Wengen (dpa) - Als Botschafter fürs Skifahren ist Thomas Dreßen der logische Nachfolger von Felix Neureuther.

Wie Deutschlands bester - und derzeit verletzter - Skirennfahrer vermittelt auch der 24-jährige Dreßen mit seiner offenen Art, dem bayerischen Dialekt und den spontanen Aussagen eine glaubwürdige Lust und Freude an seinem Sport. "Vor der Kulisse zu fahren, das ist einfach nur noch geil", schwärmte Dreßen nach Rang fünf bei der legendären Lauberhorn-Abfahrt in Wengen, mit dem er seine anhaltend starke Form vor den Olympischen Winterspielen in Südkorea erneut bestätigte. Voller Selbstvertrauen kann er nun zu den Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel am kommenden Wochenende reisen.

"Kitzbühel ist das Rennen neben Olympia in dem Jahr", sagte Dreßen zur nächsten Herausforderung auf der Streif. Es sei der "Traum jedes Abfahrers, da mal vorne mitzufahren". Das aber, betonte er, erwarte er in diesem Jahr noch nicht: "Da braucht es viel Erfahrung."

Wie groß das Potenzial und damit verbunden auch die Erwartungshaltung an den Bayern inzwischen ist, zeigte die Reaktion von Bundestrainer Mathias Berthold. Wegen eines Fehlers ganz am Ende auf der mit 4270 Meter längsten Weltcup-Abfahrt der Welt schüttelte Berthold den Kopf nach Dreßens Zieleinfahrt in Wengen - dabei reichte die Leistung am Ende zum zweitbesten Ergebnis seiner Weltcup-Karriere. Wenn jemand im Herren-Team der Alpinen in Pyeongchang nach den Kreuzbandrissen von Neureuther und Stefan Luitz das Zeug für eine Medaille hat, dann ist es Dreßen.

"Das Ziel-S wurmt mich ein bisschen, aber das Problem war, dass ich da schon ein bisschen blau war. Da hatte ich nicht mehr die Kraft, das zu fahren wie im Training", berichtete Dreßen nach dem Kraftakt im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland.

Geschlagen geben musste er sich Gewinner Beat Feuz aus der Schweiz, Aksel Lund Svindal aus Norwegen, Olympiasieger Matthias Mayer aus Österreich und dessen Teamkollegen Hannes Reichelt - allesamt anerkannte Größen unter den Abfahrern.

Dreßen ist in seiner zweiten vollen Weltcup-Saison inzwischen wie selbstverständlich ein Herausforderer für die Besten der Welt. Bei seinem dritten Platz in Beaver Creek Anfang Dezember war er das erste Mal zu einem Podestplatz gerast. "Wenn wir nicht ein so gutes Team wären, würde nicht so viel weitergehen", betonte Dreßen den Anteil seiner Kollegen und Trainer. "Der Mathias ist für mich sehr wichtig, nicht nur als Trainer sondern auch als Mensch", berichtete er vor der Abreise gen Kitzbühel. "Ich bin heilfroh, dass wir ihn bei uns in der Mannschaft haben, auch den Schwaiger Christian."

Schwaiger ist der verantwortliche Coach für die Speedfahrer und konnte außer mit Dreßen in Wengen vor allem mit Manuel Schmid zufrieden sein. Mit Rang 24 sammelte der zum zweiten Mal nach Rang 16 in Gröden Weltcup-Punkte. Um die nationale Norm für die Olympia-Teilnahme zu erfüllen, braucht er aber in Kitzbühel zwei Top-15-Resultate oder einen achten Platz. Andreas Sander und Josef Ferstl gelang dagegen kein gutes Rennen. Sander wurde 29., Ferstl kam auf Rang 46.© dpa