Vom Außenseiter zum Titelfavoriten: Nach zwei Siegen und einem Unentschieden steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar kurz vor dem Einzug ins Achtelfinale. Das Team von Trainer Dagur Sigurdsson überrascht Fans und Experten. Wir stellen ihnen die Protagonisten des DHB-Teams vor.

Deutsche Handballer trumpfen bei WM auf - müssen sich aber noch steigern.

Als sportlich eigentlich gar nicht qualifizierter Außenseiter spielt Deutschland bei der Handball-Weltmeisterschaft in Katar sensationell auf. Nach Siegen gegen Polen und Russland hatte das Team am Dienstag sogar den Vizeweltmeister Dänemark am Rande einer Niederlage. Mit drei Punkten aus den verbleibenden Vorrundenpartien gegen Argentinien und Saudi-Arabien ist sogar der Gruppensieg in Reichweite. Und das liegt auch an der Weiterentwicklung der wichtigsten Charaktere im Team.

Dagur Sigurdsson: der Souveräne

Weniger als ein halbes Jahr ist Dagur Sigurdsson als Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft im Amt. In dieser kurzen Zeit hat der Isländer ein WM-taugliches Team geformt. Allein seine Körpersprache ist eine ganz andere als die seines Vorgängers Martin Heuberger. Sein Selbstbewusstsein überträgt sich auf die Mannschaft. Obwohl Sigurdsson mit fast dem gleichen Kader wie Heuberger arbeitet, treten die Spieler ganz anders auf. Sie wissen, was sie machen sollen und dass sie es können. Auch Fehler sind vor allem den jungen Spieler ausdrücklich erlaubt.

Taktisch ist Sigurdsson ein Top-Trainer. Er verordnete der Abwehr mehr Variabilität. Je nach Gegner und Situation kann die Defensive jetzt problemlos zwischen einer 6:0- oder eine 5:1-Deckung umschalten. Im Angriff gibt es klar definierte Spielzüge, an die sich jeder Spieler zu halten hat. Mit diesem System ist die Mannschaft deutlich unberechenbarer als noch vor wenigen Monaten.

Steffen Weinhold: der Zuverlässige

Schon seit seinem Wechsel zum THW Kiel vor der WM hat Rückraumspieler Steffen Weinhold eine enorme Entwicklung genommen. Doch in Katar explodierte die Leistung des Linkshänders regelrecht. Sowohl im Auftaktspiel gegen Polen als auch im Spiel gegen Dänemark war Weinhold extrem treffsicher und wurde zum "Man of the Match" gewählt. Mit 19 Treffern ist er nach drei Spielen in der Torschützenliste vorne mit dabei.

Selbst unter starker gegnerischer Bedrängnis kommt der Halbrechte immer wieder zum Abschluss. So trifft er entweder selbst oder holt reihenweise Siebenmeter heraus. Darüber hinaus ist Weinhold einer der wenigen Allrounder im Team. Er spielt sowohl im Angriff als auch in der Abwehr und wird nicht wie viele andere nur für seine Paradedisziplin eingewechselt.

Uwe Gensheimer: der Anführer

Uwe Gensheimer ist nicht nur der Kapitän des Teams sondern auch einer der wichtigsten Spieler. Der Linksaußen ergreift in den Auszeiten oft das Wort. Doch der Mann von den Rhein-Neckar Löwen geht nicht nur als Motivator voran, sondern überzeugt auch mit Leistung. Gegen Russland war er der überragende Akteur, überzeugte als Goalgetter und sicherer Siebenmeter-Schütze. Insgesamt erzielte er bereits 22 Treffer und verwandelte elf von 14 Strafwürfen.

Michael Kraus: der Erfahrene

Er ist der letzte verbliebene Weltmeister von 2007 im aktuellen Team. Michael "Mimi" Kraus gehört mit seinen 31 Jahren zwar nicht mehr zur Stammbesetzung, ist aber dennoch von enormer Wichtigkeit für die Mannschaft. Der alte Hase von Frisch Auf Göppingen kann mit seiner individuellen Klasse im Eins-gegen-eins Spiele in den entscheidenden Situationen drehen. Außerdem kann er mit seinem gewaltigen Wurf aus dem Rückraum immer noch Akzente setzen. Mit seiner Erfahrung gibt er den jungen Spielern im Kader Halt und unterstützt so Kapitän Uwe Gensheimer.