Der kleine George Alexander Louis ist noch keine zwei Wochen alt - doch seine Eltern Kate und William dürfte er jetzt schon ziemlich auf Trab halten. Was genau bei ihnen im Moment vorgehen müsste, darüber haben wir uns mit dem Parship-Beziehungsexperten und Autor mehrerer Ratgeber zu dem Thema, Eric Hegmann, unterhalten.

Wie verändert sich eine Beziehung, wenn plötzlich ein Baby da ist?

Hegmann: Vor allem muss man damit rechnen, dass es Momente gibt, in denen man selbst frustriert ist, in denen der Partner frustriert ist. Dass man relativ wenig Zeit hat, um miteinander zu reden. Da ist jetzt ein Baby, das rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist und das bedeutet auch, dass man kaum Zeit für sich selbst hat. Fast alle Paare, die ein Kind bekommen haben, klagen darüber, dass sie sich komplett fremdgesteuert fühlen. Da ist es dann wichtig, dass sie versuchen, Zeit für sich zu finden.

Kann man die Situation von William und Kate mit den ganzen Angestellten und unbegrenzten finanziellen Mitteln überhaupt mit der normaler Eltern vergleichen?

Hegmann: Ihnen wird natürlich viel Arbeit abgenommen. Was sich aber nicht unterscheiden wird, sind die Spannungen, die ein Paar erlebt. Das werden William und Kate auch erleben. Sie müssen sich genauso um Strategien im Umgang miteinander bemühen, denn da funktionieren sie nicht anders als jedes andere Paar.

Gibt es Möglichkeiten, sich vor der Geburt schon darauf einzustellen und sich die Situation vorab schon bewusst zu machen?

Hegmann: Ich glaube schon. Ich denke, der wichtige Part ist es, sich zu überlegen: "Wie gehen wir gemeinsam mit Problemen um? Wie können wir uns gegenseitig für das, was wir leisten, wertschätzen?" Für den einen ist es vielleicht viel schwerer, auf einen Abend pro Woche mit den Freunden zu verzichten, als nachts aufzustehen und sich um das Kind zu kümmern. Man muss da eine Art Problemlösung mit Tauschgeschäften lernen.

Es tauchen aber natürlich immer Situationen auf, auf die man sich nicht vorbereiten kann, egal wie viele Ratgeber man gelesen hat.

Frauen und Männer reagieren mit Sicherheit auf so eine neue Situation ziemlich unterschiedlich – gibt es typische Muster, wer wie mit der neuen Situation umgeht?

Hegmann: Männer sind oft verunsichert und haben Angst, viele Sachen mit dem Baby zu tun, die einer Frau ganz einfach fallen. Frauen fällt es dagegen oft schwer, Aufgaben rund ums Baby abzugeben. Am Anfang vor allem ist es schon so, dass sie das Kind gar nicht aus den Augen lassen wollen, sich schwertun, den Mann Aufgaben erledigen zu lassen.

Kann ein Mann so etwas einfordern? Oder bietet das zusätzliches Konfliktpotenzial?

Hegmann: In einer Beziehung, die schon eine gewisse Laufzeit hat, da wird das leichter fallen. Bei einer jungen Beziehung kann genau diese Situation zu einer Belastungsprobe werden.

Streit kann auch hilfreich sein

Ist es sinnvoll, Streit immer zu vermeiden oder kann er auch hilfreich sein?

Hegmann: Streit ist in der Regel hilfreich, wenn er respektvoll und konstruktiv geführt wird. Das ist natürlich oft leichter gesagt als getan. Wenn man streitet, dann hat man oft etwas in sich hineingefressen, wird laut und damit schwindet der Respekt.

Ich empfehle Paaren, Problemlösungen mit einer gewissen Spur von Humor anzugehen und sich bewusst zu machen, dass jeder Streit, den ein Paar schon geführt hat und der aufgelöst wurde, eine Beziehung ja auch festigt. Dann hat man wieder neue Absprachen getroffen und neue Regeln aufgestellt, da ist es dann keine große Sache mehr, wenn die Frau fragt, ob der Partner mal eine Stunde auf das Kind aufpassen kann, während sie mit einer Freundin Kaffee trinken geht.

Gibt es einen bestimmten Punkt, an dem sich eine Normalität einstellt, an dem sich die Paare an die Situation gewöhnt haben?

Hegmann: Die ersten sechs Monate sind für die Eltern sehr anstrengend und wenn sich in denen die Umverteilung gut etabliert, dann ist das eine gute Voraussetzung für die Jahre danach, weil dann die schlimmsten Situationen schon einmal erlebt und erprobt wurden.

Beim zweiten Kind wird (fast) alles einfacher

Wird es mit einem zweiten Kind einfacher?

Hegmann: Ja, ja, ja. Das ist statistisch gesehen das, was fast alle Eltern sagen. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber die gemeinsame Erfahrung macht schon viel aus. Man kommt in Problemsituationen, bei denen man weiß, dass man das schon einmal geschafft hat und dass man das auch ein zweites Mal hinbekommt. Man ist auf die Probleme einen Tick besser vorbereitet.

Spielt da der Altersunterschied der Kinder eine Rolle – gibt es da Probleme, die sich verdoppeln können? Oder gibt es einen idealen Zeitpunkt, zu dem William und Kate sich um ein Geschwisterchen bemühen sollten?

Hegmann: Ich glaube der Idealzeitpunkt für ein Kind ist immer, wenn beide Eltern eines haben wollen. Natürlich gibt es einige Probleme, die sich verdoppeln. Aber wenn man Glück hat, dann gibt es auch kleinere Aufgaben, die das Geschwisterkind übernehmen kann, was die Eltern zusätzlich entlasten kann. Ich glaube, dass alles zwischen eineinhalb und drei Jahren sicherlich Probleme verdoppelt, es aber fördert, dass sich das ältere Geschwisterkind mit dem Baby beschäftigt.

Oft passiert es ja auch, dass sich nach einer Geburt auch die Eltern und Großeltern des Paares in Erziehungsfragen einmischen. Wir wissen nicht, wie es bei der königlichen Familie ist, aber was gibt es da für potenzielle Konfliktherde?

Hegmann: Ein Punkt, den alle jungen Eltern feststellen, ist die Parallele zu ihrer eigenen Kindheit. Viele Menschen entdecken in so einer Phase, wie ähnlich sie ihren Eltern in bestimmten Angewohnheiten sind, die sie eigentlich gar nicht gut finden. Da ist das Konfliktpotenzial natürlich vorhanden und da kommt man meistens gar nicht drum herum.

Es hilft dann, wenn sich das Paar damit auseinandersetzt, wie ähnlich sie ihren Eltern geworden sind und welche Eigenschaften sie davon gut finden und was sie gar nicht gut finden. Da können sie dann gezielt entgegensteuern.

Eric Hegmann ist der Beziehungsexperte der Dating-Seite Parship und Autor von "Die Dating Docs", "Dating Regeln - So finden und fesseln Sie die große Liebe" und "Bedienungsanleitung Liebe". Er bietet Seminare und Coachings zu den Themen Flirten, Dating und Beziehungen an.