• Der Fall Kamila Walijewa beschäftigt auch IOC-Präsident Thomas Bach nachhaltig.
  • Bach zeigte sich erschrocken über die "enorme Kälte" von Walijewas Entourage nach ihrer verpatzten Kür und kritisiert diese deutlich.
  • Walijewa selbst will derweil mithilfe einer Doping-Probe ihre Unschuld beweisen.

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IOC-Präsident Thomas Bach hat Mitgefühl für Kamila Walijewa nach deren bitterem Olympia-Finale geäußert und das Umfeld mit der Trainerin der russischen Eiskunstläuferin scharf kritisiert. "Als ich gesehen habe, wie sie von ihrem Umfeld empfangen wurde, mit etwas, was mir wie eine enorme Kälte vorkam - mir lief es kalt über den Rücken, zu sehen, was da geschah", berichtete Bach am Freitag. "Statt sie zu trösten, statt ihr zu helfen, nachdem was geschehen war, konnte man spüren wie eiskalt die Atmosphäre war. Solch eine Distanz zu erleben, wenn man sich nur die Körpersprache dieser Person angeschaut hat, hat sich das nur noch in der Vorstellung verschlimmert."

Nach dem tagelangen Doping-Wirbel und einer Führung aus dem Kurzprogramm hatte Gold-Favoritin Kamila Walijewa am Donnerstagabend mehrere Fehler in ihrer Kür gemacht und war Vierte geworden. Von ihrer Trainerin Eteri Tutberidse erhielt die 15-Jährige daraufhin keinen Trost, sondern harsche und verstörende Worte.

Eteri Tutberidze redet auf die den Tränen nahe Kamila Walijewa ein

Der Umgang mit der 15-jährigen Eiskunstlauf-Europameisterin Kamila Walijewa löst weltweit Entsetzen aus. Im Kreufeuer der Kritik steht eine herzlos wirkende Trainerin namens Eteri Tutberidze. Walijewa verpasst nach einer fehlerhaften Kür und unter Doping-Verdacht stehend das olympische Podium. Tutberidze nimmt sie in Empfang. (Teaserbild: EPA-EFE/How Hwee Young) © Eurosport

Bach: "Sehr enttäuscht und verstört"

Er sei "sehr enttäuscht und verstört" gewesen, als er die Eiskunstlauf-Kür im Fernsehen verfolgt habe, berichtete Bach und sprach von einer "herablassenden Geste". "Kann man denn so gefühlskalt sein gegenüber den eigenen Sportlern?" Er habe sich seine Gedanken gemacht, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. "Alles das vermittelt bei mir kein besonderes Vertrauen in dieses Umfeld von Kamila - weder in Bezug auf die Situation, die in der Vergangenheit sich abgespielt hat, noch die Zukunft."

Bach stellte die Frage, wie man mit minderjährigen Athleten im Alter von 15 Jahren zukünftig umgehen werde und sprach die Situation von Walijewa noch einmal konkret an. "Ich kann mir für sie nur wünschen, dass sie die Unterstützung bekommt, die Unterstützung ihrer Familie, die Unterstützung von Freunden und schlussendlich von Menschen, die ihr helfen, diese enorm schwierige Situation hinter sich zu lassen."

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Katarina Witt leidet mit Kamila Walijewa: "Irgendeine Mama hätte sie rausnehmen müssen"

Einem mit Mikaela Shiffrin und Daniela Maier bereits beispiellos emotionalen Olympia-Tag setzt die verpatzte Kür der Kamila Walijewa die Krone auf. Die Welt schaut entsetzt auf das, was mit der 15-Jährigen auf und neben dem Eis passiert. Die frühere Olympiasiegerin Katarina Witt kann sich nicht beruhigen.

Pressestimmen: "War es das alles wirklich wert?"

Walijewas verpatzter Auftritt in der Kür und ihr vierter Platz nach der Doping-Affäre schlug auch international hohe Wellen. Während die russische Zeitung "Sport Express" Walijewa als "Heldin" bezeichnete, schlugen die meisten anderen Medien in eine ähnliche - ganz anders geartete - Kerbe. Die "Washington Post" schrieb: "Kamila Walijewas Qual wird das traurige Vermächtnis der Peking-Spiele sein. Diese werden für immer das Olympia sein, die eine 15-Jährige gequält haben."

Der britische "Guardian" fragte: "War es das alles wirklich wert? Die Verhandlungen und der weltweite Aufruhr der vergangenen Woche gingen weit über das hinaus, was eine 15-Jährige ertragen sollte." Und die französische "L'Equipe" wurde ebenfalls deutlich: "Das ist es also. Ein Zusammenbruch vor der ganzen Welt. (...) Ein Sturz, dann zwei. Das Gefühl, dass vier Minuten zu lang sind."

Walijewa will ihre Unschuld beweisen

Walijewa selbst will derweil mit einer B-Probe ihre Unschuld beweisen. Die 15-Jährige werde die Untersuchung der B-Probe beantragen, da unter anderem ein technischer Fehler des Stockholmer Anti-Doping-Labors bei der Analyse ihres Dopingtests vorgelegen haben könne, erklärten Walijewas Anwälte. Dies geht aus der 41-seitigen Urteilsbegründung für das Eilverfahren in dem Fall hervor, die der Internationale Sportgerichtshof Cas am Donnerstagabend veröffentlichte.

In ihrer Verteidigung verwiesen Walijewas Rechtsbeistände auf die "extrem niedrige Konzentration" des gemäß Anti-Doping-Regeln verbotenen Herzmittels Trimetazidin, das in der A-Probe nachgewiesen worden war. Bei Dopingkontrollen geben Athleten Urin ab, der zu zwei Dritteln in eine A-Probenflasche gefüllt wird. Der Rest bildet die B-Probe.

Detailliert ist in dem Urteil der Versuch der Anwälte nachzulesen, den positiven Test mit dem Kontakt Walijewas zu ihrem herzkranken Großvater zu begründen. Dabei sei die verbotene Substanz durch eine Verunreinigung unabsichtlich in den Körper der Athletin gekommen.

Walijewas Opa habe sie oft zum Training gefahren und viel Zeit mit ihr verbracht. Nach einer Herztransplantation nehme er regelmäßig Trimetazidin ein und trage die Medizin meist bei sich. Als Beweismittel diente auch ein Video, das den Großvater in seinem Auto mit einer Packung des Medikaments zeigen soll.

Der positive Dopingtest Walijewas vom 25. Dezember war erst während der Winterspiele in Peking bekannt geworden. Die Cas-Richter erlaubten ihr dennoch mit Blick auf ihren Status als Minderjährige und das nicht abgeschlossene Dopingverfahren einen Start im olympischen Damen-Einzel. (ska/dpa)  © dpa

Kamila Walijewa hält den Druck des Gewinnenmüssens nicht aus

Kamila Walijewa geht als große Anwärterin auf eine olympische Goldmedaille im Eiskunstlauf-Einzel in ihre Kür. Doch die 15-Jährige, auf der der Vorwurf lastet, gedopt zu haben, bricht unter der Last der Erwartungen auf dem Eis in Peking zusammen. (Teaserbild: picture alliance/dpa/Peter Kneffel) © Eurosport
Teaserbild: © dpa / Peter Kneffel/dpa