Ein Vergleich mit Harry Potter und zwei Olympiasiege in Salt Lake City haben Simon Ammann 2002 weltberühmt gemacht. Mehr als 15 Jahre später ist der Schweizer ein alter Haudegen im Skisprung-Zirkus – auch bei der Vierschanzentournee will Ammann angreifen.

Die an diesem Samstag in Oberstdorf beginnende Vierschanzentournee ist für Simon Ammann bereits die Zwanzigste – ans Aufhören denkt der viermalige Olympiasieger allerdings noch nicht. Er sei wie "ein Dinosaurier", sagte der 36-Jährige jüngst der "Welt am Sonntag".

Vor genau 20 Jahren debütierte der einst bubenhafte "Simmi" im Weltcup, ein 15. Platz zum Tournee-Auftakt bescherte ihm sofort das Olympia-Ticket nach Nagano. Der Grad zwischen Weltklasse und Durchschnitt ist auf der Schanze schmal, kaum einer weiß das so gut wie Ammann. "Ich hatte schon x-mal die Situation", beschreibt der zweimalige Familienvater die vielen Aufs und Abs in seiner Karriere. "Es kann immer viel passieren, es geht immer schnell im Skispringen."

Ammann blickt auf große Karriere zurück

Darauf hofft nun auch Ammann, der in diesem Winter noch gar nicht unter die besten Zehn gesprungen ist. "Vor einem Jahr hatte ich noch 30 Punkte Rückstand auf die Besten, jetzt sind es nur noch 15", bilanzierte er vor knapp zwei Wochen nach dem Heimspiel in Engelberg, das zugleich Generalprobe für die Traditionsveranstaltung in Deutschland und Österreich war.

Vor knapp drei Jahren stürzte Ammann in Bischofshofen schwer. Der Routinier versuchte, die Telemark-Landung fortan mit dem rechten Bein aufzufangen, weil er das Vertrauen in sein schwächeres linkes Bein verloren hatte. "Im unteren Bereich hoffe ich schon, dass ich mich noch steigern kann. Aber ich habe mich stabilisiert", sagte er zu seinen jüngsten Fortschritten. Das zeigen auch seine Noten, die sich in diesem Winter meist im Bereich von 18 Punkten pro Wertungsrichter einpendeln.

Ammann will an Aufwärtstrend weiter arbeiten

Ammann hat in seiner Karriere beinahe alles gewonnen – nur der goldene Adler des Gesamtsiegers bei der Vierschanzentournee fehlt ihm. Dass sich das noch ändert, erscheint unwahrscheinlich. Der beste Schweizer zählt derzeit nicht mehr zur absoluten Weltelite.

"Ich möchte gerne in den Favoritenkreis vorstoßen. Erweiterter Favoritenkreis ist auch schon gut", sagte Ammann, auch im Hinblick auf Olympia, wo er schon 2002 und 2010 in Vancouver mit je zwei Goldmedaillen zum strahlenden Sieger wurde.

Auch im Gesamtweltcup, bei der Skiflug-WM und bei der normalen Weltmeisterschaft stand der passionierte Bergsteiger, der in seiner Freizeit gerne mit dem Fallschirm springt, als Solist schon ganz oben. "Ich glaube nicht, dass sich die Geschichte wiederholt", sagt er rund zwei Monate vor den olympischen Entscheidungen in Pyeongchang.

Ammann spricht immer wieder vom "roten Faden", zu dem er finden muss. In Engelberg gelang ihm das, die Plätze 14 und 11 zeugten von einem Aufschwung. "Wichtig ist, dass ich an diesem Aufwärtstrend weiter arbeiten kann", sagt der 36-Jährige. Als er im Dezember 1997 debütierte, gewann Kazuyoshi Funaki in Oberstdorf und bei der Tournee. Damalige Rivalen wie Stefan Horngacher oder Dieter Thoma sind keine Gegner mehr, sondern analysieren Ammann in ihren jeweiligen Funktionen schon jahrelang als Nationaltrainer oder als TV-Experte.

Eisschnelllauf, Curling und Skispringen - bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea treffen Spitzensportler in verschiedenen Wintersportarten aufeinander. Packende Wettkämpfe und knappe Entscheidungen sind da garantiert. Damit Sie keine Medaillenentscheidung verpassen, finden Sie hier den offiziellen Zeitplan für Olympia 2018.


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