König Philippe von Belgien: Der schüchterne Kampfpilot

Lange haderten die Belgier mit ihrem König. Viele trauten Philippe das Amt nicht zu. Doch in einer besonders dunklen Stunde des Landes wurden die viel kritisierten Schwächen des Royal plötzlich zur Stärke. Zum 60. Geburtstag des Königs ein Rückblick auf sein Leben.

Als Philippe Leopold Louis Marie am 15. April 1960 in Brüssel zur Welt kommt steht schnell fest, dass er später die direkte Nachfolge seines Onkel König Baudouins antreten soll. Dieser hatte selbst keine Kinder und wollte das Zepter an seinen Neffen übergeben. (Bild: 1963)
Als König Baudouins (M.) 1993 stirbt, geht die Krone aber nicht wie geplant an Prinz Philippe (r.), sondern an seinen Vater Albert, den Bruder des verstorbenen Monarchen. Bei näherer Betrachtung kam dieser Schritt nicht ganz überraschend … (Bild: undatiert)
Der junge Kronprinz (M.) galt als schüchtern, steif und unbeholfen. Dass er die Rolle des belgischen Staatsoberhaupts ausfüllen könnte, traute man ihm damals wohl einfach nicht zu. Indem sein Vater Albert (r.) die Amtsgeschäfte übernahm, verschaffte der Palast dem damals 33 Jahre alten Prinzen noch etwas Zeit. (Bild: 1980, v.li.: Philippes Schwester Astrid, Bruder Laurent und Mutter Paola)
Nach dem Abitur an einer normalen Schule besuchte Philippe die königliche Militärschule und studierte an der Universität Stanford in Kalifornien Politische Wissenschaften. Parallel dazu leistete er seinen Wehrdienst ab und ließ sich zum Kampfflieger und Fallschirmjäger ausbilden - was dem zurückhaltenden Royal wohl auch die wenigsten zugetraut hätten. (Bild: 1981)
Philippe spricht neben Französisch und Niederländisch auch Englisch und Deutsch. Das belgische Königshaus hat übrigens seine Wurzeln in Deutschland: Erster König war Mitte des 19. Jahrhunderts Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha. 1920 legte die Königsfamilie den Nachnamen Sachsen-Coburg allerdings ab und nennt sich seitdem einfach "von Belgien". (Bild: 1978)
Nachdem Albert II. seine Abdankung angekündigt hatte, wurde Philippe am 21. Juli 2013 im Alter von 53 Jahren doch noch als König von Belgien vereidigt. Viele Belgier betrachteten ihr neues Staatsoberhaupt allerdings noch immer mit Skepsis - bis heute gilt der 60-Jährige als wenig charismatisch. (Bild: 2013)
Zwar hat der König in Belgien hauptsächlich repräsentative Aufgaben, doch er soll auch die Einigkeit eines kulturell zerrissenen Landes wahren. Der Konflikt zwischen den drei Landesteilen Flandern, Wallonie und Brüssel schwelt immerfort. König Albert II. (li.) trat hier als Vermittler auf, das wird auch von Philippe erwartet. (Bild: undatiert)
Was Philippe an Glamour fehlt, bringt seine Frau Mathilde in den Königspalast mit. Die studierte Logopädin und Diplompsychologin, die wegen ihrer Schönheit mit Lady Di verglichen wird, ergänzt ihn mit ihrer charmanten Art perfekt und ist beim Volk äußerst beliebt. (Bild: 2013)
Am 4. Dezember 1999 heiratete Philippe seine große Liebe Mathilde d'Udekem d'Acoz in der Brüsseler Kathedrale St. Michael und Gudula - eine standesgemäße Hochzeit im europäischen Hochadel. Auf den Straßen jubelten dem Paar zehntausende Menschen zu - wobei der Jubel wohl insbesondere der neuen Königin galt: Immer wieder waren "Mathilde"-Rufe aus der Menge zu hören. (Bild: 1999)
2001 kam Prinzessin Elisabeth (r.) zur Welt - die heute 18-Jährige soll eines Tages die erste Königin von Belgien werden. 2003 und 2005 folgten Prinz Gabriel (3.v.li.) und Prinz Emmanuel (3.v.r.) und drei Jahre später, 2008, wurde Nesthäkchen Prinzessin Eléonore (li.) geboren. (Bild: 2019)
Seine Frau und seine Kinder tun dem schüchternen König gut – auch in Hinblick auf sein Image in der Öffentlichkeit. Dort wird er inzwischen als bodenständiger Familienvater wahrgenommen, was viele Belgier an ihrem König schätzen. (Bild: 2012)
Bis heute gilt Philippe nicht als guter Redner, doch nach den Terrorattacken in Brüssel 2016 traf er in seiner Rede an die Nation den richtigen Ton. Ein Jahr später beeindruckte er viele, als er bei der offiziellen Gedenkfeier für die Terroropfer sagte: "Wagen wir Zärtlichkeit." In dieser Ausnahmesituation entpuppte sich Philippes viel kritisierte Sanftheit plötzlich als Stärke. (Bild: 2016)
Die Bilanz seiner knapp siebenjährigen Regentschaft gilt als positiv. Philippe ist mit seiner Rolle als König gewachsen – und die Belgier haben weitgehend ihren Frieden mit ihm gemacht.