Die deutschen Medaillenhoffnungen der Paralympics

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In Pyeongchang starten die Paralympischen Spiele: Für Deutschland machen sich gleich mehrere Sportler berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Ihre Geschichten sind bemerkenswert.

Anna-Lena Forster ist die schärfste Konkurrentin von Anna Schaffelhuber. Bei den Paralympischen Spielen von Sotschi holte sie zweimal Silber und einmal Bronze. Ob es in Pyeongchang für eine Goldmedaille reicht?
Martin Flieg wurde 2017 Doppel-Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger. Für die Paralympics von Pyeongchang darf er sich große Hoffnungen auf eine Medaille machen. Sein Schlitten, mit dem er bereits in Sotschi angetreten ist, kostete in der Entwicklung und Produktion etwa 160.000 Euro. Das Gerät kommt tatsächlich aus dem 3D-Drucker.
Clara Klug tritt gemeinsam mit ihrem Guide Martin Härtl im Biathlon an. Sie reist als zweimalige Vize-Weltmeisterin zu ihren ersten Paralympics. Die Studentin ist fast blind. Ihr Anspruch für Pyeongchang: "Die Farbe ist mir wurst. Hauptsache, ich nehme so ein rundes Teil mit nach", erklärte Klub in der "SZ".
Wegen Komplikationen bei seiner Geburt ist Steffen Lehmkers rechter Arm nur begrenzt einsetzbar. Davon lässt sich der 29-Jährige aber nicht bremsen. Der Biathlet, der seinen Sport erst seit 2014 betreibt, gibt in Pyeongchang sein Paralympic-Debüt. Neben seinem Sport spielt der 29-Jährige Schlagzeug und hat bereits zwei Bücher über Smoothies veröffentlicht.
Alexander Ehlers Geschichte ist bemerkenswert: Für Kasachstan sollte er 1992 in Albertville als Biathlet bei Olympia starten. Kurz vor den Spielen hatte er einen Unfall, als Folge dessen er eine Beinlängendifferenz von neun Zentimeter hat. Nun gibt er mit 48 Jahren sein Paralympics-Debüt.
Anja Wicker: Die Studentin für Sportmanagement ist Fußball-Fan des VfB Stuttgart. 2014 überraschte sie bei ihrer Paralympics-Premiere mit Gold und Silber im Biathlon. Nach eigener Auskunft mag sie eigentlich gar keinen Winter und reist deshalb so oft wie möglich in die Sonne.
Andrea Eskau ist ein absolutes Ausnahmetalent: Sie ist die einzige Deutsche, die sowohl bei Sommer- als auch bei Winter-Paralympics startet. In ihrer Laufbahn gewann sie auf Skiern schon Gold im Langlauf und Biathlon, als Radfahrerin im Zeitfahren und Straßenrennen. Insgesamt kommt sie auf 20 WM-Titel.
Thomas Nolte kommt – für einen Alpinen ungewöhnlich – aus Braunschweig, ist aber ein Dauerbrenner. In Pyeongchang zum dritten Mal dabei.
Georg Kreiter war 2002 zu einem Fußballspiel unterwegs, als er mit seinem Motorrad verunglückte. Seither ist er ab dem fünften Brustwirbel querschnittgelähmt. 2015 wurde er mit dem Monoski Doppel-Weltmeister.
Andrea Rothfuss ist ein absolutes Multitalent. Sie wurde 2004 deutsche Jugend-Meisterin im Para-Schwimmen, der Leichtathletik und im Skifahren. Bei drei Paralympics gewann sie schon acht Medaillen. 2014 war sie Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier. Sie lebt in einer WG in Innsbruck mit der österreichischen Monoskifahrerin und Schaffelhuber-Konkurrentin Claudia Lösch.
Noemi Ristau ist die einzige blinde Athletin unter den Alpin-Startern. Sie gewann 2017 mit WM-Bronze im Slalom ihre erste internationale Medaille, nun folgt die Paralympics-Premiere und was früher Nationalspielerin im Blindenfußball.
Die Biathletin, die früher Schauspielerin werden wollte, feiert am Tag der Schlussfeier von Pyeongchang ihren 27. Geburtstag. Studiert Prävention und Gesundheitspsychologie. Sie wurde mit nur drei Prozent Sehkraft geboren, mit neun Jahren war sie komplett erblindet. Nun startet sie als Deutsche Meisterin nach Südkorea.
Anna Maria Rieder kam als Frühchen in der 25. Wochen zur Welt. Sie wog gerade einmal 722 Gramm. Doch entgegen aller Vorzeichen überlebte sie und darf nun, kurz nach ihrem 18. Geburtstag erstmals zu den Paralympischen Spielen fahren. Ihre unvollständige Halbseitenlähmung merkt ihr heute kaum jemand mehr an.