COVID-19: Diese humanitären Krisen dürfen 2021 nicht vergessen werden

Im Jahr 2020 stand die Corona-Pandemie im Zentrum der Weltöffentlichkeit und ließ kaum Nachrichten über andere Katastrophen zu. Doch auch 2020 gab es Konflikte und Naturkatastrophen, die das Leben von Millionen Kindern geprägt haben. Die Corona-Pandemie hat die Situation für ihre Familien noch weiter verschärft.

Jemen bleibt der weltweit größte humanitäre Einsatz: 80 Prozent der Bevölkerung, 24 Millionen Menschen, sind auf Hilfe angewiesen. Nach fast sechs Jahren Bürgerkrieg leben manche Familien unter Bedingungen, die einer Hungersnot gleichen. Rund 2,1 Millionen Kinder sind mangelernährt. Etwa 358.000 von ihnen leiden so starken Hunger, dass sie ohne Hilfe nicht überleben werden.
Über die Zerstörung durch die Wirbelstürme Idai und Kenneth in Mosambik wurde im Jahr 2019 viel berichtet. Weit weniger bekannt ist der Konflikt, der in der nördlichen Provinz Cabo Delgado herrscht – und der 2020 eskalierte. Wo Wirbelsturm Kenneth Häuser und Straßen verwüstete, mussten rund 530.000 Menschen, etwa die Hälfte davon Kinder, fliehen.
Seit zehn Jahren tobt ein Krieg in Syrien. Für viele Kinder sind Bombenangriffe, das Ausharren im Flüchtlingslager und der Verlust von Familienmitgliedern Normalität. Der Syrienkrieg hat die größte Flüchtlingskrise der Welt ausgelöst: Rund 5,6 Millionen Menschen, darunter 2,5 Millionen Kinder, mussten ihr Heimatland verlassen. In Syrien selbst sind rund sechs Millionen Menschen auf der Flucht.
Im Herbst sind in der Region Tigray im Norden Äthiopiens Kämpfe entbrannt. Rund 2,3 Millionen Kinder sind mitten in den Gewalthandlungen von jeglicher Hilfe abgeschnitten, trotz eines Abkommens für humanitären Zugang. UNICEF und Partnerorganisationen konnten bereits erste Hilfsgüter verteilen, doch der Bedarf ist enorm. Mehr als 50.000 Menschen sind auf der Suche nach Schutz ins Nachbarland Sudan geflohen.
Zwischen Januar und August 2020 sind fast 50.000 Flüchtlinge und Migranten in Europa angekommen. Ein Viertel davon sind Kinder. Vor allem Kinder, die ohne Eltern fliehen, brauchen Schutz und Fürsorge. Als im September das Flüchtlingslager Moria in Griechenland abbrannte, war für kurze Zeit die Situation der geflüchteten und migrierten Menschen täglich präsent in unseren Wohnzimmern.
Jahrelanger Bürgerkrieg, chronische Armut, kaum soziale Dienste: Der Südsudan ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auch wenn es seit Frühjahr 2020 eine neue Übergangsregierung gibt, ist die Aussicht auf dauerhaften Frieden gering; die Gewalt nach wie vor hoch. Hinzu kommen schwere Überflutungen im Jahr 2020 und 2019, 2021 werden 1,4 Millionen Kinder mangelernährt sein. Gleichzeitig ist die Arbeit für humanitäre Helfer extrem gefährlich.
Aufgrund verschiedener Konfliktherde in der Demokratischen Republik Kongo mussten rund 5,2 Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen, darunter drei Millionen Kinder. Kinder im Kongo sind in ständiger Gefahr, verletzt, getötet oder als Soldaten zwangsrekrutiert zu werden. Zugleich brechen immer wieder verheerende Epidemien aus: Im Jahr 2020 gab es zwei voneinander unabhängige Ebola-Ausbrüche. Hinzu kommen Cholera, Masern und COVID-19.
Konflikte und Vertreibung, Krankheiten, Fluten und Dürren sind Realität für Millionen Kinder in der zentralen Sahelregion (Niger, Burkina Faso und Mali). Über eine Million Kinder wurden aufgrund der Gewalt gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen – das ist ein Anstieg von 64 Prozent seit 2019. "Die Länder des zentralen Sahel erleben einen toxischen Krisenmix aus Instabilität, bewaffneter Gewalt, extremer Armut, Hunger und nun auch COVID-19", erklärt UNICEF Exekutivdirektorin Henrietta H. Fore.
Nach sechs Jahren wirtschaftlichen Abschwungs verschlechtert sich die humanitäre Situation für viele Familien in Venezuela weiter drastisch. Die Corona-Pandemie hat die Situation weiter verschärft. Krankheiten wie Masern und Diphterie tauchen in der einstigen Wirtschaftsnation wieder vermehrt auf, Malaria und Tuberkulose sind auf dem Vormarsch. Bereits vor der Pandemie fielen Strom und Wasser regelmäßig aus, auch Benzin gab es selten.
Seit mehr als zehn Jahren überzieht die Terrorgruppierung Boko Haram das Tschadseebecken und Nigeria mit Gewalt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sind seit 2012 Hunderte Lehrer, Schüler und Studenten in Nigeria getötet oder verwundet worden. Der Konflikt schwappt mittlerweile auf die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger über - Regionen, die mit extremen klimatischen Bedingungen, Armut und Unterentwicklung ringen.
2017 flohen mehr als 750.000 Rohingya vor Gewalt, Diskriminierung und Verfolgung aus Myanmar. Zuflucht fanden sie in Bangladesch - und dort leben sie noch heute in überfüllten Flüchtlingscamps, der Großteil in der Gegend von Cox´s Bazar. Ende 2020 begann die Regierung von Bangladesch damit, Flüchtlinge auf eine knapp 40 Kilometer vom Festland entfernte Insel umzusiedeln. Insgesamt will sie mit dem umstrittenen Projekt 100.000 Rohingya auf die Insel umziehen.
2020 war nicht nur wegen der Corona-Pandemie ein herausforderndes Jahr: Es gab zudem so viele Extremwetterereignisse und Naturkatastrophen wie selten zuvor. Die Folgen des Klimawandels, die extreme Wetterereignisse verschärfen können, sind mittlerweile weltweit spürbar. 22 Taifune wirbelten durch den Pazifik, 30 Hurrikane wühlten den Atlantik auf. Und richteten Schäden in Milliardenhöhe an.