Der jüngste Bericht zu möglichen Manipulationen im Tennis wirft bislang mehr Fragen auf als er beantwortet. Allerdings sind Korruptionsvorwürfe im Tennis kein neues Phänomen, denn gerade der "weiße Sport" ist für schmutzige Schiebereien durchaus anfällig.

Was ist bekannt?

Laut den Medien BBC und "BuzzFeed" wurden in den vergangenen zehn Jahren Spiele im Tennis manipuliert. Insgesamt sollen 16 ehemalige und noch aktive Profis aus den Top 50 der Welt in den Wettskandal verwickelt sein. Auch ein Grand-Slam-Sieger soll darunter sein.

Zu den manipulierten Spielen sollen auch mindestens drei Partien beim Rasenklassiker in Wimbledon gehören. Die Informationen basieren auf geheimen Dokumenten, die "BuzzFeed" und BBC vorliegen.

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Die größten Skandale im Sport

Nicht nur in der Leichtathletik, beim Radsport und im Fußball kommt es immer wieder zu Skandalen. In den vergangenen zehn Jahren sollen insgesamt 16 ehemalige und noch aktive Top-50-Tennisprofis Matches manipuliert haben.

In dem Bericht seien den Tennis-Verbänden 2008 28 Spieler genannt worden, gegen die aufgrund von möglichen Verwicklungen in Manipulationen Untersuchungen eingeleitet werden sollten. Auf juristischen Rat hin sei aber nichts gegen die Spieler unternommen worden. Wettsyndikate aus Russland und Italien hätten unter anderem auch auf drei verdächtigte Matches in Wimbledon gesetzt.

Was ist bisher unbekannt?

Die Berichte nennen keine Namen von aktuell möglicherweise betroffenen Spielern. Weil es keinen Zugang zu Telefonen, Bank- und Computerdaten gebe, könne ihnen die Teilnahme an Wettmanipulationen nicht nachgewiesen werden.

Wie sollen die Absprachen abgelaufen sein?

Manipulationsvorwürfe erschüttern Tennis - Beweise angeblich ignoriert.

Laut "Buzzfeed" wurden die Spieler bei großen Turnieren in ihren Hotelzimmern angesprochen. Ihnen sollen von korrupten Sportwettern 50.000 Dollar oder mehr für die Manipulation von Spielen geboten worden sein.

Auch der Weltranglistenerste Novak Djokovic berichtet davon, dass 2007 Menschen aus seinem Umfeld an ihn herangetreten seien, die ihn aufgefordert hätten, ein Spiel bei einem Turnier in St. Petersburg zu verlieren. Djokovic habe jedoch sofort abgelehnt.

Sind die Vorwürfe neu?

Manipulationsvorwürfe im Tennis gibt es schon länger. Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt kamen Gerüchte auf, wonach prominente Profis das Antrittsgeld kassiert und die erste Runde absichtlich verloren haben sollen.

Ermittelt wurde 2007 auch gegen den Russen Nikolai Dawidenko, der gegen den Argentinier Martin Vassalo Arguello überraschend aufgegeben hatte. Dawidenko beteuerte jedoch verletzt gewesen zu sein. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Wer ermittelt?

Seit 2008 gibt es die Tennis Integrity Unit (TIU). Die Gründung der Antikorruptionsagentur war eine Reaktion auf Gerüchte über Wettmanipulation im Tennis. Die TIU sitzt in London.

Seit 2010 hat die TIU 18 Verfahren erfolgreich abgeschlossen und fünf Spieler und einen Offiziellen lebenslang gesperrt. Das teilten die Verantwortlichen zu Beginn des Turniers in Melbourne mit.

Warum ist gerade Tennis anfällig?

Tennis-Wetten sind gerade im Internet sehr beliebt. Vom ersten Aufschlag, über den ersten Doppelfehler bis hin zur Frage, wer welchen Satz und am Ende das Spiel verliert, kann online auf fast alles gewettet werden. Gerüchte, dass gerade bei unterklassigen Turnieren nicht immer alles mit rechten Dinge zugeht, gibt es daher schon länger.

Zudem sind gerade bei kleinen Turnieren, von denen es im Tennis zuhauf gibt, die Preisgelder nicht besonders üppig. Daher ist der Anreiz zu betrügen höher. Auch die deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic hat bereits von Manipulationsversuchen auf kleineren Turnieren gehört. "Weil da verdienst du echt nichts, und da ist der Anreiz größer, das zu machen", erklärt sie. (ska/dpa)