Das brutalste Ski-Rennen der Welt: So gnadenlos ist die Streif

Kommentare37

Wer auf der vermeintlich härtesten Abfahrt, die der Ski-Weltcup zu bieten hat, zu Sturz kommt, muss damit rechnen, nie wieder auf Skiern zu stehen. Wir zeigen die prominentesten Opfer der letzten Jahrzehnte.

Am 11. Januar 1985 stürzt Klaus Gattermann an der Hausbergkante schwer. Das Rennen wird für eine halbe Stunde unterbrochen. Gattermann kommt mit einer Gehirnerschütterung und einem gebrochenen Nasenbein vergleichsweise glimpflich davon und bleibt bis 1989 aktiv.
Zwei Jahre nach Gattermann legt der Kanadier Todd Brooker (hier im Jahr 1983 auf der Streif) im Zielhang von Kitzbühel einen Horror-Sturz hin, der seine Karriere beendet. Der Siebte der Abfahrts-Weltcup-Wertung von 1985 verletzt sich sein vorgeschädigtes Knie schwer. Zwei Jahre darauf zerreißt sich Brookers Landsmann Brian Stemmle das Becken und stirbt beinahe. Seine Skispitze war im Fangnetz hängengeblieben. Anschließend werden abweisende Planen Standard.
Ein Trümmerbruch im Hals des rechten Oberschenkels, gepaart mit einer Absplitterung an der Hüftpfanne, beendet am 21. Januar 1999 die glanzvolle Karriere Patrick Ortliebs. Dem österreichischen Olympiasieger (1992) und Weltmeister (1996) in der Abfahrt wird ein Training in Kitzbühel zum Verhängnis.
Im Krankenhaus kann Patrick Ortlieb allerdings sehr schnell wieder lachen. 20 Jahre später fährt seine Tochter Nina im Weltcup für Österreich.
Der Österreicher Thomas Graggaber erleidet bei einem Trainingssturz im Jahr 2005 Serienrippenbrüche und schwere Verletzungen an Schulter und Lunge. Auch er muss mit dem Leistungssport aufhören.
Ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag, dem 19. Januar 2008, stürzt der US-Amerikaner beim Zielsprung in Kitzbühel ebenso spektakulär wie schwer - und bleibt regungslos liegen. Er zieht sich ein Schädel-Hirn-Trauma zu und wird für einen Tag ins künstliche Koma versetzt. Wenige Tage später darf Macartney, hier im Training vier Tage vor dem Unfall, das Krankenhaus wieder verlassen.
Scott Macartney, hier im Rennen am 19. Januar 2008, ist bei seinem Sturz vor dem Ziel 141,2 Kilometer pro Stunde schnell. 2010 verabschiedet er sich aus dem Weltcup-Zirkus.
Der Österreicher Andreas Buder zieht sich bei einem Trainings-Sturz am 16. Januar 2008 unter anderem einen Bruch des rechten Schienbeinkopfes zu und muss sechs Monate pausieren. Buder erholt sich von seinem Sturz auf der Streif nie mehr richtig. Zwei Comebacks scheitern. Am 18. Januar 2011 tritt Buder zurück.
Den Österreicher Hans Grugger am 20. Januar 2011 ebenfalls im Training. Der damals 29-Jährige verliert in der Mausefalle in der Luft die Kontrolle, schlägt bei der Landung mit dem Kopf auf und verliert sofort das Bewusstsein. Er erleidet schwere Kopfverletzungen und eine Brustverletzung und muss notoperiert werden.
Auch für Grugger bedeuten die Spätfolgen des Abwurfs von der Streif das Ende seiner Laufbahn. Grugger gibt es am 24. April 2012 bekannt.
Der Südtiroler Siegmar Klotz (hier beim Abtransport) erleidet am 22. Januar 2011 - beim Rennen, an dem Hans Grugger nicht mehr teilnimmt - einen Bruch am linken Handgelenk, eine Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen. 2013 wird Klotz Zehnter des Super-G in Kitzbühel. Am 26. März 2016 tritt er zurück, taucht aber im gleichen Jahr bei den Skicrossern - 2018 sogar bei Olympia in Pyeongchang - wieder auf.
Klotz' italienischer Landsmann Peter Fill - hier am 23. Januar im Training zur Streif-Auflage im Jahr 2013 - verfängt sich am 26. Januar 2013 in der Plane nach dem Steilhang. Fill aber bleibt praktisch unverletzt. Drei Jahre später trägt sich der 33-Jährige erstmals in die Siegerliste des Hahnenkammrennens ein.
Österreichs Routinier Hannes Reichelt, 2014 Sieger auf der Streif, fliegt am 23. Januar 2016 ab. Gut sichtbar, dass sich sein Airbag bereits schützend aufgeblasen hat.
Mit einer Knochenstauchung und einer Knieprellung kommt Reichelt, der zwei Jahre davor wegen eines Bandscheibenvorfalls pausieren musste, vergleichsweise glimpflich davon.
An jenem unglückseligen Samstag stürzt auch der Österreicher Georg Streitberger nach dem Sprung über die Hausbergkante kurz vor der Traverse. Streitberger erleidet einen Kreuzbandriss und einen Riss des Außenmeniskus. Doch das ist noch nicht das Ende eines legendären Sturzfestivals.
Auch Norwegens Star und Sieg-Anwärter Aksel Lund Svindal verreißt es in der Kompression nach der Hausbergkante am 23. Januar 2016 die Skier.
Svindal reißt sich - wie Streitberger - das vordere Kreuzband und den Meniskus im rechten Knie. Am 2. Dezember 2016, keine elf Monate nach dem Sturz in Kitzbühel, kehrt Svindal in Val d'Isère mit einem zweiten Rang im Super-G in den Weltcup zurück.
Im Training zur Abfahrt von 2017 kommen erneut einige Fahrer brutal zu Sturz. Für einen besonderen Schockmoment sorgt der US-Amerikaner Andrew Weibrecht, immerhin Zweiter des Super-G in Kitzbühel 2016. Im Jahr danach wirft die Piste Weibrecht ab. Der 30-Jährige knallt ungebremst in die Fangnetze, bleibt zum Glück aber unverletzt.