Wladimir Putin, Rurik Gislason und Felix Brych: Die Gewinner und Verlierer der WM

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Ein russischer "Bär" mit Schnauzer, ein isländischer Beau, zwei unglückliche Argentinier, ein Erfolgstrainer mit Krücke, ein deutscher Referee auf dem Abstellgleis und ein zufriedener Staatschef: Die WM hatte viele Gewinner und Verlierer. (ank/dpa)

Rurik Gislason schied mit WM-Neuling Island zwar früh aus, wurde im Netz aber als Kultkicker gefeiert. Bei Instagram explodierten die Popularitätswerte des Zweitliga-Profis vom SV Sandhausen: Statt 40.000 Followern hat er jetzt mehr als eine Million.
Der russische "Bär" Stanislaw Tschertschessow dirigierte das Gastgeber-Team überraschend bis ins Viertelfinale. Der Dank der russischen Fans ist dem 54 Jahre alten Trainer gewiss: Tausende jubelten dem Mann mit dem Schnauzer und seiner Sbornaja zu.
Beim 1:6 gegen England erzielte der 37-jährige Felipe Baloy (Mitte) das erste WM-Tor in der Geschichte Panamas. Selten hat man einen so glücklichen Schützen und so selige Fans gesehen bei diesem Turnier. Das Aus in der Vorrunde? Der Neuling trug's mit Fassung.
Gareth Southgate ist der Gentleman dieser WM. Der englische Coach hat das Mutterland des Fußballs wieder hoffähig gemacht und trug auch das Halbfinal-Aus mit Stil. "Der Messias mit der Anzugweste heilte unser unruhiges Volk mit seinen jungen Jüngern", schwärmte "The Sun".
Frankreichs Turbo-Stürmer Kylian Mbappé verzückte alle und führte sein Team ins Finale. Für den 19-Jährigen von Paris Saint-Germain hat die Zeitung "L'Équipe" einen Marktwert von 400 Millionen Euro veranschlagt. "Das alles hier ist ein Lebenstraum", sagte der Schütze des vierten Treffers für Frankreich im Endspiel.
Óscar Tabárez leidet an einer Nervenkrankheit, steht mit einer Krücke auf dem Trainingsplatz - und hält Uruguays Fußball aufrecht. Der tapfere Trainer, mit 71 Jahren dienstältester bei diesem Turnier, kam mit seinen Stars Luis Suárez und Edinson Cavani bis ins Viertelfinale.
Technisch brillant und torgefährlich: Eden Hazard stach bei den starken Belgiern heraus. Gut möglich, dass er den FC Chelsea demnächst verlässt. Der 27-Jährige wird als Nachfolger von Cristiano Ronaldo bei Real Madrid gehandelt.
Luka Modric, der kleine Spielmacher von Real Madrid, kam ganz groß raus. Als Kapitän führte er Kroatien erstmals in ein Endspiel. Einziger Wermutstropfen für den 32-Jährigen: Für den ganz großen Coup im Finale reichte es am Ende nicht.
Joachim Löw ist mit der Mission Titelverteidigung krachend gescheitert, das Vorrunden-Aus als Gruppenletzter historisch. Der Bundestrainer stand beim Debakel der DFB-Auswahl hilflos da. Weitermachen darf der 58-Jährige dennoch. Auf seine ausstehende Analyse sind alle gespannt.
Das einstige Idol Diego Maradona gab auf der Tribüne nur noch eine tragische Witzfigur ab. Der Ex-Weltmeister aus Argentinien fiel mit obszönen Gesten aus der Rolle und döste vor sich hin. Man solle nicht über ihn lachen, sondern ihm helfen, schrieb ein spanisches Blatt.
Lionel Messi, der Unvollendete: Auch in seinem vierten WM-Anlauf blieb ihm der Titel verwehrt. Der Superstar vom FC Barcelona wirkte zeitweise erdrückt vom Druck. Gegen Island verschoss der fünfmalige Weltfußballer sogar einen Elfmeter.
Fernando Hierro, Sportdirektor von Titelfavorit Spanien, beförderte sich nach dem Rauswurf von Julen Lopetegui zwei Tage vor dem ersten Spiel mit zum Interimscoach - und scheiterte kläglich. Nach dem Aus im Achtelfinale musste er Luis Enrique Platz machen.
Den Traum von der "Hexa", dem sechsten WM-Titel, konnte Neymar Brasilien nicht erfüllen. Wegen seiner Schauspieleinlagen erntete der 26-Jährige so viel Hohn und Spott wie kein anderer Spieler. Und dann war da noch seine Spaghetti-Frisur ... die er rasch wieder änderte.
Serbiens Coach Mladen Krstajic sorgte mit seiner Kritik am deutschen Referee Felix Brych für Empörung, den er nach dem Schweiz-Spiel vor das UN-Kriegsverbrechertribunal stellen wollte. Dabei hat der Ex-Profi neun Jahre in der Bundesliga gespielt.
Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych musste indes nach nur einem geleiteten Spiel heimfahren. Die Anfeindungen nach seinem ausgebliebenen Elfmeterpfiff für die Serben beim 1:2 gegen die Schweiz wurden dem 42 Jahre alten Münchner wohl zum Verhängnis.