Francis Ford Coppola: Vom Star-Regisseur zum Hollywood-Aussteiger

Er erschuf filmische Meisterwerke wie "Der Pate" oder "Apokalypse Now", doch heute will Francis Ford Coppola mit Hollywood nichts mehr zu tun haben. Die Regie-Legende beschäftigt sich stattdessen inzwischen lieber mit dem Weinanbau und dreht nur noch sehr selten Filme. Die wichtigsten Stationen in Coppolas Karriere.

Geboren wird Francis Ford Coppola 07.04.1939 in Detroit. Seine Familie zieht kurz darauf nach New York, wo Coppola aufwächst. Schon damals deutet sich Coppollas Karriere an: In jungen Jahren beginnt er damit, 8-Millimeter-Filme zu drehen.
An der Hofstra Universität auf Long Island studiert er Theater und macht 1960 seinen Abschluss. Anschließend schreibt er sich an der hier abgebildeten Universität von Kalifornien (UCLA) ein und beginnt ein Filmstudium. Seinen Abschluss macht er 1967. Bereits während seiner Studienzeit an der UCLA betätigt sich Coppola als Regisseur.
Der erste Langfilm, der unter seiner alleinigen Aufsicht entsteht, ist der heutzutage in Vergessenheit geratene Schmuddel-Western "Das gibt’s nur im Wilden Westen" ("Tonight for Sure"). Meist wird allerdings der ein Jahr später veröffentlichte Horror-Thriller "Dementia 13" als Coppolas Spielfilmdebüt genannt.
Erste Aufmerksamkeit zieht Coppola 1966 mit dem Film "Big Boy, jetzt wirst Du ein Mann!" ( "You're a Big Boy now") auf sich. Die Komödie erzählt die Coming-of-Age-Geschichte von Bernard Chanticlee (Peter Kastner, rechts im Bild), genannt "Big Boy", der sich nach dem Auszug aus dem Haus seiner Eltern alleine zurechtfinden muss und erste Erfahrungen mit der Damenwelt sammelt.
Zwei Jahre später wird "Der goldene Regenbogen" ("Finian’s Rainbow") Coppolas nächstes Regie-Projekt. Am Set des Filmmusicals lernt er den jungen George Lucas kennen, den er als Assistenten engagiert.
Seitdem verbindet die beiden eine enge Freundschaft. Coppola fördert Lucas im Laufe seiner Karriere mehrfach, wofür der Star-Wars-Schöpfer sich bei seinem "Mentor" in einer Rede im Rahmen der Oscars 1992 bedankte.
Um unabhängiger von den Hollywood-Mechanismen arbeiten zu können, gründen Coppola und Lucas 1969 das Filmstudio "American Zoetrope". Im Bild ist der aktuelle Sitz des Unternehmens im Columbus Tower in San Francisco zu sehen.
Seinen ersten Oscar gewinnt Coppola zwei Jahre nach der Gründung des Studios. Allerdings nicht als Regisseur, sondern für das Drehbuch der Filmbiografie "Patton", an dem er mitschreibt.
Seinen Ruf als Ausnahmeregisseur begründet Coppola 1972 mit "Der Pate". Der Film basiert auf einem Roman von Mario Puzo und erzählt die Geschichte der Mafia-Familie um Oberhaupt Don Vito Corleone (Marlon Brando).
Corleone weigert sich, Geschäfte mit Rauschmitteln zu machen. Dadurch kommt es zum Zerwürfnis mit anderen Mafia-Bossen. Die daraufhin einsetzenden Ereignisse bringen Vitos jüngsten Sohn Michael (Al Pacino) dazu, sich in die Geschäfte der Familie, mit denen er eigentlich nichts zu tun haben will, einzumischen. Die Rolle des Mafia-Sprosses verhalf dem damals noch nahezu unbekannten Pacino zu seinem Durchbruch als Schauspieler.
Coppolas Werk wird mit drei Oscars ausgezeichnet und gilt bis heute als einer der wichtigsten Filme aller Zeiten. Und das obwohl Coppola die Regie lediglich als Auftragsarbeit annahm.
Durch seine vorangegangen Projekte war der Regisseur damals hoch verschuldet und musste um sein Studio fürchten.
Zwei Jahre später folgt "Der Pate II", dessen Geschichte in zwei Handlungsstränge aufgeteilt ist. Einer davon spielt in der Vergangenheit und erzählt die Lebensgeschichte des jungen Vito Corleone (Robert De Niro).
Der andere spielt in der Gegenwart und zeigt Vitos Nachfolger Michael (Al Pacino) und dessen Versuche, das Mafia-Imperium weiter auszubauen.
"Der Pate II" gewinnt sechs Oscars, darunter den für den besten Film. Für zahlreiche Kritiker ist "Der Pate II" noch besser als der erste Teil. Kommerziell ist er allerdings weniger erfolgreich. Dennoch zählt der Film ebenfalls als filmhistorischer Meilenstein.
Nur einige Jahre später legt Coppola das nächste Meisterwerk vor: 1979 läuft "Apocalypse Now" in den Kinos an. Der Antikriegsfilm erzählt die Geschichte von Captain Willard (Martin Sheen), der während des Vietnamkriegs mit einem besonderen Auftrag betraut wird.
Er soll den desertierten und wahnsinnig gewordenen Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando) im Dschungel von Kambodscha ausfindig machen und liquidieren. Der hat dort, gemeinsam mit anderen abtrünnigen Soldaten, eine Art Sekte aufgebaut und ist deren gottlgleicher religiöser Führer.
Die Suche nach Kurtz wird zur Reise durch den Irrsinn des Krieges, der die tiefsten seelischen Abgründe der Menschen zum Vorschein bringt.
Noch heute gilt der zweifach oscarprämierte "Apocalypse Now" als einer der besten und wichtigsten Filme aller Zeiten. An solch einen Erfolg dürfte bei den Dreharbeiten wohl keiner geglaubt haben. Die waren nämlich derart chaotisch, dass sie in der Filmgeschichte ebenso legendär wurden, wie der Film selbst.
Nach wenigen Wochen entließ Coppola beispielsweise den ursprünglich als Hauptdarsteller engagierten Harvey Keitel, was dazu führte das weite Teile des Films mit dem nachbesetzten Sheen neu gedreht werden mussten. Der wiederum erlitt am Set einen Herzinfarkt und fiel wochenlang aus.