• Noch Stunden nach der Disqualifikation von Katharina Althaus im olympischen Skisprung-Mixed-Wettbewerb herrscht im deutschen Team Fassungslosigkeit und Enttäuschung.
  • Sowohl Althaus als auch ihr Teamkollege Karl Geiger machen in den sozialen Medien ihrem Ärger und ihrer Trauer noch einmal in aller Deutlichkeit Luft.
  • Teammanager Horst Hüttel weist derweil den Vorwurf von möglichen Tricksereien am Anzug der Deutschen entschieden von sich.

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Stunden, nachdem die Tränen von Katharina Althaus getrocknet waren, blieb der Ärger. Und dieser Ärger richtete sich vor allem gegen den Weltverband FIS: "Sie haben damit das Damen-Skispringen zerstört. Unsere Namen stehen jetzt alle da und wir haben die Arschkarte gezogen. Damit macht man Nationen kaputt, Förderungen und den ganzen Sport unfair", wütete Althaus in einer ersten Reaktion. Die FIS hatte Althaus und vier weitere Skispringerinnen im Mixed-Wettbewerb in Zhangjiakou wegen ihrer Anzüge disqualifiziert. Deutschland, zuvor auf Rang zwei liegend, schied ohne die Punkte von Althaus nach dem ersten Durchgang aus. Gold ging an Slowenien.

Und dabei hatte alle so gut begonnen. Sowohl Selina Freitag als auch Constantin Schmid zeigten gute Leistungen. Sogar der im Einzelwettbewerb zuvor enttäuschend gesprungene Karl Geiger brachte einen sehr guten Sprung nach unten, hatte schon die Faust in Erleichterung geballt, bis ihn nur Sekunden später die Nachricht von Althaus' Disqualifikation erreichte.

Althaus nach Mixed-Wettbewerb: "Ich bin am Boden zerstört"

Auf einem Bild bei Instagram zeigt sich das deutsche Sprungquartett aus Althaus, Freitag, Schmid und Geiger geschlossen und Arm in Arm. Sowohl Geiger als auch Althaus posteten das Foto.

"Ich habe keine Worte dafür was heute für Entscheidungen getroffen wurden. Es wurden Sportler und ihre Träume kaputt gemacht. Es tut mir leid aber ich wurde in 11 Jahren noch NIE!!! disqualifiziert. Es war für uns Damen mit der wichtigste Wettkampf, eine Premiere für den gesamten Sport und dann sowas!! Ich bin so enttäuscht und wütend. Wir haben wirklich alles gegeben um hier dabei zu sein und haben alle unseren besten Sprünge gezeigt. Ich bin am Boden zerstört und kann es nicht verstehen..", schrieb eine offenbar immer noch emotional angegriffene Althaus dazu.

Geiger, der dasselbe Bild postete, machte noch einmal deutlich: "Wir halten zusammen, egal was kommt." Doch auch er zeigt sich verwundert darüber, ob das Reglement bei den Damen über Nacht geändert worden sei bei so vielen Disqualifikationen.

Absichtlich getrickst? Teammanager Hüttel: "Wir sind ja nicht bescheuert"

Teammanager Horst Hüttel hat derweil noch einmal klargestellt, dass es im deutschen Team auf keinen Fall zu Tricksereien beim Anzug gekommen sei. "In keinster Weise, wir sind ja nicht bescheuert", sagte der 53-Jährige am Dienstag in der ARD und erklärte: "Das ist das größte Schaufenster, was die Mädchen überhaupt haben. Das Risiko geht keine ein, da lege ich die Hand dafür ins Feuer."

"Natürlich bewegt man sich an gewissen Limits, aber die wurden ja im Einzel-Wettbewerb und vorher auch ein Stück weit angegangen und diskutiert, aber nie überzogen", sagte Hüttel. "Ich weiß, dass die Katha exakt den gleichen Anzug gesprungen ist wie im Einzel." Im Einzel hatte Althaus mit Silber die erste deutsche Medaille bei den Olympischen Spielen in Peking geholt.

Althaus selbst gehe es, laut Hüttel, "nicht gut". Sie habe versucht, sich abzulenken. "Sie waren gerade im olympischen Dorf, um auf andere Gedanken zu kommen. Aber sie ist natürlich noch frustriert, und da kann man nicht erwarten, dass das in einem Tag abgeschüttelt wird, dafür saß der Schmerz zu tief."

Olympia 2022: Heftige Kritik am Ski-Weltverband FIS

Auch der ehemalige Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster übte deutliche Kritik an den Verantwortlichen der FIS: "Es wirft ein schlechtes Licht auf die FIS. Das muss man klar sagen. Es ist nicht nur ein schlechtes Licht auf dem Sport, sondern auch auf der FIS. Sie haben es im Vorfeld versäumt, sich abzustimmen, um zusammen ordentlich zu agieren und die Sportart zu repräsentieren", erklärte der Österreicher bei Eurosport und richtet den Blick auch auf die Zukunft: "Meine Hoffnung ist, dass dieses Springen ein Anlass ist, um noch einmal über die Bücher zu gehen und zu fragen: Wie bekommen wir mehr Transparenz herein? Gleichzeitig aber auch: Wie machen wir Werbung für den Sport? Es wurde eine große Chance vertan. Erstmals ein Mixed-Wettbewerb bei Olympia - und dann fällt man solche Entscheidungen. Das kommt ganz schlecht rüber."

In eine ähnliche Kerbe schlägt der frühere Frauen-Bundestrainer Andi Bauer im Gespräch mit der "Stuttgarter Zeitung". "Das ist ein Desaster für unsere Sportart", sagte das heutige Mitglied der Materialkommission und des Sprungkomitees der FIS. Es seien vier Weltklasse-Athletinnen vor einem Millionenpublikum regelrecht vorgeführt worden. "So darf sich eine Sportart auf der weltgrößten Bühne des Sports nicht präsentieren. Das war ein Skandal", wird auch Bauer mehr als deutlich.

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Die olympische Disziplin Skispringen: Übersicht.

In Woche zwei gibt es weitere Medaillenchancen

Bei aller Enttäuschung haben die deutschen Skispringer aber natürlich noch weitere Medaillenchancen. Am 12. Februar geht es weiter mit den Entscheidungen auf der Großschanze (alle Entscheidungen bei uns im Liveticker). Neben dem Einzel wartet der Team-Wettbewerb auf die Männer.

Quellen:
  • dpa
  • afp
  • Instagramseiten von Katharina Althaus und Karl Geiger
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