Bahnen aus Kunstschnee durchstreifen das Geröll. Nichts ist hier echt. Nicht mal der Chef vom Ganzen. Olympia-Präsident Thomas Bach ködert kalt lächelnd das Kameralicht, als Tennisstar Peng bei ihm Smalltalk versucht. Man ahnt, was sie nicht besprechen. Menschenrechte können kein Thema sein, wenn Peking dem Fernsehpublikum olympisches Flair vorgaukeln will.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Die Deutschen bei Olympia: erfolgreich wie selten, Platz eins im Medaillenspiegel. Die Umfrage in den sozialen Medien ergibt: Man kann sich nicht so richtig mitfreuen. Natürlich gönnt man ihnen Edelmetall, sie haben es verdient. Aber die Veranstaltung in Peking: so inszeniert wie ein mieser Hollywood-Streifen. Man spürt Mitleid mit den Olympiasiegern, nicht nur mit den deutschen.

Was das jetzt mit Fußball zu tun hat? Wir bekommen bei den Olympischen Winterspielen einen Vorgeschmack, was uns bei der WM Ende 2022 in Katar erwartet: ein steriles Stück Sport auf Kosten derer, die ihren Sport lieben und den vielleicht schönsten Moment ihrer entbehrungsreichen Karriere auf einer künstlich hergerichteten Bühne ertragen müssen.

Wintersport hat in Peking so wenig verloren wie Fußball in Katar. Und das hat jetzt mal nichts mit Corona zu tun: 2022 ist schon jetzt ein verlorenes Jahr für den Sport. Das Argument mit der Entwicklungshilfe für Länder, die Anschub brauchen, sticht nicht.

Für eine Entwicklung muss schon etwas da sein. Wir sehen in Peking: Da ist nichts. Und wir werden das auch in Katar sehen.

Undenkbares zur Diskussion gestellt

Die neue DFL-Chefin Donata Hopfen will nicht ausschließen, dass Bundesliga-Vereine dem Lockruf des Geldes folgen und wichtige Saisonspiele in Saudi-Arabien austragen. So weit sind wir also schon: dass Undenkbares zur Diskussion gestellt wird.

Dabei sollte Peking ein warnendes Beispiel sein: In klinischer Atmosphäre wringt man die Emotion aus dem Sport, bis er trocken ist.

Wir sind daran nicht schuldlos. Deutschland wollte die Winterspiele 2022 nicht (oder zumindest der Teil von Bayern nicht, der in einer Volksabstimmung gefragt wurde). Folglich dürften wir uns eigentlich nicht über Olympia in Peking und Fußball in Katar beschweren.

Doch müssen wir es so deutlich sagen: Der Sport wird hier ins Absurde überführt und verliert seine Ursprünglichkeit.

Die Geltungssucht von IOC-Präsident Thomas Bach und FIFA-Präsident Gianni Infantino wird man nicht mehr stoppen können. Aber Bundesliga-Fußball in Saudi-Arabien? Bitte nicht. Im Ausland wirbt die DFL mit dem Slogan: "Football as it’s meant to be". Übersetzt: Fußball, wie er sein sollte (gemeint ist). Man sollte zumindest die Bundesliga beim Wort nehmen dürfen.

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Pit Gottschalk, ist Journalist, Buchautor und Chefredakteur von SPORT1. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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