Er ist die wohl größte Überraschung in Jogi Löws vorläufigem WM-Aufgebot: Nils Petersen könnte als Joker in Russland mit von der Partie sein. Ob er es tatsächlich zu seinem ersten Länderspiel schafft, muss das Trainingslager in Südtirol zeigen.

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Nils Petersens letzter Auftritt in einem Trikot mit dem Adler auf der Brust endete mit einem Fehlschuss - und der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen.

Im Finale vergab der Stürmer des SC Freiburg gegen Brasilien seinen Versuch im legendären Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro und ermöglichte Neymar die Gelegenheit zum entscheidenden Treffer beim 5:4 im Elfmeterschießen.

Völlige Überraschung im Kader von Joachim Löw

So überraschend Petersen vor zwei Jahren von Horst Hrubesch für den Olympia-Kader nominiert worden war, so unerwartet kommt nun die Wahl von Bundestrainer Joachim Löw für die Weltmeisterschaft in Russland.

"Die Nominierung ist eine sehr große Ehre für mich. Ich habe damit nicht wirklich gerechnet und bin sehr dankbar. Die Chance dabei sein zu können, ist die Krönung der Saison", ließ Petersen nach der Bekanntgabe durch seinen Club mitteilen.

Interviews geben will er zunächst nicht. Für die Rolle im Mittelpunkt macht der 29-Jährige aus dem Harz auch einen viel zu bescheidenen Eindruck.

Nur einmal in der Startelf - aber trotzdem Torschützenkönig

Seit dem Turnier in Brasilien hat Petersen im deutschen Fußball einen herausragend guten Ruf. Der Mittelstürmer stand zwar nur einmal in der Startelf. Mit sechs Toren wurde er dennoch Torschützenkönig.

Diese 23 Spieler sollen den Titel bei der Weltmeisterschaft in Russland holen.

Zudem ist der mannschaftsdienliche Profi ein Vorbild für viele junge Profis geworden - in Rio und in Freiburg. Vergangenen Dezember sorgte er mit einer pikanten Aussage für Aufsehen. In einem Interview erklärte er: "Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann."

"Von ihm erhoffe ich mir einiges", sagte Löw am Dienstag. "Nils Petersen hat noch nicht so viel internationale Erfahrung. Aber ich glaube, er wächst mit seinen Aufgaben."

Ob Petersen in Russland wirklich dabei sein wird, muss Löw bis zum 6. Juni entscheiden: Dann wird der fixe WM-Kader bekannt gegeben.

Petersen ist der Typ Fußballer, der alles gibt und nie murrt - auch dann nicht, wenn er nach dem Abstieg in die 2. Liga in Freiburg bleibt, dort 21 Tore schießt und im ersten Jahr Bundesliga dann oft nur als Joker ins Spiel kommt, weil der Platz in der Startelf zumeist an Florian Niederlechner ging.

Petersens hält den Joker-Rekord in der Bundesliga

Was machte Petersen? Neun seiner zehn Saisontore erzielte er nach Einwechslungen, stellte damit eine Bestmarke ein und eine neue auf. Gerade die Joker-Qualitäten hob Löw nun hervor.

Mit inzwischen 20 Toren nach Einwechslung hält Petersen den Bundesliga-Rekord. "Wir kennen seine Qualität. Wenn der Gegner müde wird und es mehr Räume gibt, kann er sie nochmal besser ausspielen", erklärte Trainer Christian Streich damals seine Vorliebe für Petersen als Joker.

An Freiburgs Klassenverbleib in der vergangenen Saison hatte Petersen mit seinen 15 Saisontoren nun wieder maßgeblichen Anteil. Nur Robert Lewandowski traf in der Liga häufiger. Und in Petersens Lebenslauf stehen neben Freiburg durchaus auch größere Namen: Werder Bremen, und der FC Bayern München.

Petersens Fähigkeiten und Spielverständnis kennt Löw gut. Er ist häufig Gast im Schwarzwald-Stadion. Zuletzt beim 2:0 der Freiburger gegen den FC Augsburg am vergangenen Samstag.

Im Januar entdeckte ihn Petersens Papa Andreas, selbst Trainer und zukünftig Sportdirektor bei Germania Halberstadt, in Dubai zufällig am Strand und wollte eigentlich nach den Chancen für seinen Sohnemann fragen, ließ es aber sein.

Nun ist die Freude riesig. Dem MDR sagte Petersen senior: "Ich habe geheult wie ein Schlosshund." (ank/dpa)

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