• Biathlet Erik Lesser hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage seinen Instagram-Account abgegeben.
  • Er stellte ihn dem ukrainischen Tennisprofi Sergej Stachowski zur Verfügung.
  • Mit dieser Aktion möchte Lesser seine russischen Follower über den Ukraine-Krieg aufklären.

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Beschädigte Gebäude, herumliegende Trümmer, aufgestellte Barrikaden: Ex-Weltmeister Erik Lesser zeigt auf seinem Instagram-Account mit knapp 160.000 Followern erneut aktuelle Bilder vom Krieg in der Ukraine. Der Biathlet hat das Ruder dabei nicht selbst in der Hand, sondern hat die Steuerung dem ukrainischen Tennisprofi Sergej Stachowski übergeben.

"Das ist mein Kiew. Wie ihr seht, sind dies keine Militärgebäude. Hier töten russische Raketen Zivilisten", schreibt der 36-Jährige zu den Bildern und verlangt: "Bringt eure Soldaten nach Hause."

Stachowski hatte vor wenigen Wochen noch bei den Australian Open gespielt, reiste nach der Invasion aber in sein Heimatland und engagiert sich nun in Kiew. Lesser will seine Reichweite nutzen, "damit in Russland mehr Leute wirkliche Nachrichten bekommen".

Erik Lessers Ziel: Mehr Aufklärung im Ukraine-Krieg

Es ist bereits das zweite Mal, dass Lesser seinen Instagram-Account zur Verfügung stellt. Am Wochenende überließ er seiner ukrainischen Biathlon-Kollegin Anastassija Merkuschina für 24 Stunden seinen Kanal. Dadurch erhofft er sich mehr Aufklärung im Ukraine-Krieg.

"Ich habe 30.000 Follower aus Russland auf Instagram, und ich glaube, der russischen Bevölkerung ist nicht ganz klar, was in der Ukraine wirklich abgeht", sagte Lesser am Samstag im ZDF angesichts von viel Desinformation. "Ich habe gedacht, wenn ich jetzt irgendwas poste, das glaubt mir doch kein Mensch. Wenn ich aber einen Ukrainer dazu bewege, dann ist das doch was ganz Ordentliches."

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Und so postete Merkuschina nach der Invasion Russlands in ihr Heimatland am Samstag Fotos aus dem Kriegsgebiet. Zu sehen waren die Zerstörung und das Leid der Menschen. "Ich möchte ihnen den Krieg mit meinen eigenen Augen zeigen. In Zeiten von Informationskriegen ist es schwer, die Wahrheit zu finden, also habe ich meine Freunde gebeten, mir Bilder zu schicken, die sie gemacht haben", schrieb Merkuschina.

Anastassija Merkuschina appelliert an russische Sportler

Die 27-Jährige, die schon vier WM-Medaillen gewonnen hat, appellierte auch an die russischen Sportler, die sich bisher nicht zum Krieg geäußert oder sich über die Ausschlüsse von Wettkämpfen beschwert haben.

"Ihr seid empört über das Startverbot, aber wie könnt ihr an Wettkämpfen teilnehmen, wenn euer Land unseren Verwandten und Freunden Maschinengewehre an den Kopf hält?", schrieb Merkuschina. "Ihr wisst genau, was passiert, und euer Schweigen kostet Dutzende von Menschenleben. Ukrainische Athleten greifen zu den Waffen, um ihr Land zu verteidigen - und ihr habt Angst vor der Wahrheit."

Lesser hatte am Samstag noch gut 117.000 Follower bei Instagram, am Sonntag waren es bereits 137.000. Wegen einer Hilfsaktion für seinen russischen Kollegen Eduard Latypow im Januar folgten ihm rund 30.000 Fans aus dem größten Land der Erde. Aber nach seinen Solidaritätsaktionen seien ihm nun ein Drittel der Russen entfolgt, von einigen bekam er negative Kommentare.

So solle er keine Fake News verbreiten, hieß es unter anderem. Er dankte den russischen Fans, die ihm dennoch weiter folgen. "Ihr seid der stille Widerstand. Versucht Euer Bestes, um gehört zu werden", schrieb er am Sonntag. (ff/dpa)

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