Nach dem blamablen EM-Aus der deutschen Handballer reißen die Diskussionen um Bundestrainer Christian Prokop nicht ab. Vor dem entscheidenden Spiel gegen Spanien soll es zum Eklat mit der Mannschaft gekommen sein. Der DHB dementiert allerdings.

Es war ein Blackout über mehrere Minuten, der den deutschen Handballern am Ende den Einzug in das Halbfinale der EM kostete.

Doch bereits zuvor hatte die Mannschaft rund um Kapitän Uwe Gensheimer nicht überzeugen können. So schwach auch Spaniens Auftritt gegen die Deutschen war, Prokops Team gelang es einfach nicht die Schwäche des Gegners auszunutzen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines desaströsen Turniers zurück und die Frage: Woran lag's?

Eine mögliche Antwort darauf hatte sich schon im Verlauf des Turniers herauskristallisiert: Trainer Christian Prokop und die Mannschaft scheinen nicht auf einer Wellenlänge zu liegen.

So konnten die Fernsehzuschauer live miterleben, wie Spieler Prokop in Auszeiten aktiv widersprachen oder sich weigerten seine Ansagen auf dem Platz umzusetzen.

Eklat vor dem Spanien-Spiel

Die "Bild" berichtet nun, dass es vor dem Endspiel gegen Spanien zum Eklat zwischen Trainer und Mannschaft gekommen sein soll.

Demnach hatte Prokop am Mittwoch-Vormittag eine einstündige Einheit angesetzt, um die Spieler auf den Spanien-Showdown einzustellen.

Dieses Vorhaben sei aber völlig misslungen. Prokop stauchte laut "Bild" die Mannschaft zusammen, weil er unzufrieden mit Einsatz, Konzentration und Leidenschaft gewesen sei. Schließlich soll er sogar wütend aus der Halle gestürmt sein.

Der DHB hat diese Berichte allerdings mittlerweile dementiert. Das Training habe "in der üblichen Art und Weise" stattgefunden. "Anderen Darstellungen widersprechen wir." Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann konnte den Vorfall nicht bestätigen. "Ich kann dazu einfach nichts sagen, weil ich nicht dabei war", sagte der 58-Jährige am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Prokop bleibt Trainer

Trotz des desaströsen Turnierverlaufs und des offenbaren Missverstehens zwischen Prokop und dem Team, hält der Deutsche Handball-Bund am Bundestrainer fest.

"Der Trainer steht für mich nicht zur Disposition", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning am Donnerstagmorgen vor der Abreise aus dem Teamhotel in Sveti Martin. "Das Ziel ist es, mit ihm weiterzumachen."

Stattdessen soll bei einer harten Analyse des Turniers ausgelotet werden, wie die Reise weitergeht.

Denn das Ziel ist laut Hanning klar: "Es gibt eine unverhandelbare Vision: Wir wollen eine WM-Medaille und Olympia-Gold. Das werden wir ab heute angehen." (ska/tfr/dpa)