Jan Ullrich: Ein Leben voller Höhen und Tiefen

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Von
Julia Wolfer

Ein handfester Streit mit seinem Nachbarn Til Schweiger endet für Jan Ullrich mit der Festnahme durch die spanische Polizei, einer Nacht im Gefängnis und einer Kontaktsperre zu dem Schauspieler: Es ist der jüngste Tiefpunkt in einem Leben, das von vielen Höhen und Tiefen geprägt ist.

Jan Ullrich kommt bereits in seiner Kindheit in der DDR (Bild: 1985) mit dem Radsport in Berührung. Nach dem Fall der Mauer geht der 1973 in Rostock geborene Ullrich …
… mit seinem damaligen Trainer nach Hamburg, um seine Radsportkarriere voranzutreiben. 1994 nimmt ihn das Team Telekom unter Vertrag.
1996 startet Ullrich zum ersten Mal bei der Tour de France - und belegt gleich den zweiten Platz. Das weckt bei den deutschen Fans Hoffnungen, die schon ein Jahr später erfüllt werden sollen.
Um den jungen Sportler aus Rostock entwickelt sich ein regelrechter Hype. Die Öffentlichkeit hofft auf eine jahrelange Siegesserie bei der Tour de France - doch diese hohen Erwartungen kann Ullrich nicht erfüllen.
In den folgenden Jahren hat Ullrich immer wieder mit schlechter Fitness, Übergewicht und Verletzungen zu kämpfen. 1998 und 2000 belegt er dennoch jeweils den zweiten Platz bei der Tour de France. 1999 gewinnt er die Vuelta und …
… bei Olympia 2000 in Sydney holt er Gold im Straßenrennen und Silber im Zeitfahren. 1999 sowie 2001 gewinnt er die Zeitfahr-WM. Ein zweiter Tour-Sieg will ihm aber nicht mehr gelingen. Stattdessen wird er 2001 und 2003 erneut Zweiter.
Im Jahr 2002 sorgt der Radprofi zum ersten Mal für negative Schlagzeilen in der Boulevardpresse. Unter Alkoholeinfluss verursacht er in Freiburg einen Autounfall. Wenige Wochen später wird er positiv auf Amphetamine getestet und für sechs Monate gesperrt. Er erklärt damals, er habe in einem Club von Unbekannten "Pillen" angenommen.
2006 tauchen Doping-Vorwürfe gegen Ullrich auf: Bei einer Razzia beim Arzt Eufemiano Fuentes wird neben Doping-Mitteln eine Liste von möglichen Abnehmern sichergestellt. Ullrich sowie 57 weitere Spitzenfahrer werden daraufhin von der Tour de France 2006 ausgeschlossen. Kurz darauf wird Ullrich vom Team Telekom gefeuert, weil er - entgegen seiner Ankündigung - keine Beweise für seine Unschuld vorlegt.
2007 gibt Ullrich schließlich das Ende seiner Profikarriere bekannt. Er kündigt an, künftig als Berater und Werbeträger des österreichischen Team Volksbank tätig zu sein – doch daraus wird nichts. Der Doping-Verdacht gegen Ullrich erhärtet sich: Bei Fuentes entdeckte Blutkonserven können eindeutig Ullrich zugeordnet werden.
Nach jahrelangem Rechtsstreit sieht es der Internationale Sportgerichtshof Anfang 2012 als erwiesen an, dass Ullrich gedopt hat. Nach diesem Urteil werden alle seine Sporterfolge ab dem 1. Mai 2005 annulliert. Er selbst beteuert seine Unschuld.
Erst im Jahr 2013 räumt Ullrich in einem Interview mit dem "Focus" ein, gedopt zu haben. Anschuldigungen wegen Betrugs weist er allerdings zurück: Er habe nichts getan, was nicht alle getan hätten. "Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen."
2014 ist Ullrich erneut in einen Autounfall verwickelt: Unter Alkoholeinfluss verursacht er in der Schweiz einen Verkehrsunfall, bei dem zwei Menschen verletzt werden. Die Polizei stellt bei einem Atemtest 1,4 Promille fest, Ullrich wird der Führerschein entzogen. Später wird er zu 21 Monaten Haft auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von über 10.000 Franken verurteilt.
Im August 2016 macht Jan Ullrich Mallorca zu seinem Hauptwohnsitz. Zunächst bewohnt er dort eine Finca - zusammen mit seiner Ehefrau Sara, die er 2006 geheiratet hatte, und den drei gemeinsamen Söhnen. Anfang Juni 2018 gibt er die Trennung bekannt. Sara zieht daraufhin mit den Kindern zurück nach Deutschland.
Auf diesen privaten Rückschlag führt Ullrich den Vorfall zurück, bei dem er auf dem Mallorca-Anwesen von Til Schweiger randaliert haben soll und schließlich von der spanischen Polizei festgenommen wird (Bild). Die Trennung von seiner Familie habe ihn sehr mitgenommen. "Dadurch habe ich Sachen gemacht und genommen, die ich sehr bereue", sagt er im Interview mit der "Bild"-Zeitung.
Til Schweiger sagt, er habe den Ex-Radprofi als liebenswerten und großzügigen Menschen kennengelernt, doch der sei er heute nicht mehr. "Er ist ein Wrack, aber mittlerweile ein gefährliches Wrack." Seinen Kindern zuliebe will Ullrich eine Therapie machen, wie er selbst sagt. Ein Suchtproblem habe er aber nicht.
Wie gefährlich nahe sich Ullrich am Abgrund bewegt, zeigt sich wenige Tage später: Der 44-Jährige wird in Frankfurt festgenommen, nachdem er eine Escortdame gewürgt hatte. Am Ende bleibt kein anderer Ausweg: Der ehemalige Radprofi wird in die Psychiatrie zwangseingewiesen.