaum vorhersehbare Auswirkungen auf die EM-Bewerbung 2024.

In zwei Jahren wird darüber bei der Europäischen Fußball-Union UEFA abgestimmt. Bis vor wenigen Wochen galt der Zuschlag an den DFB quasi als gesichert, was nicht nur an Niersbachs selbstsicherem Auftreten beim Round Table abzulesen war.

Die Pressestimmen zum Rücktritt von DFB-Präsident Niersbach.

Zuschlag quasi schon gesichert

"Die EM mit ihrem neuen Format hat 51 Spiele. Das bedeutet, dass wir zehn Stadien brauchen werden. Wir sind der klaren Meinung, dass überhaupt keine Neubauten notwendig sind. Wir haben eine komplett andere Situation als vor der WM 2006, denn unsere Stadionlandschaft ist exzellent vorbereitet. Wir sind total optimistisch, Gastgeber 2024 zu werden", sagte Niersbach damals und offenbarte, wie sehr im Detail sich sein Verband bereits Gedanken gemacht hatte.

Nun haben sich die Vorzeichen radikal verändert. Die UEFA steckt in einer tiefen Krise, ihr Präsident Michel Platini ist schwer angezählt.

Platini war immer auch ein Protegé Niersbachs, die beiden regelten die Dinge schon mal auf dem ganz kurzen Dienstweg.

Der DFB verliert seinen Ruf

Niersbach ist schon weg, Platinis Zukunft als Funktionär steht in den Sternen. Und der DFB wäre froh, hätte er "nur" eine vergleichbare Krise wie die der UEFA zu meistern.

Der deutsche Fußball leidet in seinem Ansehen weltweit durch die Affäre, die mit jedem Tag immer noch mysteriöser und verworrener erscheint und in der sich die entscheidenden Personen weiterhin als Aufklärungsverhinderer erweisen, denn als Lösung des Problems.

Die Aufklärung des Skandals zieht sich weiter in die Länge und derzeit ist im Land des Weltmeisters nicht einmal geklärt, ob jemals alles lückenlos aufgedeckt und geahndet werden wird.

DFB-Skandal: Rummenigge verteidigt "Kaiser". Testspiele im Fokus.

DFB braucht schnelle Transparenz

Eine ständiges Verschleiern, Vertuschen und Aussitzen: Das alles sind klassische Vorgehensweisen eines korruptionsverseuchten Verbandes. Und ein solcher fällt zumindest durch das strenge Raster der Bundesregierung, was die Unterstützung von Großereignissen mit Steuergeldern betrifft.

Bis 2022 sind die vier großen Turniere schon vergeben, im kommenden Jahr die EM in Frankreich, vier Jahre später die erste gemeinsam ausgetragene Kontinentalveranstaltung in 13 Ländern. Die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar sind ebenfalls schon vom Tisch.

Für den DFB bieten sich ab 2024 wieder die Chancen auf ein Großereignis. Oder vielleicht doch auf absehbare Zeit nicht mehr? In rund anderthalb Jahren wird die UEFA über die EM 2024 final beratschlagen und das Turnier vergeben.

Neben Deutschland gab es zuletzt nur noch einen veritablen Konkurrenten, die Türkei. Alle anderen Interessenten hatten sich ob der deutschen Übermacht entweder zurückgezogen oder waren gar nicht erst angetreten.

Der fast sichere Zuschlag steht nun auf der Kippe. Niersbach galt als Platini-Nachfolger für das Amt des UEFA-Präsidenten, womit auch die letzten Zweifel ausgeräumt gewesen wären. Und nun? Ist nichts mehr so, wie es vor vier Wochen noch war.

Deutschland ist damit nicht für alle Zeiten raus aus den Bewerberrennen. Dafür ist der Verband immer noch zu mächtig, das Land als Ausrichter zu zuverlässig und organisatorisch und finanziell zu potent.

Außerdem klingt im Ausland auch weiter die Erinnerung an den rauschenden Sommer von 2006 nach. Aber allein auf diesen Faktoren darf sich der DFB nicht ausruhen.

Der Bruch bei der FIFA, die Probleme der UEFA und der Skandal innerhalb des DFB zeigen, dass die Zeit der großen Mauscheleien und Vetternwirtschaft vielleicht noch nicht ganz vorbei, aber doch auf ein Ende hinausläuft.

So reagiert die internationale Presse auf die neuen Entwicklungen.

Die Politik ist längst aufgeschreckt

Die Politik ist längst auf den Plan getreten. Die Sportausschussvorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag von der SPD, erklärte bereits vor Niersbachs Fall, dass ab sofort ganz genau hingeschaut würde, wenn es in Zukunft um die vom Steuerzahler mitfinanzierten Durchführungen von Großereignissen geht.

"Insbesondere im Kontext mit den Bewerbungen um internationale Großereignisse kommt die Politik ja auch ins Spiel. Ich denke nur an das Thema Steuerbefreiungen, die dann erteilt werden müssen.

Bestimmte Großereignisse werden von den internationalen Verbänden tatsächlich nur vergeben, wenn vorher entsprechende Bundesgarantien auch gegeben werden. Das ist immer im Einzelfall zu beurteilen. Aber im Moment schauen wir natürlich, was den Fußball angeht, schon besonders genau hin."

In Hamburg schaut man in diesen Tagen auch ganz gespannt nach Frankfurt und den dort ansässigen DFB. Die Olympiabewerbung der Hansestadt für 2024 und gegebenenfalls 2028 läuft auf Hochtouren.

Mit dem DFB-Skandal hat der Deutsche Olympische Sportbund zwar nichts zu tun, der lange Schatten erreicht aber auch ihn.

Eine Fußball-Europameisterschaft und Olympische Spiele wenige Wochen hintereinander im selben Land waren von Anfang an ein Problem.

Nun könnten beide, der DFB und der DOSB, am Ende mit leeren Händen dastehen.

WM 2006: Hintergründe zur DFB-Affäre