Jahresrückblick: Die Todesfälle des Sportjahres 2018

Ein Auto überfährt Graciano Rocchigiani nachts auf einer Straße in Sizilien. Nach einem Herzstillstand in der "Hölle des Nordens" kommt Radprofi Michael Goolaerts ums Leben. Der Belgier wird nur 23. Im Alter von 80 Jahren stirbt Karl Mildenberger, der seinen berühmtesten Boxkampf um den WM-Titel 1966 gegen Muhammad Ali trotz grandioser Leistung verliert. Nur drei der vielen Persönlichkeiten, um die die Sportwelt in diesem Jahr trauert. © dpa

Davide Astori (gestorben am 4. März im Alter von 31 Jahren): Der italienische Fußball steht unter Schock, als der Kapitän des Erstligisten AC Florenz an einem Herzstillstand stirbt. Seine Mannschaftskollegen finden ihn am frühen Morgen in seinem Hotelzimmer in Udine.
Der Innenverteidiger, geboren in der norditalienischen Lombardei, feiert sein Erstligadebüt 2008 bei Cagliari Calcio, spielt später für AS Rom und Florenz. Astori bestreitet 14 Länderspiele für Italien und erzielt dabei ein Tor.
Ralf Waldmann (gestorben am 10. März im Alter von 51 Jahren): Posthum wird eine Passage auf dem Sachsenring in "Ralf Waldmann Kurve" umbenannt. Der zweimalige Vizeweltmeister gehört zu den talentiertesten Motorrad-Rennfahrern in Deutschland. Zwischen 1986 und 2009 absolviert er insgesamt 169 Grand-Prix-Rennen in drei Klassen und holt 20 Siege sowie 30 weitere Podestplätze.
Waldmann ist der Fahrer mit den meisten Siegen, der nie Weltmeister wird: 1997 verpasst er den Titel um gerade mal zwei Punkte gegen den Italiener Max Biaggi. Waldmann wird leblos im Keller seines Elternhauses in Ennepetal aufgefunden; über die Todesursache wird nichts bekannt.
Michael Goolaerts (gestorben am 8. April im Alter von 23 Jahren): Der 116. Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix, noch 148 Kilometer bis zum Ziel, Kopfsteinpflaster: Der belgische Radprofi erleidet mitten im Rennen einen Herzstillstand und stürzt daraufhin schwer.
Er wird zunächst wiederbelebt und dann mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus in Lille geflogen. Dort kämpfen die Ärzte vergeblich um sein Leben.
Daniela Samulski (gestorben am 25. Mai im Alter von 33 Jahren): Neun Tage vor ihrem 34. Geburtstag erliegt Daniela Samulski einem langen Krebsleiden. Ihre Karriere hat Höhen und Tiefen: Nach ersten Erfolgen in jungen Jahren leidet die gebürtige Berlinerin unter Essstörungen.
Dank Therapie und Schwimmpause startet Samulski (l.) neu, holt sich 2009 den Weltrekord über 50 Meter Rücken und bei der WM in Rom zweimal Silber. 2006 und 2010 wird sie Europameisterin mit der Freistil-Staffel über 4x100 Meter. Ihre deutschen Rekorde über 50 und 100 Meter Rücken von 2009 stehen heute noch.
Hans Günter Winkler (gestorben am 9. Juli im Alter von 91 Jahren) mit der Stute Halla: Berühmt wird "HGW" - so sein Spitzname - vor allem durch seine Ritte mit dieser "Wunderstute" bei den Olympischen Spielen 1956. Mit fünf Goldmedaillen, einer Silber- und einer Bronzemedaille ist Winkler einer der erfolgreichsten deutschen Sportler der Olympia-Geschichte. Zweimal holt er zudem den WM-Einzeltitel.
Winkler startet in mehr als 100 Nationenpreisen; dreimal gewinnt er beim CHIO in Aachen den Großen Preis. Er erhält zahlreiche Auszeichnungen, darunter das große Bundesverdienstkreuz. Winkler ist viermal verheiratet. Seine letzte Frau Debbie kommt 2011 bei einem Reitunfall ums Leben.
Graciano Rocchigiani (gestorben am 1. Oktober im Alter von 54 Jahren): Das tragische Ende auf Sizilien passt zu dem in Duisburg geborenen Boxprofi, der im Berliner Dialekt den Spitznamen "Grazze" weg hatte und für alle anderen nur "Rocky" hieß - wie der unbeugsame Filmheld. Mitten in der Nacht wird er auf einer Straße in Sizilien von einem Kleinwagen überfahren - Rocchigiani ist sofort tot.
"Ich bin im Prinzip ein Sonntagskind, habe 50 Jahre auf der Überholspur gelebt. Die 22 Monate im Knast habe ich vielleicht auch verdient", sagte der Sohn eines sardischen Eisenbiegers und einer Berlinerin einmal. Rocky wird Weltmeister im Supermittelgewicht (1988/89) und Halbschwergewicht (1998 bis 2000). Legendär sind seine Kämpfe gegen Henry Maske (Bild) und Dariusz Michalczewski.
Karl Mildenberger (gestorben am 5. Oktober im Alter von 80 Jahren): Vier Tage nach Rockys Tod verliert der deutsche Boxsport den nächsten großen Kämpfer: Mildenberger stirbt in einem Hospiz in seiner Heimatstadt Kaiserslautern. Er wird 1964 Europameister im Schwergewicht und kämpft am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion gegen Muhammad Ali um den WM-Titel.
Den berühmtesten Fight seiner Karriere verliert er erst durch einen Abbruch des Ringrichters in der zwölften Runde. "Ein Großer ist gegangen. Mit dem Kampf gegen Ali hat er sich einen Platz in der Box-Geschichte gesichert", sagte Berufsboxer-Präsident Thomas Pütz.
Markus Beyer (gestorben am 3. Dezember im Alter von 47 Jahren): Als Boxer wird er 1999 erstmals WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht. Er gewinnt 35 seiner 39 Profikämpfe, 13 davon durch K.o. 2008 beendete er seine Karriere.
Ab 2015 ist Beyer in der MDR-Sendung "Sport im Osten" als Experte im Einsatz. Er stirbt nach kurzer, schwerer Krankheit - Nierenkrebs.