Die Bürger von München, Garmisch-Partenkirchen und Traunstein haben entschieden: Im Jahr 2022 wird es keine Olympischen Spiele in Bayern geben. Für die Befürworter der Bewerbung ein herber Schlag, der auch zukünftige Bewerbungen anderer Städte beeinflussen könnte.

In den letzten Tagen wurde vor allem in München noch einmal ordentlich die Werbetrommelgerührt. Auch beim Spiel des FC Bayern gegen den FC Augsburg wurden die Fußballfans mit Videos von Superstars wie Bastian Schweinsteiger auf den Bürgerentscheid eingestimmt. Schweinsteiger und der FC Bayern befürworteten eine mögliche Bewerbung. Die Rede war vom "Olympia-Double"- nach 1972 jetzt 2022.

Bürger enttäuschen Funktionäre

Dieses Double wird es nicht geben. Die Bürger zeigten sich unbeeindruckt von allen Werbemaßnahmen und stimmten mit Nein.

Michael Vesper der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes(DOSB) sagte: "Ich bin sehr enttäuscht. Das ist sehr bitter für den deutschen Sport, dass wir nicht die Chance bekommen haben, der Welt zu zeigen, wie man heutzutage nachhaltige Olympische Winterspiele veranstalten kann."

Auch Sportgrößen wie die Ski-Stars Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther hatten sich für die Winterspiele starkgemacht. Die Enttäuschung war beiden anzumerken. "Ich weiß nicht, woran es lag", sagte Höfl-Riesch nach Bekanntwerden der Ergebnisse. "Es ist traurig, aber wahr. Wir haben in den letzten zwei Wochen noch einmal alles mobilisiert. Wir müssen jetzt in der Niederlage Größe beweisen. Der eine oder andere wird es später vielleicht noch bereuen." Und Felix Neureuther brachte es mit nur einem Wort auf den Punkt: "Bitter."

OB Ude ist enttäuscht

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, ein großer Befürworter der Bewerbung, glaubt, die Kritiker der Winterspiele hätten den Bogen deutlich überspannt. "Es ging nicht mehr um Teile der Bewerbung, sondern plötzlich um die Generalkritik", sagte der scheidende OB. "Plötzlich wurde das IOC für die russische oder chinesische Politik verantwortlich gemacht." Am Konzept der Stadt München habe es auf keinen Fall gelegen. "Es ist eher eine zunehmend kritische Einstellung von Bevölkerungsteilen gegen Sport-Großereignisse."

Josef Fendt, der Präsident des Internationalen Rennrodelverbands (FIL) findet die Absage äußerst bedenklich: "Ich bin sehr enttäuscht. Das hätte ich nicht gedacht. Ich glaube, viele Bürger waren nicht richtig informiert. Wenn sich solche traditionellen Länder wie die Schweiz oder Deutschland als Ausrichter zurückziehen, ist dies eine gefährliche Entwicklung."

Auch Ex-Skisprung-Koryphäe Sven Hannawald schlägt in diese Kerbe: "Das ist eine Klatsche, wie ich sie im Leben nie erwartet hätte, ein 0:4-Debakel. Wie will man so ein Highlight wie Olympische Spiele jetzt noch nach Deutschland bringen?"

Tatsächlich scheint es erste Überlegungen von Seiten des DOSB zu geben, von weiteren Bewerbungen abzusehen. Noch stehen Bemühungen um die Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin im Raum. Generaldirektor Michael Vesper will jedoch derzeit keine Entscheidung übers Knie brechen. "Das müssen wir später bewerten", sagte er der "Bild"-Zeiutng.

(ska)