Es ist der große Aufreger vor dem WM-Finale am Sonntagabend (21:00 Uhr LIVE in der ARD und bei uns im Ticker): Wie Videos zeigen, rollte Ron Vlaars Elfmeter im Halbfinal-Penaltyschießen zwischen den Niederlanden und Argentinien nach der Parade durch den Torwart auf das Tor zu. Hätte der Treffer zählen müssen, wenn der Ball noch im Netz gelandet wäre?

Haben die Niederländer zu Unrecht das Halbfinale der WM 2014 gegen Argentinien verloren? Wie Videoaufnahmen zeigen, könnte der erste, als verschossen gewertete Elfmeter von Ron Vlaar die Torlinie doch noch überquert haben.

Eines vorweg: Am Ergebnis des Spiels ändert sich nichts mehr. Da Schiedsrichter Cüneyt Cakir aus der Türkei auf "kein Tor" entschied, steht das Resultat des Elfmeterschießens fest. Die Fifa nennt das "Tatsachenentscheidung". Daran ist nicht mehr zu rütteln, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass der Ball nach Ron Vlaars Schuss und Sergio Romeros Parade durch den entstandenen Rückwärtsdrall doch noch ins Netz gerollt wäre.

Aber was wäre passiert, hätte der Schiedsrichter das Ganze gesehen? Hätte er überhaupt auf "Tor" entscheiden dürfen? Die offiziellen Fifa-Statuten enthalten für diese spezielle Situation keine Regelung. Manfred Kranzfelder, Schiedsrichterlehrwart des Bayerischen Fußballverbands (BFV), stellt nach Anfrage unseres Portals jedoch klar: "Der Kullerball würde zählen. Im Elfmeterschießen gibt es keinen Nachschuss, aber die Wirkung des Schusses ist immer abzuwarten. Das heißt, wenn der Ball vom Torhüter abgewehrt wird, aber durch den Drall doch über die Torlinie geht, wäre das Tor gültig."

Auf manchen Videos ist allerdings zu sehen, dass der Schütze Ron Vlaar den Ball nach der Parade durch den argentinischen Torwart noch leicht mit der Schulter berührt. In diesem Fall hätte der Schiedsrichter den Treffer nicht anerkennen dürfen, sagt Kranzfelder: "Hätte der Schütze den Ball im Anschluss – auch unabsichtlich – berührt, würde das Tor nicht zählen, weil das als Nachschuss gewertet würde."

(men/smo)