Ein kleiner Spaß sorgt für großen Wirbel: Mit ihrem "Gaucho-Tanz" haben die Spieler der deutschen Nationalmannschaft eine hitzige Debatte bei Fans und in den Medien ausgelöst. Darf sich ein Weltmeister so benehmen? Das sagt die deutsche und argentinische Presse dazu.

Deutschland

Tagesspiegel: "Der Gaucho-Tanz auf der Fanmeile war geschmacklos."

Die Welt: "Der deutsche Gaucho-Dance war eine Schnapsidee. Die Nationalspieler werden kritisiert, weil sie bei der WM-Feier einen fragwürdigen Tanz aufführten. Tatsächlich war die Vorführung keine Glanzleistung. Man muss aber auch nicht übertreiben."

Focus: "Zoff um 'Gaucho Dance'! Dieser Weltmeister-Spaß sei gegönnt."

Taz: "Respektlos im Siegesrausch. Die absurde Inszenierung des Marketing-Fan-Meilen-Truck-Korsos findet ihren Höhepunkt im Auftritt der deutschen Mannschaft, die dann eher nichts mehr von Bescheidenheit hat. Die Würdigung einer sportlich besonderen Leistung gerät da im Siegesrausch zu einer kriegergleichen Überhöhung des eigenen Selbst, in der man auch dem 'Gaucho-Verlierer' keinen Respekt mehr zollen muss."

Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Siegesfeier am Brandenburger Tor wird zum gigantischen Eigentor. Mit einer üblen Persiflage auf ihren Finalgegner verspielen die deutschen Weltmeister das Image der weltoffenen, toleranten Nation. Die Gauchos gehen gebückt, zwischen Niedergeschlagenheit und Demütigung, während Deutsche aufrecht wie Hermann, der Cherusker, den Pokal gen Himmel strecken."

Rheinische Post: "Mit dem Auftritt in Berlin vollzogen 'Jogis Jungs' ihre Wandlung zu den neuen Botschaftern eines ganzen Landes. Der kleine tänzerische Seitenhieb der siegestrunkenen Fußballer gegen die Finalgegner aus Argentinien ist da nicht der Rede wert."

Süddeutsche: "Man muss deshalb nicht gleich die Keule der Political Correctness schwingen, dieses Lied gehört in Fußball-Stadien zum Standard-Schmäh-Repertoire und wurde im Übrigen auch schon 2008 auf der Fanmeile aufgeführt ("So geht Ronaldooo"). Aber es ist zumindest interpretierbar - und das ist schade. Es passt jedenfalls nicht zu einer ansonsten angenehm selbstironischen Sause."

N24: "In aller Seelenruhe könnte man doch heute - einfach um den schönen Tag nicht zu verderben - darüber hinwegsehen, dass sich sechs junge Männer aus einer Bierlaune heraus einen Auftritt für eine Festbühne ausgedacht haben, der hätte pfiffiger sein können. Aus dem 'Gaucho-Lied' klingt möglicherweise, bei ganz genauem Hinhören, eine Häme durch, die nicht so ganz zu dieser freundlichen Mannschaft, diesem fair errungenen Titel und diesem traumhaften Tag in Berlin gepasst hat. Geschenkt! Es gab lustigere Einlagen an diesem Tag. Schönere Momente. Treffendere Worte. Harmonischere Choreographien. Stimmt alles. Unterschrieben und zugestanden. Aber mein lieber Herr Gesangverein: Es war eine Fanmeilenfeier. Es ging um Fußball. Ich kann nicht widerstehen: Wollen wir mal eine Sekunde den Gaucho im Dorf lassen?"

Bild: "Vor dem Anpfiff, im Spiel und nach dem Finale begegneten die Deutschen den Argentiniern mit großem Respekt, trösteten Messi und Co. nach dem Abpfiff sogar. Wertschätzung unter großen Sportsmännern. Der Jubel auf der Fanmeile in Berlin nach sieben Wochen höchster Anspannung nur ein harmloser Freuden-Gesang."

Argentinien

Olé: "Die Deutschen denken, sie schauen von oben herab. Sie halten sich für eine andere Rasse."

Infobae: "Eine provokative anti-argentinische Feier der Weltmeister."

Der argentinische Sportjournalist Victor Hugo Morales nannte die sechs Gaucho-Tänzer in seiner Sendung beim Radiosender Continental de Buenos Aires in ihrem Verhalten und ihrer Denkweise "ekelhafte Nazis".

La Nacion: "Ein polemischer Witz." (tfr)