Thomas Hitzlsperger ist der prominenteste deutsche Fußballer, der seine Homosexualität öffentlich gemacht hat - das allerdings erst nach seiner aktiven Karriere. Im "Guardian" sagte der 52-malige Nationalspieler, dass er eigentlich bereits in seiner Zeit beim VfL Wolfsburg sein Coming Out haben wollte. Doch davon sei ihm abgeraten worden. Auch die Medien kritisiert Hitzlsperger.

Von ehemaligen Mitspielern und Trainern wie Lukas Podolski und Joachim Löw bis hin zu Regierungschefs wie Angela Merkel und David Cameron: Thomas Hitzlsperger bekam nach seinem Coming-out viel positive Resonanz. Immer wieder wurde sein Mut gelobt.

Darüber freue sich Hitzlsperger zwar, findet es aber auch schade, denn: "Das ist natürlich auch Teil des Problems. Und das sollte sich ändern", sagte er dem "Guardian". "Ich hoffe, dass wir eine Zeit erleben werden, wenn niemand mehr in einer solchen Situation von Mut spricht; weil es dann ganz normal sein wird, dass ein Sportler über seine Homosexualität redet wie andere über ihre Frauen oder Freundinnen sprechen."

Hitzlsperger wurde von früherem Outing abgeraten

In ersten Reaktionen hieß es immer wieder, dass Hitzlspergers Coming-out größten Respekt verdiene. Gleichzeitig wurde aber auch bedauert, dass er diesen Schritt erst nach seiner aktiven Karriere machte. Dabei hatte Hitzlsperger bereits während seiner Zeit beim VfL Wolfsburg in der Saison 2011/12 darüber nachgedacht, über seine Homosexualität öffentlich zu sprechen.

Doch davon sei ihm abgeraten worden. "Sie sagten alle: 'Tue das nicht, eine riesige Welle wird über dich hereinbrechen.' Dann habe ich aber verstanden, dass das niemand wissen kann", sagte er dem "Guardian". "Weil sich nie ein aktiver Fußballer geoutet hat, konnten auch alle nur spekulieren, was passieren würde."

Auch die Medien kritisiert Hitzlsperger, die eine Obsession entwickelt hätten, den "ersten schwulen Fußballer" zu finden. (cai)