"Ich kann meine Zehen bewegen": Skispringer Lukas Müller berichtet über seine erfreulichen Fortschritte. Vor knapp sechs Wochen war der 23-Jährige schwer gestürzt und ist seither gelähmt.

"Mir geht es nicht so schlecht, wie ihr vielleicht glaubt": Stark, kämpferisch, dankbar und nicht zuletzt humorvoll hat der österreichische Skispringer Lukas Müller am Dienstagvormittag im Universitätsklinikum Graz Fragen von Journalisten beantwortet. Der 23-Jährige war am 13. Jänner beim Training am Kulm gestürzt und ist seitdem querschnittsgelähmt.

"Die Rettungskette war gut", erklärte Chirurg Franz-Josef Seibert, "Lukas Müller konnte die Beine nicht bewegen, aber er spürt Berührungen an den unteren Extremitäten - daher gilt es als inkomplette Lähmung. Der sechste und siebte Halswirbel waren verdreht, das brachten wir wieder an die richtige Stelle und fixierten es", zitiert Krone.at Seibert.

Seit dem 20. Behandlungstag habe Müller die Zehen bewegen können. Durch einen "experimentellen Heilversuch" mit der sogenannten hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) mache Müller erfreuliche Fortschritte, so die Ärzte.

Seibert und seine Kollegen sprachen von einem "sehr guten Heilungsverlauf". Müller sei ein äußerst kooperativer Patient. Dass er nach dem Stur selbständig atmen konnte, sei erfreulich gewesen. Die Muskulatur unterhalb des geschädigten Rückenmarks könne aber nicht mehr aktiviert werden.

Er trägt sein schweres Schicksal mit Bravour: Der am Kulm schwer gestürzte österreichische Skispringer Lukas Müller hat sich erstmals zu seiner Lähmung geäußert.

Lukas Müller erkannte Schwere des Unfalls sofort

Müller bedankte sich "dass sich alle so zivilisiert verhalten haben und ich mich so gut auf die Genesung konzentrieren konnte." Er könne sich an alles erinnern und habe sofort nach dem Aufprall gewusst, dass es sich um eine schlimmere Verletzung handelt. "Die Luft war nicht weg, was bedeutete, dass die ganze Kraft des Aufpralls woanders hingewirkt hatte: auf die Halswirbelsäule." Er habe versucht, Gesicht und Kopf zu schützen "und möglichst am Rücken zu fallen. Mit mäßigem Erfolg...", so Müller.

Gespräche mit Schicksalsgefährtin machen gelähmtem Sportler Mut.

Das Training in der Druckkammer sei sehr effektiv, sagte der Kärntner. Von Tag zu Tag schaffe er mehr und könne sich inzwischen selbst aufsetzen und in den Rollstuhl hieven.

Auch die Arbeit mit einer Psychologin habe ihm geholfen: "Sie hat aber auch gleich gemerkt, dass ich im Kopf sehr stark bin, weil ich auf die Ressourcen aus 20 Jahren Sport zurückgreifen kann." Es sei "genial", wie viel inzwischen weitergeht. "Irgendwann beim Mittagessen habe ich plötzlich meine Zehe wieder gespürt, das war unglaublich", erinnerte sich Müller.

Eines Tages wieder zu springen - das sei momentan wohl noch "utopisch", aber: "Wenn ich je wieder die Möglichkeit hätte zu springen, würde ich es machen", zeigte sich Müller kämpferisch. Vor allem wolle er aber wieder auf die Beine kommen.

"Will nicht, dass ihr euch Sorgen macht"

"Mir geht es nicht so schlecht wie ihr vielleicht glaubt. Ich will nicht, dass ihr euch unendliche Sorgen macht. Ich habe eine tolle Betreuung gehabt", betonte Müller. Auch die Krämpfe, die er jeden Tag habe "plagen mich nicht allzu sehr".

Müller wird am Mittwoch in die Reha-Station nach Bad Häring verlegt, wo auch Kira Grünberg behandelt wird. "Ich bin ich sehr zuversichtlich, dass es mit den verschiedenen Beinfunktionen bergauf gehen wird", zitiert die "Krone" Lukas Müller. Die Kraft, die er aus dem vielen Zuspruch schöpfe, wolle er voll und ganz in die Reha stecken.

Auf die Frage, was ihn glücklich mache, sagte Müller: "Wenn meine Kollegen gut hüpfen! Seit dem Kulm springen alle wieder viel besser. Glücklich macht es mich auch, wenn ich meine Muskeln bewegen kann." (af)