Er tanzt, er döst, er reckt die Mittelfinger ins Publikum. Mit einer befremdlichen Show hat Edelfan Diego Maradona am Dienstag alle Blicke auf sich gezogen. Und neue Fragen nach seinem Gesundheitszustand aufgeworfen. Dann liefert er doch noch eine Begründung für die zahlreichen Aussetzer.

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Die Frage, die sich niemand zu stellen wagte, beantwortete Diego Maradona am Morgen danach. "Diego wird noch eine Weile da sein", versprach der einstige Weltklasse-Fußballer am Mittwoch via Instagram.

Der Auftritt des 57-Jährigen am Rande des WM-Spiels zwischen seinen ins Achtelfinale eingezogenen argentinischen Fußball-Erben und Nigeria (2:1) hatte für eine Mischung aus Mitleid, Sorge, Entsetzen und Fremdschämen gesorgt.

Was war das denn bitte?

Vor allem entfachte die skurrile Show aber auch neue Fragen nach dem Gesundheitszustand der Kicker-Legende. Völlig erschöpft und einem Zusammenbruch nahe, musste er sich in einen Sessel in der VIP-Loge von Helfern bringen und dort ärztlich behandeln lassen.

Als reiche die Krankenakte des Exzentrikers nicht schon: 2000 diagnostizierten Ärzte ein Herzleiden, verursacht durch Kokainkonsum. Entziehungskuren, Magenverkleinerungen, das alles hat Maradona in seinem mehr als bewegten Leben bereits hinter sich.

Falls es ihm - wie er beteuert - gut geht: Was war das dann?

Zu viel Wein getrunken

Maradona bemühte sich am Tag danach um Normalität. Auch wenn seit der WM-Endrunde 2006 in Deutschland denkwürdige Auftritte von ihm fast schon die Regel geworden sind.

"Ich möchte Ihnen sagen, dass es mir gut geht", schrieb er am Mittwoch. Er versicherte, er sei nicht im Krankenhaus gewesen. Er habe lediglich in der ersten Halbzeit Nackenschmerzen gehabt. Ein Arzt habe ihm empfohlen, ins Hotel zu gehen.

"Aber ich wollte bleiben, weil es für uns um alles ging. Wie hätte ich da gehen können?"


Zu dem argentinischen Journalisten Daniel Arcucci, mit dem er eng befreundet ist, sagte Maradona laut "Bild" auch noch: "Glaubst Du, dass ich einen Herzstillstand erleide oder mir jemand Drogen spritzt, ohne dass es in der Loge zum Tumult kommt? Ich schwöre auf meine Mutter und auf meinen Enkel Benjamin, auf meinen Sohn Dieguito Fernando. Ich schwöre, dass mir nichts passiert ist."

Dann nannte er auch noch einen Grund für den Aussetzer: "Sie haben uns nur Weißwein serviert. Und wir haben den ganzen Weißwein getrunken."

Dennoch macht sich die Fußball-Welt Sorgen um ihren Ex-Superstar.

"Es war traurig, ihn so zu sehen", sagte Englands Ex-Nationalspieler Rio Ferdinand als Experte der BBC. Sein Kollege Gary Lineker fügte an: "Dieser Jubel war unterstes Niveau."

Die Zeitung "Lance" aus Brasilien sah einen "Maradona im Delirium", die österreichische "Kronen-Zeitung" einen "durchgeknallten Maradona". Die britische "Daily Mail" schrieb von einer "burlesken Show" und bezeichnete den Weltmeister-Kapitän der Argentinier von 1986 als "eine bizarre und leicht tragische Figur".

Szenen wie nicht von dieser Welt

Maradona leidet gern öffentlich. Ganz besonders, wenn es um Argentiniens Fußball-Wohl geht. Auf dem Rasen wendeten Lionel Messi und seine Mitspieler gerade noch den Vorrunden-K.o. bei der WM in Russland durch den 2:1-Sieg gegen Nigeria ab.

Immer und immer wieder zoomten die TV-Kameras aber auf Maradona, der auch bei den vorherigen Argentinien-Spielen immer für reichlich Aufsehen gesorgt hatte.

In St. Petersburg begann es vor dem Spiel noch sehr unterhaltsam, als er eine Nigerianerin im Trikot zu sich in die Loge bat und von den Fans bejubelt ein Tänzchen mit ihr aufführte. Während des Matches gestikulierte Maradona wild.

Er lehnte sich wie ein Messias mit ausgebreiteten Armen über die Brüstung. Mal wieder musste er von hinten umklammert werden, um nicht vornüber zu kippen.

Er hielt seinen nackten Bauch in die Kamera, döste zwischendurch offenbar kurz einmal weg und reckte dem Publikum am Ende mit weit aufgerissenem Mund und fast wie von Sinnen beide Mittelfinger entgegen.

Nach der "Hand Gottes" durch das legendäre Tor 1986 gegen England ist Maradonas Biografie damit nun um die "Finger Gottes" ergänzt worden. (cai/dpa)

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Teaserbild: © Cezaro De Luca/dpa +++ dpa-Bildfunk +++