Offiziell ist "Aquaman" der sechste Film des DC Extended Universe und Nachfolger von "Justice League" – in Wahrheit jedoch schlicht einer der sehenswertesten Superhelden-Filme der letzten Zeit und der beste Grund, bei sinkenden Temperaturen mal wieder einen Abend im Kino zu verbringen. Popcorn, bitte!

Doreen Hinrichs
Eine Kritik
von Doreen Hinrichs, Redakteurin Unterhaltung

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Nachdem "Aquaman" Arthur Curry (Jason Momoa in absoluter Höchstform) mit seinen Kollegen von der gerade erst geformten "Justice League" (Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot uvm. ) sich der ganz großen Bedrohung für die gesamte Welt in Form des fiesen Steppenwolf (Ciaran Hinds) und seiner Paradämonen entledigt hat, ist es nun Zeit, in seinem eigenen Königreich aufzuräumen.

Der Spross eines Leuchtturmwärters und der atlantischen Königin Atlanna (Nicole Kidman) muss schon als Kind auf die harte Tour lernen, dass man es als Halbblut nirgendwo leicht hat. 30 Jahre später hat sich daran wenig geändert.

Arthur will von seiner royalen Abstammung nichts wissen. Er kann es dem Volk von Atlantis nicht verzeihen, dass seine Mutter wegen ihrer verbotenen Liebe zu einem Menschen einst fiesen Tiefseekreaturen zum Fraß vorgeworfen worden war.

So arrangiert er sich zwar mit seinen Superkräften und rettet Fischer vor dem Ertrinken oder russische U-Boote vor modernen Piraten (Yahya Abdul-Mateen II) - hängt ansonsten aber lieber am Tresen des lokalen Pubs ab.

Aquaman muss sein Schicksal annehmen

Doch bald schon ruft ihn Prinzessin Mera (überraschend sympathisch: Amber Heart) um Hilfe, denn sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) schickt sich an, die sieben Unterwasser-Königreiche zu vereinen, um sich zum "Ocean Master" krönen zu lassen und Krieg gegen die Oberwelt zu führen.

Spätestens jetzt erkennt Arthur, dass er sich seinem Schicksal stellen muss. Unterstützt von seinem alten Lehrmeister Vulko (Willem Dafoe) macht er sich gemeinsam mit Mera auf die abenteuerliche Suche nach dem Dreizack des ersten Königs von Atlantis, der nur vom rechtmäßigen Erben des Throns in Besitz genommen werden kann.

Arthur Currys Entwicklung zum legendären Superhelden im gelb-grünen Anzug ist in jeder Beziehung überwältigend. "Aquaman" überbietet sich in zweieinhalb Stunden Laufzeit geradezu an Unterwasser-Schauplätzen, abgefahrenen Tiefseemonstern, irren Robocop-artigen Kampfmaschinen und bildgewaltigen CGI-Schlachten.

Hat man sich als Zuschauer gerade einigermaßen in der Welt der Unterwasser-Bewohner zurecht gefunden, taucht garantiert ein neues kiemenatmendes Wesen auf, das auf einem Flossenmonster reitet, das gerade einen vieläugigen Wurm frisst … Dass sich Arthur und Mera plötzlich mitten in der Sahara befinden kann einen zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr verwirren. Ideen, Schauplätze und CGI-Monster hätten locker für drei Filme gereicht.

Aquaman macht Spaß – nicht mehr und nicht weniger

Und doch ist der Film zu keiner Sekunde anstrengend oder – schlimmer noch – lieblos und beliebig. Denn er will nichts anderes, als sein Publikum zu unterhalten – und dieses Kunststück gelingt Regisseur James Wan ("Saw") trotzt des bisweilen absurd-chaotischen Gesamtbildes verdammt gut. "Aquaman" ist das filmgewordene "Zack! Boing! Wummsssss!" aus den Comic-Heften.

Klar tun sich einige Logik-Löcher auf, sind die Dialoge bisweilen ehr unfreiwillig komisch - und wenn ein Atlanter, der an Land nicht atmen kann, Rettung mit dem Kopf in der Kloschüssel sucht, dann ist das natürlich Humor auf dem Niveau von Zwölfjährigen – aber genau dafür ist dieser Film gemacht: Für die Zwölfjährigen in uns, die es zwischen Steuererklärung, Staubsaugen und Stau auf dem Weg ins Büro schwer genug haben.

"… nimmt sich nicht so ernst" wird garantiert die meistbemühte Floskel in den Kino-Kritiken sein. Und sie trifft es genau. Der Film will nicht mehr sein, als er ist. Er ordnet sich keiner größeren Story unter; er bietet kein "betreutes Sehen", um dem Zuschauer mit aller Macht eine tiefere Moral aufs Auge zu drücken.

Verschmutzung der Meere? Furchtbar und ein großes Thema. Doch dem mündigen Kinogänger wird zugetraut, die Situation der Ozeane allein zu erkennen, da braucht es keinen mahnenden Monolog vor treibenden Plastiktüten.

Jason Momoa trägt den Film auf seinen Schultern

Doch das größte Highlight ist natürlich Jason Momoa. Seinem Charme kann sich wohl niemand entziehen. Die Natürlichkeit seiner "Aquaman"-Interpretation ist umwerfend. Er verleiht der Hauptfigur eine überzeugende, nie aufgesetzt wirkende Lässigkeit. Weil eben in jedem Charakter, den Momoa spielt, ein großes Stück Momoa steckt.

Das würde bei anderen Schauspielern vielleicht nerven – bei ihm ist es ein großes Glück für den Zuschauer. Dabei geht es nicht nur um Äußerlichkeiten – der eigentlich blondbeschopfte Original-Charakter war in früheren Jahren schon im Biker-Look zu sehen - es ist vor allem die Attitüde, die der Hawaiianer mitbringt.

So, und nur so, gelingt es dem Genre der Comic-Verfilmungen, weiterhin relevant zu bleiben. CGI-Schlachten sind gut und schön (und wir sind sicher die letzten, die sich darüber beschweren würden), doch wichtiger sind und bleiben liebevoll gezeichnete Charaktere, die lebendig wirken und mit deren Schicksal man mitfiebert. Und auf die Fortsetzung hofft …

"Aquaman" von Regisseur James Wan mit Jason Momoa, Amber Heard, Patrick Wilson, Willem Dafoe und Dolph Lundgren startet am 20. Dezember in den Kinos.

"Aquaman": Offizieller Trailer

Jason Momoa zeigte sich auf der Comic-Con erstmals als "Aquaman". © YouTube
Teaserbild: © Warner Bros. Pictures