Der letzte Auftritt der DFB-Elf vor der WM in Russland war wenig überzeugend. Vor allem in der 2. Hälfte fehlte es an Tempo und Durchschlagskraft. Kurz vor Schluss verpassten die Saudis die Sensation zum 2:2 auszugleichen. Nach Pfiffen gegen Gündogan appelliert Bundestrainer Joachim Löw an die deutschen Fans.

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Mit einem laschen Auftritt gegen den krassen Außenseiter Saudi-Arabien hat Fußball-Weltmeister Deutschland noch keine Euphorie für die WM-Titelverteidigung wecken können.

Gegen den Weltranglisten-67. reichte es am Freitagabend in Leverkusen nur zu einem 2:1 (2:0) Pflichtsieg - viel zu wenig für die eigenen Ansprüche neun Tage vor dem WM-Ernstfall gegen Mexiko im Moskauer Luschnikistadion.

Schmeichelhafter Sieg

Das lange Zeit lockere Angriffstraining führte vor 30 210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena nur zum achten Länderspieltreffer des Leipzigers Timo Werner (8. Minute) und einem Eigentor des von Thomas Müller im Zweikampf bedrängten Saudi-Verteidigers Omar Hausawi (43.).

Taissir Al-Dschassim (85.) erzielte im Elfmeter-Nachschuss den Treffer für die Gäste. Zuvor hatte Torwart Marc-André ter Stegen gegen Mohammed Al-Sahlawi pariert.

Pfiffe bei Einwechslung

Der agile Angreifer Marco Reus und Mittelfeldspieler Sami Khedira hatten noch Pech mit Pfostentreffern. Zahlreiche Nachlässigkeiten in der Defensivarbeit konnten von den Gästen nicht bestraft werden.

Der eingewechselte Ilkay Gündogan wurde von vielen Zuschauern ausgepfiffen, das Erdogan-Thema wird der DFB nicht los.

Joachim Löw kritisierte die Pfiffe später im ARD-Interview: "Dass ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, hilft niemandem", monierte der Bundestrainer nach dem 2:1-Sieg.

Bundestrainer verteidigt Gündogan

Löw verteidigte seinen Mittelfeldspieler auch in der anschließenden Pressenkonferenz. "Ich habe ihn in der Kabine gesehen, er war geknickt. Da muss er einfach jetzt durch. Ich hoffe, dass er es kann. Wir werden ihn unterstützen", versprach der Weltmeister-Trainer.

Der Fan-Unmut ist Folge der umstrittenen Fotos von Gündogan und Teamkollege Mesut Özil bei einem Treffen mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Mai. Özil spielte gegen Saudi-Arabien wegen Knieproblemen nicht.

Löw mit deutlichen Worten

"Was soll Ilkay noch tun? Er hat gesagt: Ich lebe die deutschen Werte, ich identifiziere mich mit Deutschland. Er hat sich der Presse gestellt. Irgendwann ist das Thema auch mal vorbei. Wir haben im Trainingslager mehrfach darüber gesprochen. Es hat beide Spieler beschäftigt, jetzt müssen wir den Blick nach vorne richten", forderte Löw. Schon vor dem Spiel hatte Teammanager Oliver Bierhoff ein Ende der Debatte gefordert.

Gleich nach dem Spiel verabschiedeten sich Manuel Neuer und Co. in einen Drei-Tage-Urlaub, bevor es am Dienstag ins WM-Quartier nach Watutinki geht. Vor den Toren Moskaus soll dann der letzte WM-Feinschliff folgen.

Özil fehlt, Boateng gibt Comeback

Bundestrainer Joachim Löw präsentierte bei der Generalprobe praktisch seine komplette WM-Wunschelf. Nur Mesut Özil fehlte in der für die Mexiko-Partie in neun Tagen in Moskau erwarteten Formation wegen Rückenproblemen. Reus als spielstarke zweite Spitze neben Werner und Julian Draxler auf der Halbposition durften als potenzielle Ersatzkandidaten vorspielen.

Jérôme Boateng bekam nach sechs Wochen Verletzungspause die Chance, sich 45 Minuten neben Mats Hummels in der Abwehrzentrale gegen einen bestenfalls zweitklassigen Gegner wieder an Wettkampfniveau heranzutasten. In der zweiten Halbzeit kam für ihn Niklas Süle - ein klares Indiz, wer im Notfall in Russland erster Ersatzmann wäre.

Werner netzt zur Führung ein

Wenige Minuten waren gespielt, da funktionierte ein ungewöhnliches wie effektives Stilmittel. Joshua Kimmich chippte den Ball hoch hinter die Abwehrreihe der Saudis, Reus legte direkt ab auf Werner, der seine gute DFB-Torquote im 14. Länderspiel erhöhte.

Alles sah nach einer reinen Trainingseinheit für die Offensive aus. So überlegen war die Weltmeister-Auswahl - aber eben auch reichlich lässig. Kurz nach der Führung prüfte Salem Al-Dawsari (9.) Torwart Neuer in dessen zweitem Spiel nach der Langzeit-Verletzung.

Mutige Saudis verpassen Ausgleich

Mitte der ersten Halbzeit schimpfte Hummels energisch über die fehlende Defensivarbeit gegen limitierte, aber durchaus schnelle Gäste. Al-Muwallad (38.) hätte den Ausgleich erzielen können. Neuer hatte zuvor bereits einmal mit dem Kopf klären müssen.

Bei aller Lässigkeit, die grundsätzliche Überlegenheit der DFB-Elf stand nicht infrage. Reus hatte bereits in der elften Minuten den Pfosten getroffen. Beim Dortmunder war von einem Last-Minute-Trauma nichts zu spüren. 2014 hatte er sich bei der WM-Generalprobe gegen Armenien verletzt und den Titel-Triumph in Brasilien verpasst. Der Kopf war frei, das war zu spüren. In der Form ist Reus ein belebender Faktor für die Titelverteidigung.

Eigentor der Gäste

Der recht offensiv ausgerichtete Khedira (38.) hätte schon fast auf 2:0 erhöht. Torwart Abdullah Al-Muaiuf lenkte den Ball noch an den Pfosten. Kurz vor der Halbzeit half aber der Gegner mit. Bedrängt von Thomas Müller bugsierte Hausawi den Ball nach einer Hereingabe von Werner ins eigene Tor.

Löw brachte nach der Pause Torwart Marc-André ter Stegen für Neuer. Dieser Wechsel war sicherlich auch eine Anerkennung für die vom Barça-Schlussmann klaglos ertragene Rückstufung zur Nummer zwei nach dem Neuer-Comeback. Sonderlich geprüft wurde ter Stegen bis zum Elfmeter nicht. Den Schuss von Al-Sahlawi konnte er parieren, war dann aber ohne Chance.

Oliver Kahn auf der Tribüne

Gespielt wurde zuvor weiter vornehmlich Richtung Tor von Al-Muaiuf, der sich als bester Akteur seines Teams auch bald gegen Draxler (50.) und Müller (55.) auszeichnen konnte. Für Reus war die Partie nach einer knappen Stunde vorbei.

Ersatzmann Gündogan reagierte professionell auf die unfreundliche Begrüßung und hatte die Chance zum 3:0. Wieder war Al-Muaiuf da. Oliver Kahn - Torwartberater der Saudis - lächelte auf der Tribüne in sich hinein. (sg/mc/dpa)

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