Felix Neureuther wird 35: Das Talent lag ihm in der Wiege

Das Weltcup-Finale in Andorra war nach 16 Jahren aktiver Karriere Felix Neureuthers Abschieds-Vorstellung. Der 17. März 2019 stellt nicht nur für den deutschen Skisport eine Zäsur dar. Sympathieträger Neureuther wird allen deutschen Sport-Fans fehlen. Als Sohn der Ski-Asse Christian Neureuther und Rosi Mittermaier war Felix' große Karriere auf Schnee quasi vorbestimmt.

Sein Talent für den Skisport bekam Felix Neureuther von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Mama Rosi, links, machte die Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck zum Höhe- und Endpunkt ihrer Laufbahn. Damals holte sie zwei Mal Gold (in Abfahrt und Slalom) und ein Mal Silber (im Riesenslalom). Papa Christian, damals "nur" Rosis Freund, war ein sehr guter Slalomfahrer. 1976 wurde er Olympia-Fünfter.
Christian Neureuther schrieb mit seinem Slalomsieg am legendären Hahnenkamm in Kitzbühel 1979 Geschichte. Er war erst der dritte Sieger des seit 1931 ausgetragenen Rennens, der aus Deutschland kam.
Und der fünfte war wieder ein Neureuther, Christians Sohn Felix: Am 24. Januar 2010 ist Christian, links, der erste Gratulant. Zehn Jahre nach Christian Neureuther hatte Armin Bittner am Ganslernhang in Kitzbühel triumphiert.
Die Freude über Felix' Sieg, seinen ersten überhaupt im alpinen Weltcup, war riesengroß. Felix Neureuther wiederholte ihn vier Jahre später, 2014.
Sohnemann Felix schlug 2010 auch daheim in Garmisch-Partenkirchen zu. Es war sein zweiter Sieg in einem Weltcup-Slalom.
Bei der abendlichen Siegerehrung ließ sich Neureuther neben seinen geschlagenen Kollegen Manfred Pranger, links, und André Myhrer auch für seinen neuen Look feiern. Das Rennen hatte Felix Neureuther gewonnen, die damit zusammenhängende Wette gleichzeitig aber verloren. Ein paar Haare mussten dran glauben.
Garmisch, Neureuthers Heimatgemeinde, ist für ihn aber auch mit einer der größten sportlichen Enttäuschungen seiner Laufbahn verbunden. Zur WM 2011 galt Neureuther als einer der Hoffnungsträger, sollte in seiner Spezialdisziplin, dem Slalom, mindestens eine Medaille holen, wenn's geht, die goldene.
Dem immensen Erwartungsdruck aber, dem sich Neureuther nicht zuletzt selbst aussetzte, hielt er am 20. Februar 2011 am berühmten Gudiberg nicht stand. Neureuthers Aufholjagd endete in einem Fahrfehler. Enttäuscht wedelte er den Hang hinab in den Zielraum.
Ganz anders das Bild beim Heim-Auftritt zu Neujahr 2013 in München: Siege über Marcel Hirscher, schon, weil selten, schmeckten immer besonders süß. Neureuther feierte im Olympiapark mit einem grandiosen Finalerfolg über den österreichischen Ski-Giganten den perfekten Start ins Jahr 2013.
Das zuschauerfreundliche Format Parallelslalom war längst aus Nordamerika nach Europa herübergeschwappt und fand sogar Eingang in den Weltcup-Kalender. Im Rennen Mann gegen Mann waren Fehler verboten. Jeder konnte aufgrund des K.-o.-Systems der letzte sein.
Bastian Schweinsteiger fiel angesichts der Leistung seines Kumpels während der Siegerehrung sogar auf die Knie. Schweinsteiger, der Weltmeister und einer der besten Fußballer des Planeten wurde, hatte sich in der Jugend mit Neureuther auf den Pisten duelliert und angefreundet, entschied sich letztlich aber für eine Karriere mit dem Ball.
Im Monat darauf, bei der WM, kurvte Neureuther in Schladming, auf einer seiner Lieblingsstrecken, der ekstatischen Menge im Zielraum entgegen und holte Silber, seine erste Medaille bei einer WM.
Strahlend und die Faust ballend machte sich Neureuther anschließend an der Seite einer WM-Hostess auf den Weg zur Siegerehrung.
Neureuther war auch ein sehr guter Riesenslalom-Fahrer. Davon zeugen seine Plätze sechs, fünf, acht, sieben und vier in den Weltcup-Wertungen in dieser Disziplin zwischen 2013 und 2017. Dann stoppte Neureuther ein Kreuzbandriss. Am 11. Januar 2014 gewann Neureuther, im Bild, mit Adelboden den schwierigsten und insofern angesehensten Riesenslalom, den der Ski-Weltcup zu bieten hat.
Auch Wengen liegt in der Schweiz, und auch in Wengen steht Felix Neureuthers Name in den Siegerlisten. Ein Jahr nach Adelboden, am 17. Januar 2015, triumphierte Neureuther in Wengen, wo es im Jahr zuvor für ihn, acht Tage nach dem Sieg in Adelboden, nur zu Platz zwei gereicht hatte.
Auf die Enttäuschung bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen 2011, ließ Neureuther bei der WM 2015 in Vail/Beaver Creek schon die zweite WM-Medaille nacheinander folgen. Diesmal war sie aus Bronze.
Gleiche Ausbeute bei der Alpinen Ski-WM 2017 in Sankt Moritz. Neureuther war im Ziel zu Tränen gerührt, weil er es mit der fünftbesten Laufzeit im zweiten Durchgang von Rang acht kommend noch auf den Bronzeplatz schaffte. Es war Neureuthers fünfte und letzte Medaille bei einer WM. Drei davon gewann er im Slalom, zwei mit dem Team.
Schöner konnte das Wetter an jenem 19. Februar 2017, als die Österreicher durch Marcel Hirscher und Manuel Feller einen Doppelsieg feierten, nicht sein. Neureuther kompensierte mit der Slalom-Medaille auch den enttäuschenden 16. Platz im Riesenslalom.
Im gleichen Jahr, zu Beginn der neuen Saison, ließ Neureuther in Levi alle Kollegen hinter sich und hatte sichtlich tierische Freude daran. Es war sein 13. und letzter Sieg in einem Weltcuprennen, der elfte in einem Slalom.
Mit einem der besten Läufe seiner letzten Saison verabschiedete sich Neureuther am 29. Januar 2019 von Schladming, wo ihn auch die Österreicher stets bejubelten und er es in seiner Weltcup-Karriere drei Mal aufs Podium schaffte. Neureuther, der in seinem letzten Rennen in Schladming auf Platz acht landete, genießt nicht zuletzt wegen seiner jahrelangen Zweikämpfe mit Marcel Hirscher im Nachbarland großen Respekt.