Der SV Rödinghausen aus dem ostwestfälischen Kreis Herford in Nordrhein-Westfalen will nicht in die 3. Liga aufsteigen – obwohl der Klub in der Regionalliga West momentan das Maß aller Dinge ist. Die Gründe sind nachvollziehbar.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Rödinghausen hat keine 10.000 Einwohner und ist in einer Liga, in der sich Großstädte wie Essen, Oberhausen und Aachen tummeln, aktuell das Maß aller Dinge. Fünf Spiele in Folge hat der SV Rödinghausen zuletzt in der Regionalliga West gewonnen und sich an der Tabellenspitze einen Vorsprung von sieben Punkten erarbeitet.

Alles könnte so schön im Nordosten von Nordrhein-Westfalen sein - wenn gestern nicht die eine Nachricht den Ort erschüttert hätte. Die Vereinsführung will nicht in die 3. Liga aufsteigen.

Der "RevierSport", über das Geschehen in den obersten Amateurligen immer bestens informiert, berichtet von "Trauer, Tränen und Wut" in der Umkleidekabine. Die Spieler fühlen sich, man kann es verstehen, um den Lohn ihres Trainings gebracht. Meister werden und dann nicht aufsteigen dürfen: Für einen Mannschaftssportler gibt's wohl wenig Schlimmeres.

Und trotzdem: Die Entscheidung, die Lizenz für die 3. Liga nicht zu beantragen, mag zunächst hart klingen - sie ist aber richtig.

Unkalkulierbare Risiken für den SV Rödinghausenin in der 3. Liga

Geschäftsführer Alexander Müller will alle Auflagen und Konsequenzen geprüft und vor allem durchgerechnet haben und kam zu dem Schluss, dass der Aufstieg zu unkalkulierbaren Risiken für den Verein führen würde.

Zum Beispiel beim Stadion: Platz für mindestens 10.001 Zuschauer soll die Spielstätte in Liga 3 bieten. Ein Umbau des bestehenden Stadions ist nicht sinnvoll, ein Neubau "weder wirtschaftlich noch nachhaltig". Am Ende siegte die Vernunft über Euphorie und Expansionslust: Lieber nicht aufsteigen.

Das Gute daran: Für Größenwahn blieb keine Beinfreiheit. Das Bedenkliche: Vermutlich sind die Auflagen zu hoch. "Der DFB stellt die Anforderungen für die 3. Liga bei sämtlichen Vereinen auf eine Stufe, egal, ob du jetzt in Duisburg, München oder Rödinghausen spielst", wird Alexander Müller im "Kicker" zitiert.

Deshalb entscheidet nicht Sport über den Aufstieg, sondern Wirtschaftskraft. Essen, Oberhausen und Aachen dürfen wieder hoffen. Wir lernen: Kommerzialisierung findet nicht nur in der Champions League statt.

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