Ohne Wasser keine Heizung

Wasser ist lebenswichtig. Dennoch haben etwa 117 Millionen Menschen in Krisenländern keinen Zugang zu sicherem Wasser. Im Osten der Ukraine herrscht seit vier Jahren ein bewaffneter Konflikt, der 3,4 Millionen Menschen gefährdet. Die Wasserversorgung entlang der Kontaktlinie der Konfliktparteien ist sporadisch und wirft große Probleme auf.

Alexander und seine Frau Marina holen Trinkwasser aus einem Brunnen, während um sie herum Artilleriefeuer und Schüsse zu hören sind. Sie leben in Avdiivka, einer Stadt mit 35.000 Einwohnern, die direkt an der Kontaktlinie der Konfliktparteien liegt. Fließendes Wasser in den Wohnungen ist selten geworden, weshalb die Anwohner oft stundenlang in Warteschlangen ausharren müssen.
Auch Ivan, 23, aus Torezk muss Wasser für seine Familie holen. Er wandert dafür mit seinen Wassercontainern zu einer nahe gelegenen Quelle. Seine Familie lebt schon lange ohne fließendes Wasser, da die Wasserrohre, die zu ihrer Stadt führen, durch die Kämpfe beschädigt wurden.
Ein alltägliches Bild in Avdiivka: Eine nicht explodierte Mörsergranate liegt im Hinterhof eines Hauses. Die Stadt liegt zwischen den Gebieten, die von der Regierung und ihren Gegenspielern kontrolliert werden. Seit April 2014 wurden mehr als 2.500 Zivilisten getötet, mehr als 9.000 verletzt.
Aus Marjinka werden beinahe täglich Artilleriefeuer und Schüsse gemeldet. Die Zivilisten leben dort unter hohen Risiken.
Sasha, 12, aus Avdiivka zieht seine Socke nach unten, um seine Narben zu zeigen. Diese hat eine Kugel hinterlassen, die seinen Knöchel zersplittert hat. Wie viele andere Kinder in der Region kann er am Geräusch der Waffen unterscheiden, welche Geschütze gerade im Einsatz sind.
"Ohne Wasser gibt es auch keine Heizung", erklärt Yuri, 64, aus Torezk. Er ist für die Instandhaltung der Rohre im Wasserpumpwerk zuständig. Selbst bei Artilleriefeuer geht Yuri unbeirrt zur Arbeit, da er sie als lebensnotwendig für die Menschen in der Region erachtet.
Arbeiter reparieren unterirdische Wasserrohre. Lebensnotwendige Wasser- und Stromanlagen waren im letzten Jahr andauernd Unterbrechungen ausgesetzt, da die zivile Infrastruktur immer wieder unter Beschuss stand.
Von diesen Ausfällen sind mehr als drei Millionen Menschen betroffen, für die der Zusammenbruch schon Teil der Normalität geworden ist.
Die Arbeiter in Avdiivka erzählen, dass der Wasserversorger Voda Donbasa mindestens 20 Mal in Kampfhandlungen getroffen wurde. Nichtsdestotrotz machen die Arbeiter regelmäßig notdürftige Reparaturen an der Anlage, oft bei eisigen Bedingungen und unter Beschuss.
Anatoli versucht beispielsweise gerade mit Stahlresten eine Filteranlage zu reparieren. In Avdiivka liegen die gegnerischen Lager teilweise nur 300 Meter voneinander entfernt, wodurch es regelmäßig zu Gefechten mit Handfeuerwaffen kommt.
UNICEF arbeitet mit den lokalen Wasserunternehmen zusammen, um die Anlagen im Notfall unterstützen, reparieren oder aufrüsten zu können. Wenn die Anlagen nicht komplett repariert werden können, bricht die Versorgung zusammen und lässt Millionen Menschen ohne Wasser und Heizung in den Wintermonaten zurück.
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