Hat es bei den Olympischen Spielen einen Manipulationsversuch gegeben? Ein chinesischer Preisrichter steht unter Verdacht, einem Landsmann absichtlich hohe Wertungen zu geben. Dem Preisrichter droht eine lange Sperre.

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Der chinesische Preisrichter Chen Weiguang ist mit einer außergewöhnlichen Wertung im Herren-Wettbewerb der Eiskunstläufer bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang aufgefallen.

Als Mitglied der neunköpfigen Jury bewertete er am Samstag seinen Landsmann Jin Boyang extrem positiv. Der Asiate vergab für den Gesamt-Vierten bei der Ausführung der Elemente zehnmal die höchste Note (plus 3).

In den künstlerischen Komponenten blieb er nur knapp unter der Höchstzahl 10 und variierte zwischen 9,25 und 9,50 - die anderen Preisrichter blieben deutlich darunter.

Preisrichter droht lange Sperre

Damit fiel Chen nicht nur aus der Wertung - von neun Gesamtnoten werden die höchste und die niedrigste gestrichen - er muss womöglich auch eine jahrelange Sperre befürchten.

Die Disziplinarkommission der Internationalen Eislauf-Union (ISU) dürfte sich mit dem Fall voraussichtlich nach Olympia beschäftigen. Zuletzt sperrte die ISU eine türkische Jurorin für ein halbes Jahr. "Wir achten verstärkt darauf", sagte der Kommissionsvorsitzende Volker Waldeck der Deutschen Presse-Agentur in Südkorea.

Nach dem Preisrichterskandal von Salt Lake City 2002 habe sich das überarbeitete Bewertungssystem deutlich verbessert. "Die Manipulationsmöglichkeiten einzelner Preisrichter sind geringer geworden", betonte Waldeck. "Es ist auch insofern gerechter, weil das Ergebnis von Aljona Savchenko und Bruno Massot aus dem alten System so nicht herausgekommen wäre", sagte der Dortmunder.

Die Paarlauf-Olympiasieger hatten vor allem im technischen Bereich in der Kür Punkte gesammelt und sich vom vierten auf den ersten Platz verbessert.

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© dpa