Sechs Jahre haben sich die Macher von "Die Eiskönigin" Zeit genommen, um die Fortsetzung des Disney-Streifens auf die Kinoleinwände zu bringen. Das lange Warten hat sich gelohnt: "Die Eiskönigin 2" hat Potenzial, den Erfolg des ersten Films noch zu übertreffen.

Eine Kritik
von Anke Waschneck, Redakteurin Consumer

Elsa tritt aus einem großen Tor auf einen Balkon und schaut in die Ferne. In einem Eispalast schmettert die Königin ein Solo-Lied. Währenddessen verwandelt sich ihre gewöhnliche Kleidung in ein herrlich glitzerndes Gewand. All das haben die Zuschauer von "Die Eiskönigin" schon 2013 auf der Leinwand gesehen. Nun bekommen sie es erneut präsentiert.

Doch was nach einer faden Wiederholung klingt, ist es keineswegs. Ganz im Gegenteil: Der Fortsetzung von "Die Eiskönigin" gelingt ein Balanceakt. Der Film bedient sich an den gefeierten Momenten des ersten Teils und ergänzt sie mit frischen und unterhaltsamen Szenen. Das Sequel hat Chancen, an den Erfolg des ersten Teils anzuschließen. Der spielte im Jahr 2013 weltweit immerhin 1,3 Milliarden Dollar ein.

Ein verzauberter Wald und die Quelle der Magie

Die Schwestern Elsa und Anna haben sich in Schloss Arendelle eingelebt, sitzen abends gemütlich auf dem Sofa und spielen Scharade. Bis zu dem Tag, an dem Elsa plötzlich eine Stimme hört, die sie ruft. So unterhaltsam es auch für den Zuschauer sein mag, Schneemann Olafs Verwandlungen bei dem Ratespiel zuzusehen, so muss Elsa dem Ruf der mysteriösen Stimme doch folgen.

Dieses Mal begibt sie sich samt Schwester Anna, ihrem Freund Kristoff, Rentier Sven und Olaf im Schlepptau in das Abenteuer. Was folgt, ist eine Reise in den verzauberten Wald, der bewacht wird von Feuer, Wasser, Luft und Erde und einem unbekannten fünften Element…

Elsa hört eine mysteriöse Stimme. Obwohl ihre Schwester Anna dagegen ist, möchte die Eiskönigin dem Ruf auf den Grund gehen.

Elsa macht sich auf die gefährliche Suche nach der Quelle der Magie und ihrer besonderen Kraft. Die Gruppe versucht die Wahrheit über die Vergangenheit herauszufinden. Vor allem Anna bleibt unelegant, ehrlich und nahbar und bricht so herrlich mit dem Prinzessinnen-Klischee. Sie kann schon mal Rotz und Wasser heulen oder mächtig schmollen, wenn Schwester Elsa sie überlistet hat.

Die Reise der ungewöhnlichen Truppe wird von einer lustigen Nebenhandlung versüßt: Kristoff versucht verzweifelt Anna einen Heiratsantrag zu machen. Doch unabsichtlich sabotiert die quirlige Prinzessin dieses Vorhaben immer wieder – egal wie viel Mühe sich der ungelenke Kristoff gibt.

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Die Eiskönigin in einer Minute

Vor allem die Figur des Schneemanns Olaf (im deutschen gesprochen von Hape Kerkeling) hat an Witz zugelegt. Seine wohl beste Szene bringt insbesondere die erwachsenen Zuschauer zum Lachen: Er erzählt die Handlung des ersten Teils ironisch zusammengefasst nach und erscheint dabei wie ein Fünftklässler, der den Prinzessinnen-Kitsch schnell hinter sich bringen möchte. Wer noch mehr von solchen Einlagen möchte, der sollte etwas Sitzfleisch beweisen und bis zum Ende des Abspanns im Kinosaal bleiben…

Das Regie-Team Chris Buck und Jennifer Lee beweist aber nicht nur dieses eine Mal, dass sie sich nicht zu schade sind, die Thematik um Prinzessinnen, Prinzen und Märchen auf die Schippe zu nehmen.

Als Kristoff nach einem weiteren missglückten Heiratsantrag an Anna seine Ballade "Verlassen im Wald" zum Besten gibt, ist die Animation eine herrliche Parodie auf ein Boyband-Musikvideo der 90er-Jahre – Splitscreen und dramatische Nahaufnahmen inklusive. Wäre Kristoff real, könnte er mit diesem Hit wohl jederzeit im "ZDF-Fernsehgarten" auftreten.

Der brandneue Trailer zu "Die Eiskönigin 2" verrät Details zum großen Feind.

Diese Stimmen sind gar nicht eisig

Beeindruckend ist die Liebe zum Detail, die bei der Animation deutlich sichtbar ist. Mit Steinriesen, weiten Landschaften, tobendem Meer und süßen Kreaturen zieht der Film nicht nur die kleinen Zuschauer schnell in seinen Bann.

Und dann wäre da noch die Musik: An den enormen Erfolg des ersten Teils – insbesondere des Hits "Let it go" – kann die Fortsetzung nicht anknüpfen. Trotzdem hat auch der zweite Teil Ohrwürmer, mitreißende Power-Stücke und liebevolle Balladen parat.

Neben den erprobten Sängern aus dem ersten Teil wie Willemijn Verkaik (Elsa), Pia Allgaier (Anna) oder auch Leonhard Mahlich (Kristoff) bekommt auch die Mutter von Elsa und Anna mit Sabrina Weckerlin eine renommierte Stimme des Musicals.

Auch musikalisch leiht sich der zweite Teil die eine oder andere Melodie oder Anlehnung an den ersten Film. Das ist aber keineswegs ein Nachteil, sondern zieht auf eine elegante Weise die Verbindung zwischen den beiden Filmen. So sind sie zwar verwoben, aber dennoch kann auch der zweite Teil noch überraschen und unterhalten.

Ab Mittwoch, 20. November, ist "Die Eiskönigin 2" in den Kinos zu sehen.