Die FIFA hat ein Disziplinarverfahren gegen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri eröffnet. Grund dafür ist der Jubel der beiden Schweizer Nationalspieler im Spiel gegen Serbien. Auch Serbien-Coach Mladen Krstajic hat Ärger am Hals.

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Den Schweizer Nationalspielern Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri sowie Serbiens Coach Mladen Krstajic drohen Strafen nach dem brisanten Vorrunden-Duell bei der Fußball-WM. Der Weltverband FIFA eröffnete jeweils Disziplinarverfahren gegen die beiden Schweizer Profis und startete eine Voruntersuchung gegen Krstajic.

Die beiden Profis müssen sich wegen ihrer Torjubel beim 2:1 über Serbien am Freitag verantworten, teilte die FIFA am Samstag mit. Die ehemaligen Bundesligaspieler haben kosovarische Wurzeln und formten nach ihren Treffern mit den Händen den doppelköpfigen Adler, der die Flagge Albaniens ziert.

Serbien erkennt das Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an, was den vieldiskutierten Jubelgesten eine politische Dimension gibt.

Verband verteidigt die Spieler

Der Schweizer Fußball-Verband nahm seine beiden Profis in Schutz. "Der SFV stellt sich vor die Spieler", hieß es am Sonntag auf der Verbandsseite.

Verbandspräsident Peter Gilliéron sagte am Sonntag im Trainingscamp in Togliatti: "Eine Sperre wäre ein Hammerschlag." Er geht nicht davon aus, das Xhaka und Shaqiri ihrer Nationalmannschaft im letzten WM-Gruppenspiel gegen Costa Rica am Mittwoch fehlen werden.

Gilliéron erwartet eine schnelles Urteil durch die FIFA. Der Schweizer Verband hat 24 Stunden Zeit, sich zu den Vorfällen zu äußern. "Wir rechnen morgen mit einem Entscheid", sagte der SFV-Boss.

Gilliéron: "FIFA muss aufpassen"

Eine Sperre kann er sich aber nicht vorstellen. "Man muss nicht allzu pessimistisch sein", sagte Gilliéron. "Die Krux bei diesem Fall ist: Wo führt es hin, wenn es einen Präzedenzfall gibt? Die FIFA wird aufpassen müssen, wie sie das Ganze beurteilt."

Auch Schweizer Minister nehmen die Profis in Schutz. "Wer die aufgeladene Stimmung miterlebt hat (...) kann verstehen, wenn die Emotionen mit einem Spieler durchgehen", sagte Verteidigungs- und Sportminister Guy Parmelin, der im Stadion dabei war, der Zeitung "NZZ am Sonntag". Es sei nicht im Sinne des Sports, aus den Emotionen nun eine Polemik entstehen zu lassen.

Schon bevor die FIFA mitgeteilt hatte, gegen Xhaka und Shaqiri zu ermitteln, hatte der Schweizer Generalsekretär Alex Miescher am Samstag um Verständnis für die Spieler gebeten. "Es gibt durchaus Momente von großer Emotionalität, in denen Fußball-Funktionäre oder Medienschaffende sich nicht wirklich vorstellen können, wie sich derart heftig provozierte Spieler fühlen, zumal in einem Spiel mit dieser Dramaturgie", hatte Wiescher gesagt.

Die Schweizer haben nun 24 Stunden Zeit für eine Stellungnahme an die FIFA-Disziplinarkommission. Xhaka und Shaqiri werden sich erst einmal nicht öffentlich zu dem Fall äußern. Die Schweizer haben am Sonntag trainingsfrei und beginnen erst am Montag mit ihrer Vorbereitung auf das letzte Gruppenspiel gegen Costa Rica am Mittwoch.

Ermittlungen gegen Krstajic

Zudem wurden Ermittlungen gegen Serbien-Trainer Krstajic wegen dessen Aussagen nach dem Spiel aufgenommen. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, so wie man uns den Prozess gemacht hat", sagte dieser nach Angaben des nationalen Fußballverbandes (FSS) am Samstag vor serbischen Journalisten.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Serben wegen schwerster Verbrechen während der Kriege beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens (1991-1999) verurteilt. Dem serbischen Verband droht zudem Ärger wegen Zuschauerunruhen und eines "politischen und beleidigenden Banners" seiner Fans.

Wegen eines solchen Plakats beim Spiel gegen Senegal muss der polnische Verband eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Schweizer Franken zahlen. Zudem wurden jeweils disziplinarische Verfahren gegen die Verbände Argentiniens und Kroatiens eröffnet. Bei ihrem Vorrundenspiel war es zu Ausschreitungen gekommen. (tfr/ank/dpa)

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